Politik

Keine Einheit, kein Pfund Londons Parteien drohen Schottland

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Dudelsackspieler vor der Bank of Scotland. Nach einem Votum für die Unabhängigkeit könnte Schottland ohne Währung dastehen.

(Foto: REUTERS)

Im Herbst dürfen die Schotten entscheiden, ob sie weiter zum Königreich gehören wollen. In London haben Regierung und Opposition eine gemeinsame Botschaft: Entscheidet Schottland sich für die Unabhängigkeit, ist das Pfund weg.

Mit der Warnung vor einem Ausstieg aus dem Pfund will eine große Koalition der britischen Parteien die Schotten davon abhalten, beim Referendum am 18. September für die Unabhängigkeit Schottlands zu stimmen. Nach Informationen des "Guardian" werden Vertreter der regierenden Konservativen und Liberaldemokraten sowie der oppositionellen Labour-Partei in den kommenden Monaten deutlich machen, dass es keine Währungsunion mit einem unabhängigen Schottland geben werde.

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Schottische Pfundnoten gibt es bereits. Allerdings sind sie faktische britisches Geld.

(Foto: AP)

Die drei Protagonisten dieser Kampagne sind der britische Finanzminister George Osborne, sein erster Staatssekretär Danny Alexander sowie Labours Schatten-Finanzminister Edward Balls. Osborne gehört den Konservativen an, Alexander ist Mitglied der Liberaldemokraten, dem Juniorpartner in der Koalition. Zugleich ist er der einzige Schotte des Trios. Alle drei gehören indes zum britischen Establishment: Sie alle haben in Oxford studiert. Man kennt sich.

Osborne wird seine Warnungen als erster an die Schotten richten. Noch in dieser Woche werde der Finanzminister das Thema einer Währungsunion ansprechen, sagte Premierminister David Cameron am Dienstag. "Ich glaube, es ist sehr wichtig, dass wir diese Argumente sehr klar und vernünftig darlegen."

Keine Währungsunion ohne Fiskalunion

Laut "Guardian" wollen Alexander und Balls ihre Warnungen wegen der "akuten Empfindlichkeit" gegen Einmischungen in Schottland in zeitlichem Abstand zu Osborne vortragen. Der Sozialdemokrat Balls argumentiert schon seit langem, die Eurokrise habe gezeigt, dass eine Währungsunion ohne Fiskalunion nicht funktionieren könne.

Labour mit im Boot zu haben, ist für die britische Regierung von großer Wichtigkeit. Anders als die beiden Londoner Regierungsparteien verfügt Labour über eine halbwegs breite Basis in Schottland. Im schottischen Parlament verfügen die schottischen Nationalisten von der SNP mit 65 Sitzen über eine knappe Mehrheit, die Konservativen haben nur 15 Mandate in Edinburgh, die Liberaldemokraten 5. Labour kommt immerhin auf 37 Sitze.

Den Euro will die schottische Regierung nicht

Ende Januar hatte der Präsident der britischen Zentralbank, der Kanadier Mark Carney, gesagt, dass ein unabhängiges Schottland Abstriche bei seiner nationalen Souveränität machen müsse, wenn es das britische Pfund behalten wolle. Die drei großen Unterhaus-Parteien interpretieren diese Äußerung als klare Absage an ein englisch-schottisches Pfund. Carney hatte allerdings betont, dass er keine Empfehlung für das Referendum im September abgeben wolle.

Schottland ist seit 1707 Teil des Vereinigten Königreichs.Das britische Pfund will der schottische Regierungschef Alex Salmond, dessen Partei die Unabhängigkeit betreibt, auf jeden Fall behalten. Mit dem Euro hat Salmond zwar vor ein paar Jahren mal geliebäugelt. Dies war allerdings zu einem Zeitpunkt, als es das Wort "Eurokrise" noch nicht gab. Heute argumentiert er, man könne dem Euro nur freiwillig beitreten, "und das tun wir nicht". Vor diesem Hintergrund könnte die Drohung mit dem Entzug der gemeinsamen Währung einigen schottischen Wählern durchaus zu denken geben.

Quelle: n-tv.de

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