Politik

GroKo-Talk bei "Anne Will" Ideen sind für die anderen da

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Wills Gäste: Elisabeth Niejahr, Alice Weidel, Robert Habeck, Armin Laschet und Heiko Maas (v.l.).

(Foto: NDR/Wolfgang Borrs)

Union und SPD verheddern sich bei ihren Koalitionsverhandlungen im Kleinklein - wie weit die beiden Parteien von Aufbruchstimmung entfernt sind, zeigt sich bei "Anne Will". AfD-Frontfrau Alice Weidel macht sich derweil die Welt, wie sie ihr gefällt.

Wer wissen will, wie es klingt, wenn zwei Parteien miteinander "verhandeln, bis es quietscht", sollte sich besser nicht die Koalitionsgespräche zwischen Union und SPD zum Vorbild nehmen. Da nämlich quietsche bis kurz vor Unterzeichnung des Koalitionsvertrages gar nichts, leitet Anne Will ihre gleichnamige Sendung ein und bezieht sich damit auf die vollmundige Ankündigung von Andrea Nahles zu Beginn der Koalitionsverhandlungen.

Am Sonntagabend bekommen nun Justizminister Heiko Maas (SPD) und der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) die Gelegenheit, die Polit-Talkerin und ihre Zuschauer vom Gegenteil zu überzeugen. Ebenfalls im Studio sitzen Grünen-Chef Robert Habeck, AfD-Frontfrau Alice Weidel sowie die Chefreporterin der "Wirtschaftswoche", Elisabeth Niejahr.

Mitreißend geht anders

Die beiden GroKo-Verhandler nutzen ihre Chance nicht, so viel schon mal vorweg. Stattdessen verheddert sich Laschet, von dem Will "eine knackige Formel" zur anstehenden Koalition wünscht, im Kleinklein, das die Verhandlungen - zumindest von außen betrachtet - bestimmt: Man stehe vor "zig Herausforderungen", sagt der CDU-Politiker. "Wir brauchen Antworten darauf, wie wir die Verwaltungen umstellen und das schnelle Internet." Mitreißend geht anders.

Findet auch die Moderatorin, die Laschet irgendwann süffisant ausbremst: "Ja, aber man könnte auch so etwas wie eine Idee haben." Heiko Maas ist vorgewarnt: "Es geht darum, dass die Europäische Union nicht auseinanderbricht", probiert es der SPD-Mann staatstragend, eiert im Anschluss aber ähnlich planlos durch die Gegend wie Laschet kurz zuvor. Für den neuen Bundesvorsitzenden der Grünen sind die Ausführungen seiner Vorredner natürlich die perfekte Vorlage: "Jetzt stolpert man da irgendwie so rein", sagt Robert Habeck. Dabei sei eine neue GroKo wie "ausgelatschte Schuhe mit neuen Schnürsenkeln. Die eigentlichen Strukturprobleme werden nicht angegangen, wie in den vergangenen Jahren auch schon nicht." Dafür würden "kleine Dinge groß gemacht".

Eine Vorstellung der skurrilen Art liefert kurz darauf Alice Weidel ab. Die AfD-Fraktionsvorsitzende scheint beschlossen zu haben, Fragen generell zu ignorieren. Was Weidel von der Angleichung der Arzthonorare für Privat- und Kassenpatienten und der Abschaffung der sachgrundlosen Befristung von Arbeitsverhältnissen halte, möchte Will wissen. Antwort: "Mein Gruß geht heute raus an die Bürger in Cottbus." Die wehrten sich dort nämlich grade gegen messerstechende Migranten. Will sieht sich gezwungen, zu erwähnen, dass es bei der Sache "zwei Seiten gibt" und das fremdenfeindliche Bündnis "Zukunft Heimat" die Demonstrationen instrumentalisiere.

Damit ist der Gerechtigkeit zwar Genüge getan, aber Weidel hat geschafft, was wohl ihr Ziel war: die Diskussion noch stärker ins Kreiseln zu bringen als ohnehin schon. Es werden zwar noch eine Menge weiterer Themen angeschnitten, am desolaten Gesamteindruck kann die Quantitätsoffensive allerdings auch nichts ändern. Vielleicht wirkt Anne Will ob all dieser Perspektivlosigkeit deswegen am Ende der Sendung auch ein bisschen verzweifelt. "Klappt das morgen?", will sie von Heiko Maas wissen. Zumindest darauf hat der Justizminister eine klare Antwort: "Das wird morgen klappen!" Na immerhin.

Quelle: ntv.de