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Corbyn wirbt für EU-Verbleib Labour-Chef fordert neues Brexit-Referendum

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Unterwegs zu neuen Ufern: Labour-Chef Corbyn verlässt am Montag sein Haus in London.

(Foto: imago images / ZUMA Press)

Die Umfragewerte sind desaströs: Trotz des erfolglosen Brexit-Kurses der Tories kann die oppositionelle Labour-Partei nicht punkten. Nun macht Parteichef Corbyn eine Europa-freundliche Wende. Die Briten sollen ein zweites Referendum bekommen, fordert er - nicht ganz freiwillig.

Der Vorsitzende der britischen Labour-Partei, Jeremy Corbyn, hat den künftigen konservativen Premierminister zu einem zweiten Brexit-Referendum aufgerufen. In einem Schreiben an alle Mitglieder der größten Oppositionspartei machte Corbyn zudem deutlich, dass seine Partei in diesem Fall für einen Verbleib in der EU werben werde.

Der Schritt ist eine deutliche Kursänderung. Corbyn hat immer klargemacht, dass er eine Neuwahl einem zweiten Referendum vorziehe. Auch er will Großbritannien aus der EU führen, setzt sich aber für eine sehr viel engere Anbindung an Brüssel ein als die Konservativen. Von dieser Position ist Corbyn trotz der jüngsten Ankündigung nicht gänzlich abgerückt. Er steht jedoch zunehmend unter Druck des proeuropäischen Lagers in seiner Partei. Labour ist wie die Konservativen in Sachen Brexit gespalten. Erst nachdem sich Labour-nahe Gewerkschaften am Montag für eine erneute Abstimmung ausgesprochen hatten, lenkte er nun ein.

Johnson oder Hunt: Entscheidung am 23. Juli

Bis zum 23. Juli soll sich das innerparteiliche Rennen bei den Tories um die Nachfolge von Premierministerin Theresa May zwischen dem ehemaligen Londoner Bürgermeister Boris Johnson und Außenminister Jeremy Hunt entscheiden. Johnson gilt dabei als Favorit. Beide Kandidaten wollen Änderungen am Brexit-Abkommen durchsetzen. May war damit im Parlament drei Mal gescheitert.

Sollte die EU, wie angekündigt, nicht zu Zugeständnissen bereit sein, wollen beide notfalls am 31. Oktober auch ohne Abkommen aus der EU ausscheiden. Corbyn forderte nun, dass die Briten in beiden Fällen das letzte Wort und auch die Möglichkeit haben sollen, sich für eine Abkehr vom EU-Austritt zu entscheiden. "Wer auch immer der nächste Premierminister sein wird, sollte das Selbstvertrauen haben, seinen Deal oder No Deal der Bevölkerung in einer öffentlichen Abstimmung vorzulegen", schrieb der Labour-Chef. Den künftigen Premierminister rief er zu Neuwahlen auf.

Corbyns Brexit-Kurs stößt auch innerparteilich auf wachsende Kritik - zumal Labour kaum mehr auf Neuwahlen hoffen kann. Hatte die Partei bei den Unterhauswahlen 2017 noch 40 Prozent geholt und damit knapp hinter den Tories gelegen, stürzte sie bei den Europawahlen in diesem Mai auf 13,7 Prozent ab. Laut einer Umfrage von YouGov für die "Times" liegt sie bei 18 Prozent - so niedrig wie in der jüngsten Geschichte nur unter Gordon Brown während der Finanzkrise. Die Tories kommen in der Umfrage auf 24 Prozent, gefolgt von der Brexit-Partei mit 23 und den Liberaldemokraten mit 20 Prozent.

Quelle: n-tv.de, mau/dpa/AFP

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