Politik

Slave to Sirens Libanons erste Frauen-Heavy-Metal-Band

Slave to Sirens ist vielleicht die erste weibliche Heavy-Metal-Band in der arabischen Welt. "Meine Familie dachte, dass wir orientalisch und mädchenhaft spielen", sagt die Gitarristin. "Sie waren überrascht, als sie uns das erste Mal hörten."

Schon draußen dröhnt die Musik. Tiefe Bässe und dann diese Stimme. Es klingt nach der berühmten finnischen Band Lordi, die 2006 den ESC gewonnen hat.

Doch als die Tür zum Probenraum aufgeht, stehen da keine Männer in Monsterkostümen, sondern fünf junge Frauen: Lilas Mayassi und Shery Bechara an der Gitarre, Tatyana Boughaba am Schlagzeug, Alma Doumiani am Bass und Maya Khairallah, die blonde Sängerin. "Welcome to Beirut!", sagen sie.

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Diese Stimmen geht durch Türen: Maya Khairallah und ihre Kollegin bei der Probe.

(Foto: Nadja Kriewald)

"Ich habe eigentlich eine Sopranstimme, ich habe früher Opern gesungen", sagt Maya. Und dann habe sie zufällig entdeckt, dass sie auch so Heavy Metal singen kann. "Es braucht noch mehr Kraft - ich kann das gar nicht richtig erklären. Das kommt einfach so raus", sagt die 26-Jährige. Sie ist zur Hälfte Schottin. Englisch zu singen, fühlt sich für sie deshalb am besten an, erklärt sie.

Slave to Sirens ist die erste weibliche Heavy-Metal-Band im Libanon, vielleicht sogar in der ganzen arabischen Welt. Mit ihren Piercings, Tätowierungen, ihrer dunklen Kleidung und T-Shirts mit Totenköpfen entsprechen sie so gar nicht dem, was man im Libanon von Musikerinnen erwartet.

Das haben sie auch schnell an den Reaktionen ihrer Umgebung gemerkt, sagt Lilas Mayassi, die ihr Geld als Musiklehrerin verdient. Die anderen vier Frauen studieren noch. 2015 hat Lilas die Band gegründet. "Hier im Nahen Osten wird andere Musik gespielt, orientalische Musik. Deshalb hat meine Familie auch erwartet, dass wir etwas Orientalisches und Mädchenhaftes - Girlie eben - spielen. Das war dann schon eine große Überraschung, als sie uns das erste Mal hörten."

"Bei mir war es noch schlimmer", sagt Schlagzeugerin Tatyana Boughaba. "Meine Familie dachte, das hätte was mit Satanismus zu tun oder mit Drogen". Die jungen Frauen lachen, so haben es viele von ihnen erlebt. Aber nach dem ersten Konzert, zu dem sie ihre Eltern mitgeschleift hat, sagt Tatyana, sei es dann besser gewesen. Da war ihre Familie dann stolz. "Und als sie dann das erste Mal unser Album hörten und sahen, wie viel Kraft wir da reingesteckt haben, waren sie ganz glücklich damit."

Vielleicht liegt es auch daran, dass Tatyana aus einer christlichen Familie kommt. Wie fast alle aus der Band. Aber Religion sei ein Tabu. Darüber singen sie nicht, auch nicht über Politik und Sex. Dafür über die menschlichen Abgründe und Gewalt, über Krieg, Zerstörung und Folter. Ihr erstes Album haben sie 2018 rausgebracht "Terminal Leeches". Jetzt arbeiten sie gerade an ihrem zweiten Album, das im Sommer veröffentlicht werden soll.

Sie sind schon im westlichen Ausland aufgetreten und einmal als Vorband zur deutschen Gruppe Destruction. Aus der arabischen Welt kamen bisher keine Einladungen. Und sie können sich auch nicht vorstellen, headbangend auf einer Bühne in Amman, Bagdad oder Kairo zu stehen. Gerade sind sie im Gespräch mit einem Rock-Festival, aber mehr wollen sie noch nicht verraten.

Schnell muss noch Mayas Hündin den Proberaum verlassen. "Für Hundeohren geht das gar nicht", sagt Maya lachend. Und dann röhrt sie schon wieder mit dieser Stimme, die man durch dicke Türen und Wände hört.

Quelle: n-tv.de