Politik
Polizei- und Fischerboote schwimmen vor Savudrija, einer koratischen Stadt am westlichen Zipfel der Bucht von Piran.
Polizei- und Fischerboote schwimmen vor Savudrija, einer koratischen Stadt am westlichen Zipfel der Bucht von Piran.(Foto: imago)
Samstag, 30. Dezember 2017

Umstrittene Seegrenze: Kroatische Polizei eskortiert Fischerboote

Im jahrzehntelangen Grenzstreit mit Kroatien schreitet Slowenien zur Tat und verlegt die Grenze in der umstrittenen Bucht von Piran neu. Jetzt fahren beide Seiten Polizeiboote auf - und auch wenn die erste Konfrontation glimpflich verläuft, sind neue Konflikte vorprogrammiert.

Im Grenzstreit zwischen Slowenien und Kroatien hat es in der Bucht von Piran an der nördlichen Adria eine erste Konfrontation gegeben, die jedoch glimpflich verlaufen ist. Drei kroatische Fischerboote seien unter Polizeischutz in die von Slowenien beanspruchte Seezone gefahren, um ihre am Vortag ausgeworfenen Netze wieder einzuholen, bestätigten beide Seiten. Ein slowenisches Polizeiboot habe sich genähert, sei aber nicht eingeschritten. Da beide Seiten ihre unvereinbaren Positionen nochmals bestätigten, sind neue Zwischenfälle in den kommenden Tagen wahrscheinlich.

Video

Slowenien hat nach einem entsprechenden internationalen Schiedsurteil die Seegrenze in der Piran-Bucht auf der Halbinsel Istrien neu gezogen. Rund 80 Prozent der Bucht sowie ein 4,6 Kilometer breiter Korridor zur offenen See gehören jetzt zum slowenischen Hoheitsgebiet. Kroatien erkennt den Schiedsspruch nicht an und sieht die Grenze in der Mitte der Meeresbucht.

Slowenien habe sein neues Seegebiet "vollständig unter Kontrolle", berichtete Innenstaatssekretär Bostjan Sefic in der Hafenstadt Koper. Sollten erneut kroatische Fischerboote in den slowenischen Teil der Bucht eindringen, würden Strafen verhängt, sagte Sefic ohne näheren Angaben. Auf der anderen Seite betonte der örtliche kroatische Polizeichef Loris Kozlevac, seine Beamten kontrollierten wie bisher die von seinem Land beanspruchten Teile der Bucht.

Das prominente Zagreber Nachrichtenportal "Index" warnte, Kroatien werde in diesem "für die ganze Welt lächerlichen und unverständlichen Streit" große Nachteile erleiden. Slowenien werde den Beitritt Kroatiens zum visafreien Schengen-Raum blockieren und so dem Tourismus des Adrialandes schweren Schaden zufügen. Gleichzeitig werde Ljubljana Zagreb vor internationalen Gerichten verklagen. Kroatien werde über lange Zeit mit sehr negativen Berichten der internationalen Medien leben müssen und das "wegen ein paar Dutzend Fischerbooten", die für Kroatien "wirtschaftlich ohne Bedeutung sind". Zudem könne die EU die Fischer entschädigen, die sich wegen der neuen Seegrenze eine andere Arbeit suchen müssten.

Quelle: n-tv.de