Politik

Neue Baring-EntgleisungLafontaine "nationaler Sozialist"

24.10.2007, 14:59 Uhr

Die Zahl derer, die unsägliche Nazi-Vergleiche bemühen, um Gehör zu finden, ist hoch zurzeit. Jetzt ist wieder Arnulf Baring an der Reihe.

Der Berliner Historiker Arnulf Baring (75) hat den Vorsitzenden der Linken, Oskar Lafontaine, als "nationalen Sozialisten" bezeichnet. "Wir haben einen nationalen Sozialisten im Land", sagte Baring bei der Gedenkveranstaltung an die Opfer der Roten Armee Fraktion (RAF) in Berlin und nannte den Namen Lafontaine. Insgesamt werde die Bedrohung, die von links für die Gesellschaft ausgehe, unterschätzt. Baring kritisierte, die SPD lasse sich von Lafontaine in ihrer Politik beeinflussen.

Weiter sagte Baring: "Die wirkliche Gefahr kommt von links, nicht von rechts." So gebe es weniger Aufregung um eine linke Gruppe, die in Berlin Autos angezündet habe, als um die rechtsextreme NPD, wenn diese Flugblätter verteile.

Das Pressebüro der Linken in Berlin wollte sich gegenüber n-tv.de nicht zu Barings Aussagen äußern.

Baring hatte im vergangenen Jahr für Aufregung gesorgt, als er im Zusammenhang mit dem Nationalsozialismus von einer "beklagenswerten Entgleisung" gesprochen hatte. Später betonte er, er habe keine Verharmlosung beabsichtigt, sondern zugleich von "Katastrophe" gesprochen.

Keine Beobachtung mehr

Unterdessen wird bekannt, dass Lafontaine nicht länger vom saarländischen Verfassungsschutz beobachtet wird. Die Akte in Saarbrücken sei vor wenigen Wochen geschlossen worden, berichtet "Die Zeit" unter Berufung auf Staatsschutzkreise. Der frühere SPD-Chef sei 2006 in eine amtliche Datei der Verfassungsschützer aufgenommen worden, weil die Linke aus der PDS hervorging, über die es immer wieder Hinweise auf verfassungsfeindliche Tendenzen gegeben habe.

Das saarländische Innenministerium als übergeordnete Behörde des Landesamtes für Verfassungsschutz lehnte einen Kommentar ab. Bei der Bundestagsfraktion der Linken wie in der Parteizentrale hieß es, man werde leider vom Verfassungsschutz nicht über solche Vorgänge informiert.

Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch sagte ironisch: "Das Landesamt für Verfassungsschutz im Saarland hat offensichtlich erkannt, dass Oskar Lafontaine in absehbarer Zeit wieder sein Chef werden könnte." Bartsch spielte darauf an, dass der langjährige Ministerpräsident des Saarlandes bei der Landtagswahl 2009 dort wieder für dieses Amt kandidieren will - für die Linke.