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Sonderschulen bleiben nötig Inklusion gelingt nur stockend

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In einem halben Jahrzehnt stieg der Anteil förderbedürftiger Schüler an Regelschulen nur von 18,4 auf 25 Prozent.

(Foto: picture alliance / dpa)

Deutschland hat sich in einer UN-Konvention verpflichtet, Kinder mit und ohne Behinderung künftig gemeinsam zu unterrichten. Doch die sogenannte Inklusion schreitet nur schleppend voran. Dem Schulsystem fehlt Geld. Zudem steigt die Zahl der förderbedürftigen Schüler immer weiter.

Der angestrebte gemeinsame Unterricht von Schülern mit und ohne Behinderung (Inklusion) kommt im deutschen Schulsystem nur in kleinen Schritten voran. Jeder vierte Schüler mit Förderbedarf besucht inzwischen eine reguläre Schule. 2009 lag die Quote noch bei 18,4 Prozent. Ein weiterer Kritikpunkt: Der Bedarf an Sonderschulen hat sich laut der Untersuchung des Bildungsforschers Klaus Klemm im Auftrag der Bertelsmann Stiftung kaum verringert. 2009 gingen 4,9 Prozent der Betroffenen nicht auf eine reguläre Schule. Aktuell sind es 4,8 Prozent.

Hinzu kommt: Die leicht gestiegene Quote von Förderschülern an regulären Schulen sei kein Indiz für eine angemessene Betreuung, denn dafür sei nicht die Zahl der förderbedürftigen Schüler an Regelschulen maßgeblich, sondern die Frage, ob ausreichend Lehrpersonal vorhanden sei.

Schulsystem fehlen 660 Millionen Euro

Vor vier Jahren hatte Deutschland sich im Rahmen der Behindertenrechtskonvention verpflichtet, Schüler mit und ohne Behinderung gemeinsam zu unterrichten. Schon 2012 hatte der Bildungsökonom Klemm errechnet, dass - selbst wenn die Mittel der Sonderschulen weitgehend zu den Regelschulen umgeschichtet würden - bundesweit jährlich 660 Millionen Euro für 9300 zusätzliche Lehrer gebraucht würden, um inklusiven Unterricht in angemessener Qualität anzubieten. Nun fügte er hinzu: "Solange das Doppelsystem aus Regel- und Förderschule besteht, ist erfolgreiche Inklusion schwierig, weil Förderschulen jene Ressourcen binden, die dringend für den gemeinsamen Unterricht benötigt werden."

Die trotz der langsam fortschreitenden Inklusion konstante bundesweite Bedeutung der Sonderschulen hängt vor allem damit zusammen, dass bei immer mehr Kindern sonderpädagogischer Förderbedarf festgestellt wird, heißt es in der Studie. 2009 hatte der Anteil der Schüler mit Förderbedarf an der gesamten Schülerschaft noch bei sechs Prozent gelegen. Im vergangenen Jahr betrug die Förderquote 6,4 Prozent. Insgesamt haben damit in Deutschland eine halbe Millionen Schüler besonderen Förderbedarf.

Regionale Unterschiede sind groß

Laut Studie sind die Unterschiede beim Thema Inklusion zwischen den Bundesländern groß. Bei den Faktoren Stellenwert von Sonderschulen, Anerkennung von Förderbedarf und Ausbau von gemeinsamen Unterricht weichen die Länder erheblich voneinander ab. Vorreiter bei der Inklusion sind Bremen (55,5 Prozent) und Schleswig-Holstein (54,1). In Niedersachsen werden nur 11,1 Prozent der Förderschüler auf einer regulären Schule unterrichtet.

In Mecklenburg-Vorpommern haben mit 10,9 Prozent mehr als doppelt so viele Schüler besonderen Förderbedarf wie in Rheinland-Pfalz oder Niedersachsen (4,9 Prozent). Und während in Bremen der Anteil der Schüler an Förderschulen seit 2009 von 4,6 auf 2,8 Prozent stark zurückgegangen ist, ist in Baden-Württemberg der Anteil von 4,7 auf 5,0 Prozent gestiegen.

Quelle: n-tv.de, dpa

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