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Rascher Aufstieg, rasanter Fall Immerhin wurde Steve Bannon nicht geköpft

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Von "es war großartig" zu "der schlampige Steve" - Trump hat sich von Bannon losgesagt.

(Foto: REUTERS)

Mit Donald Trump als Aushängeschild wollte Steve Bannon die rechtspopulistische Revolution nach Washington tragen. Das ist schief gegangen: Er hat den Machtkampf mit Trumps Familie schon zum zweiten Mal verloren.

Mitten in dem gerade so heiß diskutierten Buch "Fire And Fury" über Donald Trump steht ein Zitat, das gut beschreibt, wie sein Berater Steve Bannon ihn sah. Aus Bannons Sicht war Trump "das Gefäß; es gab keinen Bannon ohne Trump".

Dieser Ausdruck, im Englischen vessel, war schon im Wahlkampf gelegentlich von Trump-Anhängern zu hören. Vielleicht war Trump nicht der perfekte Kandidat, so hieß es damals, denn er konnte nicht reden und war das Gegenteil von integer. Aber für jene, denen Trumps nationalistischer Ansatz gefiel, war er das richtige Gefäß.

Trump wird diese Sicht nicht gefallen haben, schließlich ist das Gefäß in dieser Metapher von Hause aus leer. So soll Trump nachhaltig verärgert gewesen sein, als die Zeitschrift "Time" im Februar 2017 mit einem Bild von Bannon auf der Titelseite erschien, dazu die Schlagzeile "Der große Manipulator". Man weiß, nicht erst durch Michael Wolffs Buch, dass Trump es nicht leiden kann, als überfordert, unterbelichtet und leicht beeinflussbar dargestellt zu werden. Die ständigen Enthüllungen über Kontakte aus seinem Wahlkampfteam nach Russland gehen ihm wohl auch deshalb auf die Nerven, weil sie seinen eigenen Anteil am Wahlsieg schmälern.

Dass diese Wut für ihn zum Problem werden kann, scheint Bannon geahnt zu haben. Er habe sich als "Trump's Cromwell" bezeichnet, schreibt Wolff. Eine durchaus anmaßende Selbsteinschätzung: Der englische Staatsmann Thomas Cromwell gilt als Architekt der Reformation unter König Heinrich VIII. im 16. Jahrhundert. Auch Bannon wollte die alte Ordnung hinwegfegen - nicht nur das Establishment, das ganze System. Doch die Parallele geht noch weiter. Wolff schreibt, Bannon sei stets klar gewesen, wie Cromwell endete: Er wurde hingerichtet, nachdem er beim König in Ungnade gefallen war.

Die Plattform für die "Alt-Right"

Begonnen hatte Bannons politischer Aufstieg bei der radikal rechtspopulistischen Nachrichtenseite Breitbart. Nach dem Tod des Gründers 2012 hatte er dort mit Unterstützung des Geldgebers Robert Mercer die Leitung übernommen. Im Vorwahlkampf entschied er sich schon früh, auf Trump zu setzen. In einer Mail an eine Bekannte bezeichnete er Breitbart im August 2015 als "Trump Central", als Zentralorgan für Trump. Zu diesem Zeitpunkt hatten die eigentlichen Vorwahlen noch gar nicht begonnen. Ein Jahr später, im Juli 2016, nannte er Breitbart "die Plattform für die Alt-Right", eine diffuse Bewegung, die sowohl Rechtskonservative als auch Neonazis und Rassisten umfasst. Dass dieses Bündnis sich Trumps Lager anschloss und dort sogar wohlfühlen konnte, war auch Bannons Verdienst.

