Politik

"Krieg im Vatikan wegen Pädophilie" Interner Streit eskaliert

Im Vatikan herrscht dicke Luft. Hintergrund sind Vertuschungen im Umgang mit sexuellem Missbrauch. So sollen Ermittlungen gezielt behindert worden sein. Der Wiener Kardinal Schönborn fordert jetzt eine schonungslose Aufklärung der Missbrauchsfälle. Auch die Bevorzugung des Täterschutzes vor dem Opferschutz müsse beendet werden.

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Man wünscht sich schon, dass endlich ein frischer Wind durch den Vatikan weht.

(Foto: picture alliance / dpa)

Der innerkirchliche Streit über den Umgang mit sexuellem Missbrauch ist eskaliert. Am Wochenende wurden Vorwürfe des Wiener Kardinals Christoph Schönborn bekannt, im Fall seines Vorgängers Hans Hermann Groer habe der langjährige Kardinal-Staatssekretär Angelo Sodano Missbrauchs-Ermittlungen verhindert. Der vatikanische Außenminister Sodano habe sich damit gegen den damaligen Kardinal Joseph Ratzinger durchgesetzt. Der heutige Papst Benedikt XVI. habe 1995 die Vorwürfe gegen Groer untersuchen lassen wollen, dieser habe sich an jungen Seminaristen vergangen. Der 1995 zurückgetretene und 2003 gestorbene Groer hatte die Anschuldigungen bestritten.

Italienische Sonntagszeitungen griffen die Äußerungen Schönborns, die er Ende April in einem Hintergrundgespräch mit österreichischen Journalisten gemacht hatte, auf. "Krieg im Vatikan wegen Pädophilie", titelte der konservative "Il Giornale". Nach einer Zusammenfassung der österreichischen Nachrichtenagentur Kathpress, die sich auf Presseberichte stützte, sprach sich Schönborn angesichts der anhaltenden Austrittswelle erneut für eine schonungslose Aufklärung der Missbrauchsfälle aus. "Die Zeit des Vertuschens ist vorbei." Vorbei sei auch jede Bevorzugung des Täterschutzes vor dem Opferschutz.

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Der Papst hat bislang nicht viel zur Aufarbeitung der unrühmlichen Geschichte beigetragen.

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Bereits im April hatte eine katholische Publikation in den USA Sodana Vertuschung im Fall eines pädophilen amerikanischen Priesters vorgeworfen. Der Vatikan räumte daraufhin ein, dass die Anschuldigungen gegen den 2008 verstorbenen Geistlichen zuträfen, nachdem er sie zunächst bestritten hatte.

Kürzlich hatte Benedikt das Rücktrittsgesuch des umstrittenen Augsburger Bischofs Walter Mixa angenommen, der nach anfänglichem Leugnen Misshandlungen von Heimkindern in seiner früheren Eigenschaft als Stadtpfarrer von Schrobenhausen eingeräumt hat. Zuletzt war der Vorwurf publik geworden, der Bischof habe sich an einem Jugendlichen sexuell vergangen.

Quelle: ntv.de, ppo/AFP/dpa/rts