Politik

Kanzler bei Maischberger Kurz zollt Merkel Respekt

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"Die zarteste Versuchung, seit es Populismus gibt": Sebastian Kurz.

(Foto: imago/Emmanuele Contini)

Der österreichische Bundeskanzler wird wahlweise als "Wunderwuzzi" gefeiert oder als Wegbereiter des Rechtspopulismus kritisiert. Bei Maischberger wird er vor allem seinem Ruf als aalglatter Diplomat gerecht - und lässt sich nur von Jürgen Trittin aus der Ruhe bringen.

"Die zarteste Versuchung, seit es Populismus gibt" ist auf Staatsbesuch in Deutschland - und findet nebenher noch Zeit für einen Besuch bei Sandra Maischberger. Dort wird Sebastian Kurz von der Moderatorin nicht etwa zuerst als österreichischer Bundeskanzler vorgestellt, sondern als ebenjene "zarteste Versuchung", für die ihn seine Kritiker in der Alpenrepublik halten. Ob und wie viel an den Vorwürfen tatsächlich dran ist, möchte Maischberger im Laufe ihrer einstündigen Sendung wissen und nimmt den österreichischen Kanzler gehörig in die Zange - oder versucht es zumindest.

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Der allerdings macht seinem Ruf alle Ehre und laviert sich die meiste Zeit an klaren Antworten auf Maischbergers Fragen vorbei. Man kann das diplomatisch nennen oder aber auch aalglatt, je nach politischer Ausrichtung. Fest steht jedoch: Die Moderatorin hat ihre liebe Mühe, den Kanzler zu packen. Das wird ihr erst im letzten Teil der Sendung in Zusammenarbeit mit dem ehemaligen Bundesumweltminister Jürgen Trittin an ein, zwei Stellen gelingen - aber dazu später mehr.

Mit der Frage, ob Kurz Mitleid mit Kanzlerin Angela Merkel ob der schwierigen Regierungsbildung in Deutschland habe, gelingt es jedenfalls nicht: "Ich bin erst vier Wochen im Amt. Insofern habe ich einen großen Respekt vor jemandem, der sein Land schon länger als zehn Jahre führt. Insbesondere, wenn es ein Land wie Deutschland ist", antwortet der österreichische Kanzler. Aber "wir müssen endlich die Migrationsfrage klären und da braucht es ein handlungsfähiges Deutschland".

Wo sind die roten Linien?

Er hoffe, dass Deutschland bis Ostern eine starke Regierung habe, auch im Sinne Österreichs und der Europäischen Union. Dass die CDU bei der Regierungsbildung eine Koalition mit der AfD ausschließe, während er selbst in Österreich mit der FPÖ ins Bett gestiegen ist, sei "das gute Recht der CDU". Die beiden rechtspopulistischen Parteien seien aber ohnehin nicht miteinander vergleichbar, ist Kurz überzeugt: "Die FPÖ hat immer wieder gezeigt, dass sie zur Regierungsarbeit bereit ist: 2000 auf Bundesebene und derzeit auch in zwei Bundesländern."

Außerdem sei die FPÖ bereit, sich an das Koalitionsprogramm zu halten - und das habe schließlich eine klar pro-europäische Ausrichtung. Natürlich gebe es rote Linien, schiebt Kurz hinterher, ohne genauer einzugrenzen, wo diese liegen. Bei der Vergangenheit von Heinz-Christian Strache jedenfalls nicht: Der FPÖ-Chef und ehemalige Redenschreiber von Jörg Haider ist für seine Vergangenheit am rechten Rand bekannt, inklusive Mitgliedschaft in einer Wehrsportgruppe und Kontakten zur neonazistischen Wiking-Jugend. "Es ist richtig, kritisch hinzusehen, wenn es Verfehlungen gibt", hebt Kurz an und verteidigt dann seinen Vizekanzler: "Aber man muss Politikern auch eine Chance geben, sich zu entwickeln und Jugendsünden als das sehen, was sie sind. Für mich ist dabei vor allem der Blick nach vorn relevant."

Maischberger hakt an dieser Stelle nicht nach, das erledigt wenige Minuten später dafür Jürgen Trittin: "Er hat sich inszeniert, als würde die SS noch unterwegs sein. Da fehlten nur noch die roten Armbinden", kommentiert der Grünen-Politiker den Wahlkampfauftakt der FPÖ in Tirol, bei dem Strache flankiert von martialisch gekleideten Trommlern auf eine Bühne marschierte. Der Angriff Trittins wirft Kurz zum ersten Mal ansatzweise aus der Bahn: "Ich habe den Auftritt nicht gesehen", versucht er sich zunächst aus der Affäre zu winden. "Ich schaue nicht auf die Inszenierung, sondern auf den Inhalt", schiebt er schließlich noch hinterher und findet dann wieder zu seiner gewohnten Sicherheit zurück. Aber Trittins Vorstoß lässt den Abgrund erahnen, vor dem sich viele Österreicher derzeit wähnen: Hat Kurz die FPÖ tatsächlich so unter Kontrolle, wie er vorgibt?

Quelle: n-tv.de

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