Politik

Brasilianischer Wiedergänger Inhaftierter Lula will erneut Präsident werden

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Mit dieser Fahne fordern Lulas Anhänger die Freilassung des Ex-Präsidenten.

(Foto: AP)

Die größte Volkswirtschaft Lateinamerikas befindet sich in einer politischen Krise: Die Korruption in Brasilien grassiert, sogar Ex-Präsident Lula sitzt deswegen in Haft. Trotzdem lässt sich der Inhaftierte wieder zur Wahl aufstellen - doch die Konkurrenz ist groß.

Die brasilianische Arbeiterpartei (PT) hat am Samstag Ex-Präsident Luiz Inácio Lula da Silva trotz seiner Haftstrafe zu ihrem Präsidentschaftskandidaten gekürt. Die Entscheidung war erwartet worden. In einer Botschaft an die Delegierten forderte der inhaftierte 72-Jährige, dass "Brasilien seine Demokratie wiederherstellen muss".

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Sie gilt nach Lula als aussichtsreichste Kandidatin für das Präsidentenamt: Ex-Umweltministerin Marina Silva.

(Foto: picture alliance/dpa)

Lula bestreitet die gegen ihn erhobenen Vorwürfe und nennt seine Verurteilung politisch motiviert. Zwar sehen Umfragen Lula trotz seiner Inhaftierung derzeit als aussichtsreichsten Kandidaten, wegen seiner Haftstrafe dürfte er aber in den kommenden Tagen offiziell von der Wahl ausgeschlossen werden. Der 72-jährige Politiker sitzt wegen Verwicklung in eine weitverzweigte Korruptionsaffäre und Geldwäsche für zwölf Jahre im Gefängnis.

Nach Lula darf sich die Ex-Umweltministerin Marina Silva die größten Chancen auf das Präsidentenamt ausrechnen. Die frühere Weggefährtin des Inhaftierten bewirbt sich bereits zum dritten Mal um das höchste Staatsamt ihres Landes und wurde in Brasília von ihrer Öko-Partei Rede Sustentabilidade (Netzwerk Nachhaltigkeit) zur Kandidatin für die Präsidentenwahl am 7. Oktober ernannt.

Hoffnungsträgerin in turbulenten Zeiten

Silva war fünf Jahre lang Umweltministerin während der Amtszeit Lulas (2003-2010) gewesen; die 60-Jährige verließ 2008 jedoch die Regierung und die Arbeiterpartei im Streit wegen deren Umweltpolitik. Nach ihren Kandidaturen 2010 und 2014 gilt sie in diesem Jahr wieder als aussichtsreiche Bewerberin.

Die schwarze Umweltaktivistin ist für viele Brasilianer eine Hoffnungsträgerin inmitten einer politisch turbulenten Zeit für die größte Volkswirtschaft Lateinamerikas. Im Falle eines Ausschlusses von Lula dürfte der Ex-Militär Jair Bolsonaro zu ihrem größten Konkurrenten avancieren. Wegen seiner rechtspopulistischen Parolen und seiner Attacken auf die Medien wird Bolsonaro oft mit dem US-Präsidenten Donald Trump verglichen.

Quelle: ntv.de, jve/dpa/AFP