Politik

65 Jahre nach dem Holocaust Israelis verzeihen Deutschen nicht

Der Völkermord an den Juden in Europa ist über 60 Jahre her. Doch viele Israelis können den Deutschen noch immer nicht vergeben. Am ehesten sind noch die Älteren dazu bereit.

AP10111619471.jpg

Ältere wollen einen harmonischen Abschied.

(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Über sechs Jahrzehnte nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs kann eine große Mehrheit von Israelis den Deutschen den Holocaust nicht verzeihen. Das israelische Zentrum für Akademische Studien bei Tel Aviv veröffentlichte Zahlen, nach denen lediglich knapp ein Viertel der Israelis bereit wäre, Deutschland für die Verbrechen des Holocaust zu vergeben.

Für die Studie befragte das Geokartografia-Institut 500 erwachsene Israelis, die eine repräsentative Stichprobe der jüdischen Bevölkerung darstellen. Eine der Fragen lautete: "Ist es heute, 65 Jahre nach dem Holocaust, den das jüdische Volk in Europa erlebt hat, an der Zeit, dem deutschen Volk und Deutschland die Verbrechen der Shoah zu vergeben?" 23 Prozent der Befragten antworteten mit "Ja", 70 Prozent mit "Nein" und die restlichen sieben Prozent konnten sich nicht entscheiden.

Ältere verzeihen leichter

Das Institut wies auf die überraschende Tatsache hin, dass die Bereitschaft zur Vergebung größer war, je älter die Befragten waren. Zudem neigten säkulare Juden laut der Umfrage eher dazu, den Holocaust zu verzeihen, als religiöse.

Die israelische Psychologin Scharon Siv sagte zu den Ergebnissen der Umfrage: "Die Tatsache, dass gerade die ältere Generation, die den Holocaust am eigenen Leib erfahren hat, eher zur Vergebung bereit ist, hat etwas mit dem Bedürfnis zu tun, sich auf harmonische und optimistische Weise von der Welt zu verabschieden." Der Holocaust werde als "entsetzlicher und unbegreiflicher Ausdruck systematischer menschlicher Bosheit" wahrgenommen. "Im Alter wollen die Menschen jedoch an die Möglichkeit einer besseren Welt glauben."

Quelle: ntv.de, dpa