Politik
Thatchers Sarg war von einer britischen Flagge bedeckt.
Thatchers Sarg war von einer britischen Flagge bedeckt.(Foto: REUTERS)
Mittwoch, 17. April 2013

Staatsbegräbnis ohne Staatsgäste: Keine Lobreden auf Thatcher

Streng genommen ist es kein Staatsbegräbnis, doch die groß angelegte Trauerfeier für Margaret Thatcher hat eigentlich alles, was dazugehört: Einen kilometerlanger Trauerzug, Soldaten in Paradeuniform, Salutschüsse und den schweigenden Big Ben. Nur an der ganz großen Politprominenz mangelt es, wenn die Briten ihrer früheren Premierministerin die letzte Ehre erweisen.

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Mit großem Zeremoniell und militärischen Ehren hat Großbritannien seiner früheren Premierministerin Margaret Thatcher die letzte Ehre erwiesen. Der in eine britische Fahne eingehüllte Sarg mit den sterblichen Überresten der einstigen "Eisernen Lady" wurde zunächst vom Parlamentsgebäude im Regierungsviertel Westminster in einem schwarzen Leichenwagen - vorbei an der Downing Street - in die Innenstadt gebracht. Dort wurde er auf einen offene Geschützlafette umgebettet.

Unter den Augen Tausender Schaulustiger begleiteten 700 Soldaten - darunter Veteranen des Falkland-Kriegs von 1982 - den Sarg in die St. Paul's Kathedrale im Osten der Innenstadt. Dort feierten mehr als 2000 Gäste aus 170 Ländern unter Leitung des Londoner Anglikaner-Bischofs Richard Chartres den Trauergottesdienst. Unter den Gästen waren neben Queen Elizabeth II. auch die ehemaligen US-Außenminister Henry Kissinger, George Shultz und James Baker. Neben dem britischen Premierminister David Cameron waren auch seine Amtsvorgänger John Major, Gordon Brown und Tony Blair gekommen.

Die internationale Politik schickt jedoch nicht die erste Garde. Die Bundesrepublik Deutschland wurde von Außenminister Guido Westerwelle vertreten. Er würdigte die auch noch nach ihrem Tod heftig umstrittene Politikerin als "Frau mit eisernem Willen". "Der Wille Margaret Thatchers und ihr Glaube an die Kraft des Individuums waren die Grundlage für Großbritanniens Comeback in Europa und in der Welt", sagte Westerwelle.

Die US-Regierung Barack Obamas schickte keinen Vertreter. Dafür nahmen mit Henry Kissinger, James Baker und George Shultz drei ehemalige US-Außenminister an den Feierlichkeiten teil. Der ehemalige Kriegsgegner Argentinien entsandte nicht einmal seinen Botschafter. Altkanzler Helmut Kohl ließ sich ebenso aus gesundheitlichen Gründen entschuldigen wie Michail Gorbatschow.

Passend für Thatchers Statur

Premierminister David Cameron verteidigte in der BBC das Ausmaß der Trauerfeierlichkeiten für Thatcher, die am Montag vergangener Woche im Alter von 87 Jahren an den Folgen eines Schlaganfalls gestorben war. "Für eine Premierministerin ihrer Statur ist das sehr passend", sagte er. Über die auf bis zu zehn Millionen Pfund (etwa zwölf Millionen Euro) geschätzten Begräbniskosten wird in Großbritannien heftig diskutiert. Das Begräbnis Thatchers, deren Leichnam nach der Trauerfeier eingeäschert und in London beigesetzt werden soll, kommt einem Staatsbegräbnis sehr nahe. Während der Beisetzung werden auch die berühmten Glocken des Big Ben schweigen. Zwar bekommt Thatcher streng genommen kein Staatsbegräbnis. Mit derart besonderen Ehren war aber zuletzt der legendäre britische Premier Winston Churchill im Jahr 1965 beerdigt worden.

Nach Angaben des "Daily Telegraph" hatte Thatcher noch zu Lebzeiten präzise Anweisungen für die Trauerfeier gegeben. Sie wählte Gesänge und Bibellesungen aus und bestimmte, dass der regierende Premier eine Rolle spielen müsse. Entsprechend trug Cameron eine Lesung aus dem Johannes-Evangelium vor.

Thatcher, die am 8. April im Alter von 87 Jahren gestorben war, ist in ihrem Heimatland bis heute extrem umstritten. In ihrer Amtszeit der Jahre 1979 bis 1990 setzte die konservative Politikerin gegen den Widerstand der Gewerkschaften einen rigiden Reformkurs durch, ließ Staatsbetriebe privatisieren und die Staatsausgaben senken. Kritiker sind deshalb empört, dass ausgerechnet die Verfechterin des freien Markts ein pompöses Quasi-Staatsbegräbnis auf Kosten der Steuerzahler bekommt.

Quelle: n-tv.de