Politik

US-Präsidentschaftswahl 2020 Je näher sie rückt, desto mehr flunkert Trump

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Bei seinem Auftritt am Wochenende in Wisconsin machte Trump 61 zumindest irreführende Behauptungen.

(Foto: REUTERS)

Wie ungenau es US-Präsident Trump mit der Wahrheit nimmt, das dokumentieren Medien schon seit dessen Amtsantritt. Die Statistik zeigt: Irreführende und falsche Behauptungen werden häufiger.

Im Weißen Haus werden Fakten verbrannt, deren Asche Sprecherin Sarah Sanders dann als Make-up verwendet. So hatte die US-Komikerin Michelle Wolf im vergangenen Jahr das Verhältnis der aktuellen US-Regierung zur Wahrheit beschrieben. Nun liegen neue Zahlen vor, wie es Präsident Donald Trump damit hält.

Die Häufigkeit solcher Behauptungen nimmt demnach zu. Mehr als 10.000 Mal hat Trump laut dem "Fact Checker"-Projekt der "Washington Post" in seiner Amtszeit "falsche oder irreführende Behauptungen" gemacht. Das Projekt prüft jede Aussage des US-Präsidenten. Es geht auch dem Wahrheitsgehalt seiner Tweets nach und addiert ihn zu Trumps mündlichen Äußerungen.

Der bisherige Rekordmonat war Oktober 2018, kurz vor der US-Kongresswahl. Trump hatte vor allem Angstmacherei vor einer angeblichen "Invasion" von Immigranten betrieben. Die sogenannten Karawanen mit Migranten aus Zentralamerika in Richtung US-Südgrenze fanden deshalb breite mediale Beachtung. Nach dem Wahlmonat November verringerte sich die Häufigkeit seiner Behauptungen im Dezember deutlich, nur um ab Januar wieder auf ein hohes Niveau zurückzukehren.

Egal, ob widerlegt oder nicht

Seit Beginn des Jahres erklären sich oppositionelle Demokraten als mögliche Kandidaten für die Präsidentschaftswahl 2020. Dass die Republikaner Trump ins Rennen schicken, gilt als sicher. Ein weiterer möglicher republikanischer Kandidat hat sich registrieren lassen, dürfte aber kaum eine Chance haben: Bill Weld, Gouverneur des Bundesstaates Massachusetts.

Die Häufigkeit von Trumps Behauptungen hat in der ersten Monaten des Jahres zugenommen. Das macht sich auch in der Gesamtzahl bemerkbar. Die 5000er-Marke hatte Trump am 7. September vergangenen Jahres, also 596 Tage nach seinem Amtsantritt übersprungen. Für die folgenden 5000 brauchte er bis zum 27. April aber nur 232 Tage.

Allein bei einer Wahlkampfveranstaltung in Wisconsin am vergangenen Samstag stellte er bei einer Rede 61 Mal zumindest irreführende Behauptungen auf. Insgesamt waren es 171 Behauptungen innerhalb von drei Tagen (25. bis 27. April), mehr als in jedem der ersten fünf Monate seiner Präsidentschaft. Trump macht also mehr irreführende Behauptungen oder lügt, wenn es um seine Macht geht.

Auffällig ist auch, dass Trump bestimmte Aussagen einfach wiederholt, obwohl sie falsch und widerlegt sind. Am Häufigsten hat er behauptet, er werde bis Ende kommenden Jahres mehr als 400 Meilen Mauer an der Grenze zu Mexiko errichtet haben - bis zum 27. April tat er dies 160 Mal. Der Kongress hat aber nur zugestimmt, Zäune hochzuziehen. Zudem reichen die verfügbaren Finanzmittel trotz nationalem Notstand insgesamt nur für etwa 260 Meilen Grenzbefestigungen.

Auf Rang zwei: 147 Mal behauptete Trump, dass die USA mit "jedem Land" ein Handelsdefizit habe, was nicht stimmt. 143 Mal sagte er, seine Steuerreform sei die größte Entlastung in der Geschichte des Landes. Das ist falsch, Trumps Reform liegt auf Rang acht. Auch die 134-malige Behauptung, der US-Wirtschaft gehe es so gut wie nie, ist nicht richtig. Unter Bill Clinton erlebten die Vereinigten Staaten einen Boom, der sogar zu einem riesigen Haushaltsplus führte.

Quelle: ntv.de, rpe