Politik

Experte Carlo Masala bei ntvIm "Hühnchenspiel" mit Iran steht Trump nicht gut da

04.05.2026, 15:34 Uhr
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Im Ringen zwischen den USA und Iran sieht Bundeswehr-Experte Carlo Masala strukturelle Vorteile für den Iran. Welche der beiden Seiten aber zuerst dem ökonomischen Druck der Seehandelsblockaden nachgibt, sei offen. Ein erneuter Angriff auf Iran sei für die USA aber "schwieriger" geworden.

Im Ringen zwischen der US-Regierung unter Donald Trump und der iranischen Führung wagt Militärexperte Carlo Masala zwar keine Prognose zum weiteren Verlauf, sieht aber die USA dennoch im Nachteil. "Wer schert als Erster aus diesem Konfrontationskurs aus?", umschreibt der Politikwissenschaftler der Bundeswehr-Universität München im Gespräch mit ntv das Geschehen. "Und das können wir nicht beantworten, auf wen der Druck als Erstes so groß sein wird, dass er seine Position verändert." Dem Iran bescheinigte Masala ein gewisses "Potenzial" zum Durchhalten.

"Entweder wird der Iran so große ökonomische Probleme bekommen, dass er einknickt. Oder aber die Weltwirtschaft wird so in die Knie gehen, dass andere Staaten auf die USA Druck ausüben werden, (...) ihre Position zu verändern", sagte Masala. Das sei ein "Hühnchenspiel" ("game of chicken"). "Wir wissen, dass autoritäre Staaten, diktatorische Staaten ja wesentlich mehr Möglichkeiten haben, solche wirtschaftlichen Engpässe auf die Bevölkerung abzuwälzen als demokratische Staaten", sagte Masala über die wirtschaftlichen Auswirkungen der doppelten Schifffahrtsblockade in der Straße von Hormus. "Von daher denke ich, dass der Iran sicherlich noch ein bisschen Potenzial hat." Der Iran lässt derzeit keine Schiffe die Straße von Hormus passieren, die Rohstoffe wie Öl oder Edelgase aus den Golfstaaten transportieren. Die USA blockieren ihrerseits den Seehandel mit dem Iran.

"Das erzeugt dann Chaos"

Einen Hinweis darauf, dass Trump ökonomischen Druck spürt, sieht Masala in dessen neuester Ankündigung eines "Geleits" durch die Straße von Hormus. "Die Ankündigung, Schiffe zu eskortieren, ist sicherlich zur Beruhigung der Märkte gewesen, damit heute die Börsen positiver aufmachen, als das in der Vergangenheit der Fall war", sagte Masala. Die von Washington behauptete Zustimmung Teherans aber habe es nicht gegeben. "Wie so oft war der Iran da nicht eingebunden und hat dann halt sehr klargemacht, dass es mit ihm so nicht zu machen ist. Das erzeugt dann Chaos", so Masala. Kurz nach dem Interview zwischen Masala und ntv meldete der Iran, er habe eine US-Fregatte mit zwei Raketen beschossen, weil diese in die Straße von Hormus habe eindringen wollen. Die USA dementierten einen iranischen Treffer.

Neben der Frage der ökonomischen Leidensfähigkeit sieht Masala den US-Präsidenten mit einem weiteren Problem konfrontiert: seine vom Iran weitgehend ausgesessenen Drohungen. "Die Gefahr besteht natürlich, dass, wenn dieses Spiel 'Trump droht dem Iran, Iran macht es nicht' noch länger so weitergeht, dass Trump dann irgendwann mal in dieser Falle hockt, dass er was tun muss, um seine eigene Glaubwürdigkeit wieder herzustellen", sagte Masala. Zugleich zeige das Geschehen der letzten Wochen, "dass Trump keine erneute Eskalation will".

Irans Gegenangriffe hatten Folgen

Zwar hätten die USA keine Angst vor einer erneuten Eskalation. Dennoch fände ein erneuter, offen ausgetragener Krieg unter veränderten Vorzeichen statt. Die Iraner hätten "wichtige Radare in der Region zerstört" - mit Hilfe präziser Satellitendaten, die der Iran "aller Wahrscheinlichkeit nach" aus Russland oder China erhalten habe. In der Folge sei für die US-Armee "die Operationsführung im Mittleren und Nahen Osten erschwert", so Masala. So sei etwa die Luftbetankungsfähigkeit der US-Luftwaffe eingeschränkt. Eine Wiederaufnahme der US-Angriffe auf den Iran sei deshalb "nicht unmöglich, aber schwieriger".

Eine strukturell geringere ökonomische Leidensfähigkeit, Trumps bislang leere Drohungen und folgenreiche militärische Schäden durch den Iran: Diese drei Punkte zählt Masala als nachteilig für die USA auf. Auch die wesentlichen Kriegsziele, die Trump zu Beginn genannt hatte, seien unerreicht. Zwar sei das "militärische Potenzial des Iran erheblich geschwächt", sagte Masala. Der Krieg habe aber "weder die Voraussetzungen für einen internen regime change geschaffen, noch das Nuklearprogramm vollständig beseitigt, noch die ballistische Raketenproduktion auf Null zurückgesetzt". Es stelle sich die Frage "Was hat dieser Militäreinsatz gebracht, außer dass jetzt Asien und Europa massiv von der Blockade der Straße von Hormus betroffen sind?"

Quelle: ntv.de, shu/tbi

Donald TrumpUSAIranStraße von Hormus