Politik
Student und Rebell: Joshua Wong begehrt nicht zum ersten Mal gegen das System auf.
Student und Rebell: Joshua Wong begehrt nicht zum ersten Mal gegen das System auf.(Foto: picture alliance / dpa)
Donnerstag, 02. Oktober 2014

"Staatsfeind" Joshua Wong: Hongkongs Protest hat ein junges Gesicht

Von Dominik Schneider

Er ist gerade einmal 17 Jahre alt, unauffällig und Legastheniker. Trotzdem ist dieser Teenager der Kopf der Regenschirm-Revolution in Hongkong. Joshua Wong begehrt nicht zum ersten mal gegen das System auf.

Er ist schmächtig, fast dürr. Der schwarze Pony hängt ihm bis kurz über die Augen, die von einer schwarzen Nerd-Brille eingerahmt werden. Auf seiner Oberlippe sprießt kaum wahrnehmbarer Bartflaum. Joshua Wongs sieht nicht aus wie ein Anführer oder ein Revolutionär. Und doch symbolisiert dieses jungenhafte Gesicht die Hoffnung Tausender. Ein 17-Jähriger steht an der Spitze der Demonstrationen in Hongkong.

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Joshua Wong war noch kein Jahr alt, als Hongkong chinesisch wurde. Trotzdem wurde er wesentlich liberaler erzogen als der Großteil der Festlandchinesen. Wong gehört damit einer Generation junger Hongkonger an, die anders sein will als das Regime in Peking vorgibt - moderner, offener, freier. Diese Einstellung kommt gut an im ehemals so liberalen Hongkong. Nur der Regierung in Peking gefällt das nicht.

Kein unbeschriebenes Blatt

Joshua Wong wurde 1996 im damals noch britischen Hongkong geboren. Er stammt aus einer christlichen, bürgerlichen Familie. Er ist Legastheniker und ein Freigeist, denkt liberal und will sich nicht ideologisch bevormunden lassen. Als einer der Köpfe der inzwischen als "Regenschirm-Revolution" bekannten Demonstrationen ist er kein unbeschriebenes Blatt. Bereits im Alter von fünfzehn Jahren machte Wong auf sich aufmerksam.

Damals sollte an Hongkonger Schulen das Fach "nationale und moralische Erziehung" eingeführt werden, um den Kindern die Linie der kommunistischen Partei nahe zu bringen. Wongs Reaktion: "Wir lassen uns doch unsere Gehirne nicht waschen." Der 15-Jährige gründete die Bewegung "Scholarism" und ging mit 120.000 anderen Schülern sowie mit Lehrern und Eltern gegen das neue Fach auf die Barrikaden. Die Aktion war erfolgreich, die Änderung wurde zurückgenommen. Ein bis zwei Jahre vor der Regelzeit schrieb sich Joshua Wong an der Offenen Universität in Hongkong ein.

"Wir wollen kein Blutvergießen."

Aber kurz nach Beginn seines Studiums steht der 17-Jährige jetzt erneut auf der Straße. Als einer der Anführer der Regenschirm-Revolution protestiert er friedlich für mehr Demokratie, den Rücktritt von Hongkongs Machthaber Leung Chin Ying und freie Wahlen. Zwar wählt in Hongkong das ganze Volk den so genannten Chief Executive, allerdings nur aus einer von der Regierung vorgeschlagenen Auswahl an Kandidaten. Für seine Forderungen hat Wong ein Ultimatum gesetzt, das am Donnerstag ausläuft.

Die Polizei geht hart gegen die Demonstranten vor. Der Regenschirm, inzwischen Symbol der Bewegung, dient zum Schutz vor dem Pfefferspray der Regierungstreuen. Wong selbst gilt inzwischen als "Staatsfeind", wurde im Verlauf der Proteste mit 74 weiteren Aktivisten festgenommen. Während die meisten bald darauf wieder freikamen, blieb Wong für 40 Stunden in Haft.

Der feste Wille des Studenten ist dadurch nicht gebrochen: Unmittelbar nach seiner Freilassung sagt er: "Wir setzen uns auf eine friedliche Weise für ein allgemeines Wahlrecht in Hongkong ein." Aber Joshua Wong ist kein Kämpfer. Er stellt klar: "Sollten Soldaten kommen, gehen wir nach Hause. Wir wollen kein Blutvergießen."

Quelle: n-tv.de