Politik
Einsatzbereit: Dänische Kampfjets beim Training über Italien.
Einsatzbereit: Dänische Kampfjets beim Training über Italien.(Foto: AP)
Samstag, 19. März 2011

Alliierte ergreifen "alle nötigen Maßnahmen": Kampfjets greifen Gaddafis Truppen an

Die internationale Gemeinschaft beginnt mit ihrem Kampfeinsatz in Libyen. Alliierte Kampfjets starten zu Aufklärungsflügen und greifen Gaddafis Truppen vor der Rebellenhochburg Bengasi an. Sie sollen die vom UN-Sicherheitsrat beschlossene Flugverbotszone durchsetzen und die libyschen Truppen am weiteren Vormarsch hindern. Diktator Gaddafi bezeichnet in verschiedenen wirren Briefen die UN-Resolution als ungültig.

Die Umsetzung des vom UN-Sicherheitsrat beschlossenen Flugverbots über Libyen beginnt. Flugzeuge der internationalen Staatengemeinschaft sind nach Aussage von Frankreichs Präsident Nicolas Sarkzoy bereits dabei, Angriffe der libyschen Armee in Benghasi zu stoppen. Dies sagte Sarkozy nach einem Gipfel in Paris, wo er mit Staats- und Regierungschefs die Umsetzung der UN-Flugverbotszone besprochen hatte. Das Flugverbot wird neben französischen Kampfjets auch von britischen und kanadischen Militärjets abgesichert. Das berichtete der französische TV-Sender BFMT-TV. Ihr Auftrag sei zunächst die Aufklärung. Sie hätten aber auch Befehl einzugreifen, um libysche Truppenmanöver zu unterbinden. Eine am Donnerstag beschlossene UN-Resolution erlaubt, in Libyen eine Flugverbotszone und eine Waffenruhe "mit allen nötigen Maßnahmen" durchzusetzen. Die Tür der Diplomatie wird sich öffnen, wenn die Aggressionen aufhören", erklärte Sarkozy an die Adresse von Libyens Machthaber Muammar al-Gaddafi.

Kriegsgipfel: US-Außenministerin Clinton, Präsident Sarkozy (Mitte) und der britische Premier Cameron.
Kriegsgipfel: US-Außenministerin Clinton, Präsident Sarkozy (Mitte) und der britische Premier Cameron.(Foto: AP)

Spitzenpolitiker aus aller Welt sind in Paris zusammengekommen, um über das weitere Vorgehen gegen Gaddafi zu beraten. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel nahm an dem Sondergipfel im Élyséepalast teil. Deutschland hatte sich bei der Abstimmung im Sicherheitsrat enthalten und will an keinem Militärschlag teilnehmen.

Die libyschen Rebellen riefen die Pariser Gipfelteilnehmer auf, auf der Grundlage der UN-Resolution in den Konflikt einzugreifen. "Die internationale Gemeinschaft braucht lange, um zu handeln", klagte Mustafa Abdel-Jalil in Benghasi dem TV-Sender Al-Dschasira. Gastgeber Sarkozy hatte vor Konferenzbeginn mit dem britischen Premierminister David Cameron und US-Außenministerin Hillary Clinton bereits Details eines möglichen Militäreinsatzes erörtert. Von den arabischen Ländern waren vor allem Vertreter Jordaniens, Marokkos, Katars und der Golf-Emirate in Paris präsent.

Vormarsch auf Bengasi

Truppen Gaddafis hatten nach Angaben von Aufständischen am Samstag Wohngebiete in Bengasi beschossen. Dabei setzten sie Panzer und Artillerie ein, sagte der Vorsitzende der provisorischen Gegenregierung in Bengasi, Mustafa Abdul Dschalil, dem arabischen Nachrichtensender Al-Dschasira. Es gebe viele Opfer, in den Krankenhäusern herrsche großer Andrang.

Ein über Bengasi fliegendes Kampfflugzeug stürzte ab. Nach Angaben eines Rebellen-Sprechers handelte es sich um ein Flugzeug der Aufständischen. Es sei alt gewesen. Vor wenigen Tagen schon war ein ebenfalls den Rebellen zugeordnetes Flugzeug abgestürzt.

Gaddafis psychischer Gesundheitszustand wird von zahlreichen Beobachtern als angeschlagen eingeschätzt.
Gaddafis psychischer Gesundheitszustand wird von zahlreichen Beobachtern als angeschlagen eingeschätzt.(Foto: dpa)

Arabischen Medien zufolge drangen Gaddafi-Truppen in die südlichen Vorstädte von Bengasi ein. Ein Reporter des US-Mediums "Christian Science Monitor" berichtete von Feuergefechten in der Stadt. Offenbar sind leicht bewaffnete, unmotorisierte Kommandoeinheiten des Regimes über Nacht ins Stadtinnere vorgedrungen. Der Korrespondent von Al-Dschasira sprach von einer "unübersichtlichen Lage". Das Regime in Tripolis stritt ab, die Stadt angegriffen zu haben. Vielmehr seien die Truppen am Rande Bengasis attackiert worden. Bengasi, die zweitgrößte Stadt des Landes, ist der Sitz der Gegenregierung und Hochburg der Aufständischen, die gegen das Gaddafi-Regime kämpfen.

"Libyen gehört nicht euch"

Gaddafi erklärte in Briefen an führende Weltpolitiker den Weltsicherheitsratsbeschluss zur Verhängung eines Flugverbots über Libyen für "ungültig" erklärt. "Die Resolution steht im Widerspruch zur UN-Charta, die jede Einmischung in die inneren Angelegenheiten eines Mitgliedslandes verbietet", hieß es in dem Schreiben, das der libysche Regierungssprecher Ibrahim Mussa verlas. Der Brief war an den französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy, den britischen Premierminister David Cameron und UN-Generalsekretär Ban Ki Moon adressiert.

Über Bengasi geht ein Kampfflugzeug in Flammen auf.
Über Bengasi geht ein Kampfflugzeug in Flammen auf.(Foto: AP)

"Libyen gehört nicht euch. Libyen gehört uns", hieß es darin. "Wir können keinen einzigen Schuss auf unser eigenes Volk abfeuern, es ist die Organisation Al-Kaida", die von den Regimetruppen bekämpft werde. Wenn die Westmächte eine Militärintervention gegen Libyen starteten und sich in die Angelegenheiten des Landes einmischten, würden sie dies "bedauern". Sie würden "unkalkulierbare Risiken für das Mittelmeer und Europa in Kauf nehmen", drohte er.

Gaddafi schrieb einen weiteren Brief an US-Präsident Barack Obama, in dem er diesen seinen "Sohn" nannte. "Selbst wenn Libyen und die USA - Gott verbiete es - in den Krieg miteinander treten, wirst Du für immer mein Sohn bleiben", hielt Gaddafi fest. Auch in diesem Schreiben versteifte er sich auf die Behauptung, in Libyen nicht Gegner seiner Diktatur, sondern das ganz Nordafrika umspannende Terrornetz Al-Kaida zu bekämpfen. "Was würdest Du tun, wenn Du sie in bewaffneter Kontrolle über amerikanische Städte vorfändest? Wie würdest Du Dich verhalten, damit ich Deinem Beispiel folgen.

Wieder optimistisch: Aufständische auf einem Panzer, den sie Gaddafis Truppen abgenommen haben wollen.
Wieder optimistisch: Aufständische auf einem Panzer, den sie Gaddafis Truppen abgenommen haben wollen.(Foto: REUTERS)
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Quelle: n-tv.de