Im August 2016 wurde Bannon Trumps offizieller Wahlkampfchef. Nach der Wahl nahm der Präsident ihn mit nach Washington und machte ihn zu seinem "Chefstrategen". Jetzt war er angekommen: Er stellte Tafeln in sein Büro, auf die er seine Ziele schrieb und abhakte, wenn etwas erreicht war. Er war allerdings nicht nur erfolgreich: Ständig befand er sich im Machtkampf mit Präsidententochter Ivanka Trump und deren Mann Jared Kushner - beides ebenfalls Berater des Präsidenten, beides Figuren, die aus Bannons Sicht viel zu liberal waren. Im August 2017 entließ Trump ihn mit freundlichen Worten. "Ich möchte Steve Bannon für seinen Dienst danken", twitterte er. "Er kam zu meinem Wahlkampfteam, als ich gegen die betrügerische Hillary Clinton antrat - es war großartig!"

Noch am Tag seiner Entlassung leitete Bannon eine Redaktionskonferenz bei Breitbart. Jetzt sei er frei, sagte er. "Ich habe meine Hände wieder an meinen Waffen." Damit werde er "die Opposition vernichten". Mit "Opposition" meinte er weniger die Demokraten als vielmehr das verhasste republikanische Establishment - Leute wie Mitch McConnell, den Mehrheitsführer der Republikaner im Senat, oder Paul Ryan, den Sprecher des Repräsentantenhauses, die Trump nur widerwillig als Bannerträger ihrer Partei akzeptiert hatten. Auch für sie war der Präsident nur ein "Gefäß" - eines, das sie mit ihren eigenen Inhalten füllen wollten. Mit Steuersenkungen zum Beispiel, und möglichst viel Deregulierung, also der Abschaffung von Auflagen für Banken oder von Umweltrichtlinien. Tatsächlich arbeiten Trump und die Republikaner im Kongress auf dieser Linie seit Monaten harmonisch zusammen. Themen wie die Mauer an der Grenze zu Mexiko sind zwar nicht vom Tisch, stehen aber auch nicht mehr im Zentrum von Trumps Politik.

"Ich oder Steve"

Bannons Fall verlief noch rasanter als sein Aufstieg. Schuld daran waren die vielen abfälligen Sätze von ihm über seine alten Gegenspieler Jared und Ivanka, die sich in "Fire And Fury" finden. Dazu gehört wohl vor allem die Einschätzung, das Treffen von Donald Trump Junior und anderen mit einer russischen Informantin im Trump Tower sei "Landesverrat" gewesen. (Eine Ironie am Rande ist, dass diese Zitate einem Buch entstammen, das dem Weißen Haus zufolge "voller Lügen" ist; abgesehen offenbar von den Bannon-Zitaten.)

In gewisser Weise hat Bannon den Machtkampf mit "Jarvanka", wie er sie nennt, ein zweites Mal verloren. Derselbe Trump, der Bannon ein halbes Jahr zuvor noch für seine Dienste gedankt hatte, erklärte nun, Bannon habe "nichts mit mir oder meiner Präsidentschaft zu tun". Trump erfand sogar einen Spottnamen für seinen einstigen Mitarbeiter. So hatte er das schon im Vorwahlkampf mit seinen wichtigsten Gegenkandidaten und danach mit Clinton getan: Klein-Marco, Niedrigenergie-Jeb, Lügen-Ted, betrügerische Hillary. "Der schlampige Steve wurde von fast jedem fallengelassen wie ein Hund", schrieb Trump auf Twitter. Und fügte hämisch hinzu: "Zu schade!"

Da hatte "der schlampige Steve" immerhin noch seinen Job bei Breitbart. Dass er denn jetzt auch noch los ist, hat er nicht allein Trump zu verdanken, sondern vor allem Robert Mercer und seiner Tochter Rebekah Mercer. Die beiden Breitbart-Finanziers waren die wichtigsten Geldgeber im Wahlkampf für Trump. Das wollen sie bleiben. "Ich unterstütze Präsident Trump und das Programm, für das er gewählt wurde", teilte Rebekah Mercer in einer Erklärung mit, nachdem Trump mit Bannon gebrochen hatte.

In den Tagen nach dem Bruch soll Trump jedem, der zum Weißen Haus gehört oder dem Weißen Haus nahe steht, gesagt haben, man müsse eine Wahl treffen - "ich oder Steve". Die Mercers haben das gemacht. Sie haben sich für das Gefäß entschieden.

Quelle: n-tv.de

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