Politik

Für verdeckte Aktion bezahlt Jugendliche posten Fake News für Trump

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Trump bei einem Auftritt bei "Turning Point" im vergangenen Jahr - rechts Charlie Kirk.

(Foto: AP)

Der Wahlkampf in den USA wird auch und vor allem im Netz geführt. Eine Zeitung deckt nun auf, wie eine Trump-freundliche Organisation Jugendliche bezahlte, um auf sozialen Netzwerken Stimmung für den Präsidenten zu machen - der Wahrheitsgehalt war dabei zweitrangig.

In den USA ist eine Gruppe von Teenagern aufgeflogen, die verdeckt im Internet Wahlkampf für Trump gemacht hat. Wie die "Washington Post" berichtet, handelten die zum Teil Minderjährigen im Auftrag der republikanisch gesinnten Jugendorganisation "Turning Point" und wurden für ihre Botschaften bezahlt. In Tausenden Posts auf Facebook, Twitter und Instagram verbreiteten sie zum Teil typische unbewiesene Behauptungen: etwa, dass bei der Briefwahl massiver Wahlbetrug drohe oder auch, dass die Totenzahlen in der Corona-Pandemie übertrieben würden - obwohl angesichts einer zu erwartenden Dunkelziffer das Gegenteil der Fall sein dürfte.

Facebook, das auch Instagram betreibt, und Twitter blockierten nach Bekanntwerden der Recherche der Zeitung mehrere Accounts. Die sozialen Netzwerke hatten die verdeckten Botschaften nicht bemerkt, weil sie von echten Nutzern stammten, die ihre eigenen Konten nutzten. Seit der groß angelegten russischen Desinformationskampagne im Wahlkampf 2016 hatten die Betreiber der Internetdienste besonders auf sogenannte Bots geachtet, also computergesteuerte Konten auf sozialen Medien, die massenhaft Wahlkampfbotschaften verbreiten. Da es sich nun aber um echte Nutzer handelte, war dies ungleich schwieriger.

Laut "Washington Post" reagierten die geheimen Wahlkämpfer vornehmlich auf Posts von anderen Nutzern und versuchten beispielsweise, Zweifel an Trump-kritischen Bemerkungen zu säen. Ihre Textbausteine entnahmen sie demnach einem gemeinsamen Onlinedokument. Sie seien angewiesen worden, Anfang und Ende umzuschreiben, damit nicht auffiel, dass die Beiträge aus der gleichen Quelle stammten. Um nicht die Aufmerksamkeit der Betreiber der Netzwerke zu erregen, sollten die Zeilen nur begrenzt verwendet werden. Dennoch fand die "Washington Post" eigenen Angaben zufolge Tausende gleichlautende Tweets.

Die Organisation "Turning Point" aus Phoenix im Bundesstaat Arizona um ihren Vorsitzenden, den 26-jährigen Charlie Kirk, wies Kritik an dem Vorgehen zurück. Es handele sich um "aufrichtigen Polit-Aktivismus", hieß es in einer Stellungnahme der Organisation. Es sei eine "krasse Verdrehung" der Tatsachen, die Jugendlichen mit einer Trollfarm in Russland zu vergleichen. Es handele sich hier um echte Menschen, die leidenschaftlich für ihre Meinungen und Überzeugungen einstünden. Laut der Zeitung machte aber niemand von ihnen deutlich, für ihre Aktivität bezahlt zu werden oder von "Turning Point" damit beauftragt worden zu sein.

Quelle: ntv.de, vpe