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"Gauck ist Kandidat der kalten Herzen" Linke erwägt eigenen Vorschlag

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Die Linke will vielleicht einen Gegenkandidaten benennen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die Spitzen von CDU, CSU, FDP, SPD und Grünen sind sich einig: Joachim Gauck soll Präsident werden. Eine im Bundestag vertretene Partei fehlt in der Aufzählung: die Linke. Für die ist Gauck ein rotes Tuch, Zustimmung ausgeschlossen. Nun denken die Spitzen der Linkspartei laut über einen eigenen Kandidaten nach. Oder eine Kandidatin.

Die Linke erwägt, einen eigenen Kandidaten gegen Joachim Gauck für die Bundespräsidentenwahl aufzustellen. Die Entscheidung darüber werde bei einem Treffen des Bundesvorstands mit Spitzenvertretern der Landesverbände fallen, sagte Parteichefin Gesine Lötzsch.

Ein Verfechter eines eigenen Vorschlags hat sich bereits aus der Deckung gewagt: Thüringens Linke-Fraktionschef Bodo Ramelow. "Ich würde eine Kandidatin befürworten", sagte Ramelow. Sie müsse in der Bundesversammlung das gesamte Spektrum der Bevölkerung repräsentieren können. Namen wollte er nicht nennen.

Der designierte Bundespräsident Joachim Gauck grenze mit seinen Positionen etwa zum Afghanistan-Einsatz Teile der Bevölkerung aus, kritisierte Ramelow. Die Nominierung von Gauck bezeichnete er als ein "unwürdiges Geschachere". "Da haben sich vier Parteinzentralen die Beute geteilt."

Ernst erinnert an kontroverse Positionen

Die Kanzlerin habe Gauck nicht gewollt und sich von der FDP vorführen lassen, sagte Parteichef Klaus Ernst der "Passauer Neuen Presse". "Merkel hat dem Erpressungsmanöver nachgegeben." Die Vertrauensbasis der schwarz-gelben Koalition sei damit "erledigt".

Auch Co-Chefin Lötzsch lehnt Gauck klar ab. Der ehemalige Leiter der Stasi-Unterlagen-Behörde Gauck sei ein "Kandidat der kalten Herzen", sagte Lötzsch. Die Linke kritisiert neben Gaucks Haltung zum Afghanistan-Einsatz auch, dass Gauck ein Verteidiger des Finanzmarkt-Kapitalismus sei und das ungerechte Hartz-IV-System ausdrücklich befürworte.

Es sei die Frage, ob SPD und Grüne wirklich glücklich mit der Kür von Gauck seien, sagte Ernst. Er verwies darauf, dass Gauck die globalisierungskritische Bewegung Attac als albern bezeichnet habe. Sowohl SPD als auch Grüne hegen jedoch Sympathien für die Proteste gegen das Finanzsystem, das mit ursächlich für die gegenwärtige Schuldenkrise ist.

Linke wurde nicht gefragt

Ernst betonte auch, Gauck habe ausdrücklich den ehemaligen Berliner Senator Thilo Sarrazin gelobt. Der SPD-Politiker hatte den Zorn von SPD und Grünen auf sich gezogen, weil er unter anderem Migranten unterstellte, sie seien aufgrund ihrer Herkunft nicht zu angemessener Bildung und Leistung in der Lage.

Die Linke hatte während des Prozesses der Kandidatensuche immer wieder moniert, nicht einbezogen worden zu sein. "Es ist schwer, von einem Konsenskandidaten zu sprechen, wenn mehr als fünf Millionen Wähler von vornherein ausgegrenzt werden", sagte Parteichef Klaus Ernst der "Passauer Neuen Presse".

Auch Nahles kritisierte, dass die Linke nicht in die Kandidaten-Kür eingebunden war. "Das war eindeutig ein Fehler von Frau Merkel", sagte die SPD-Politikerin. "Man hätte die Souveränität haben müssen: Wenn wir einen Konsenskandidaten wollen, dann sind die auch dabei."

Quelle: n-tv.de, jog/dpa/AFP

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