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Kämpfe trotz Waffenruhe Kurdenmilizen werfen Türkei Wortbruch vor

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Türkische Soldaten in Nordsyrien.

(Foto: picture alliance/dpa)

Trotz einer vereinbarten Feuerpause bleibt die Situation in Nordsyrien angespannt. Kurdische Milizen beschuldigen die Türkei, ihren Abzug aus dem Kampfgebiet zu behindern. Währenddessen klagt Ankara über neue Anschläge in zwei Grenzstädten.

Die kurdischen Milizen in Nordsyrien haben der Türkei vorgeworfen, den vereinbarten Abzug ihrer Kämpfer aus dem Grenzgebiet zu blockieren. Die Türkei verhindere den Rückzug ihrer Truppen um die Grenzstadt Ras al-Ain, sagte der Kommandeur der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF), Maslum Abdi.

Das türkische Verteidigungsministerium warf den Kurdenmilizen hingegen vor, für 14 Anschläge mit schweren Waffen in den Grenzstädten Tal Abiad und Ras al-Ain verantwortlich zu sein. Die SDF sagte zwar die Einhaltung der Waffenruhe zu, erklärte aber, dass sie nur das relativ kleine Gebiet zwischen den Städten Ras al-Ain und Tal Abjad betreffe.

Erdogan droht mit neuer Offensive

Die Türkei hatte vergangene Woche eine lange angedrohte Offensive gestartet, um die YPG-Kämpfer von ihrer Grenze zurückzudrängen. Auf Druck der USA willigte Ankara am Donnerstag ein, den Einsatz für fünf Tage auszusetzen, um der syrischen Kurdenmiliz Zeit zum Abzug aus dem Grenzgebiet zu geben. Erdogan hat bereits mit einer Wiederaufnahme der Offensive gedroht, sollte die YPG-Miliz bis Dienstagabend nicht wie vereinbart abgezogen sein.

Aktivisten zufolge nahmen die von der Türkei unterstützten Rebellen Ras al-Ain vereinzelt weiterhin unter Beschuss. Dort seien im Zuge der Kämpfe mindestens sechs Menschen ihren Verletzungen erlegen, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. Die Rebellen hätten zuvor einen Ärzte-Konvoi, der 38 verletzte Zivilisten und Kämpfer in Sicherheit bringen sollte, an der Einfahrt nach Ras al-Ain gehindert.

AKK kritisiert Türkei und USA

In Deutschland stieß die türkische Offensive weiter auf teils heftige Kritik. Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer kritisierte die Türkei und auch die USA scharf. Der Abzug der US-Truppen stelle die "Verlässlichkeit unseres stärksten Bündnispartners weltweit" in Frage, sagte die CDU-Chefin auf dem CSU-Parteitag in München. Zugleich gefährde die Türkei mit der Waffengewalt in der Nachbarregion "die Grundlage der Nachkriegsordnung" - dass man Konflikte mit Diplomatie löse und nicht mit der Kraft des Stärkeren.

Der SPD-Fraktionschef im Bundestag, Rolf Mützenich, brachte eine Anklage gegen den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan vor dem Internationalen Strafgerichtshof ins Spiel. "Erdogan handelt derzeit klar völkerrechtswidrig. Er führt einen Angriffskrieg", sagte Mützenich der "Welt am Sonntag".

Auch in den USA wurde die Entscheidung zum Abzug der US-Truppen aus Nordsyrien erneut heftig kritisiert. Der republikanische Mehrheitsführer im US-Senat, Mitch McConnell, stellte sich mit ungewohnt harschen Worten gegen das Vorgehen von US-Präsident Donald Trump. "US-Truppen aus Syrien abzuziehen, ist ein schwerer strategischer Fehler", schrieb McConnell in einem Gastbeitrag für die "Washington Post". Der Rückzug mache die USA unsicherer, stärke deren Feinde und schwäche wichtige Verbündete. Der US-Abzug und die türkische Offensive verursachten einen "strategischen Albtraum für unser Land".

Quelle: n-tv.de, jpe/AFP/dpa

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