Politik

Wehrpflicht-Debatte "Katastrophe für Gesundheitswesen"

Bei der Diskussion um die Aufrechterhaltung der Wehrpflicht spielt die Frage nach dem Zivildienst bisher nur eine untergeordnete Rolle. Dabei stellen die rund 119.400 Zivildienstleistenden, die gegenwärtig in den verschiedenen Wohlfahrtsverbänden, in Krankenhäusern, Kirchen oder Sportvereinen ihren Dienst versehen, einen wichtigen Teil der sozialen Grundversorgung für die bundesdeutsche Bevölkerung sicher.

Sollte die Wehrpflicht einmal fallen, wird es auch keinen Zivildienst mehr geben. Der Sprecher des Generalsekretariats des Deutschen Roten Kreuzes, Lübbo Roewer, gegenüber n-tv.de zu den Risiken einer Abschaffung: „Das wäre für uns keine Katastrophe, aber eine Katastrophe für das Gesundheitswesen.“

Bisher 1,7 Millionen "Zivis"

Genau 13.606 Zivildienstleistende beschäftigte das DRK per 31. Dezember 2001. Allerdings wären rund 18.900 Plätze zu besetzen gewesen. Mit einem Anteil von rund 10 Prozent an der Gesamtzahl der „Zivis“ liegt das Rote Kreuz noch deutlich hinter anderen Trägern der freien Wohlfahrtshilfe. Der Deutsche Paritätische Wohlfahrtsverband (DPWV) beschäftigt mit 19 Prozent die meisten Zivildienstler, gefolgt vom Diakonischen Werk (18) und der Caritas(17).

Seit 1961, als die ersten 340 anerkannten Kriegsdienstverweigerer ihrer Ersatzdienststellen antraten, haben rund 1,7 Millionen junge Männer das „Essen-auf-Rädern“-Auto dem Panzer vorgezogen. In Nordrhein-Westfalen gibt es, analog zur größten Bevölkerungsdichte in der Bundesrepublik, die meisten Zivildienststellen.

Kostenlawine droht

„Die meisten dieser Stellen kann man nicht einfach einsparen“, erklärt Roewer das Dilemma. Allein 5.000 der DRK-Zivis seien im Rettungsdienst beschäftigt. Gesetzliche Vorgaben zur Unfallversorgung und zu den Rettungsfristen lassen eine Ausdünnung des Personals ohnehin nicht zu. Wollte man die „Zivis“ durch hauptamtliche Kräfte ersetzen, käme eine gewaltige Kostenlawine auf die Krankenversicherungen zu, die das ohnehin kränkelnde Gesundheitswesen weiter in die Krise trieben. „Während ein DRK-Kreisverband etwa 300 bis 400 Euro monatlich für einen Zivildienstler im Rettungsdienst aufwänden muss, schlägt der Rettungsassistent mit mindestens 2.500 Euro zu Buche“, rechnet Roewer vor.

Außerdem könnte es auch zu einem Nachwuchsmangel in sozialen Berufen kommen, befürchtet der DRK-Sprecher. „Unseren Erfahrungen nach ergreifen rund 60 Prozent der Ersatzdienstler nachher einen ihrem Zivildienst ähnlichen Beruf. Deshalb plädieren wir schon lange für eine Stärkung des Ehrenamtes und die politische Förderung eines freiwilligen sozialen Jahres.“

Quelle: n-tv.de

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