Politik

Kanzlerin freut sich auf Treffen Merkel wünscht Biden "Erfolg und Gottes Segen"

Donald Trump sieht es nicht so, die deutsche Kanzlerin schon: Der künftige US-Präsident heiße Joe Biden. Angela Merkel bekundet ihre Sympathie für die Wahlentscheidung der US-Amerikaner. Sie erinnere sich an "gute Gespräche" mit dem Neuen - und deutet ein Entgegenkommen an.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich erstmals persönlich zum Ausgang der US-Präsidentschaftswahl geäußert. "Ich gratuliere Joe Biden ganz herzlich zur Wahl zum 46. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika", sagte Merkel, die Biden schon als Vize-Präsident von Barack Obama kennengelernt hatte "Ich erinnere mich gerne an gute Begegnungen und Gespräche mit ihm", sagte Merkel weiter. Sie hatte bereits am Wochenende schriftlich reagiert und nicht abgewartet, bis Amtsinhaber Donald Trump seine Niederlage eingesteht.

Merkel gratulierte auch Bidens Stellvertreterin Kamala Harris. Die Tochter zweier Einwanderer - ihre Mutter kommt aus Indien, der Vater aus Jamaika - sei "für viele Menschen eine Inspiration, ein Beispiel für die Möglichkeiten Amerikas". Die Kanzlerin ergänzte: "Ich freue mich darauf, sie kennenzulernen." Merkel wünschte Biden und Harris für ihre Amtszeit in einer "konfliktreichen" Zeit "Kraft, Erfolg und Gottes Segen".

Die Bundeskanzlerin betonte einmal mehr die Bedeutung der Beziehungen zu den USA. Am heutigen 9. November erinnere sich Deutschland "an das Schlimmste und an das Beste in unserer Geschichte", sagte sie. "Wir gedenken der Opfer des von Deutschland begangenen Menschheitsverbrechens der Shoah in Scham", sagte sie mit Blick auf die Pogromnacht vom 9. November 1938. Zugleich stehe das Datum für den Fall der Mauer im Jahr 1989 und der folgenden Wiedervereinigung, die ohne das Vertrauen der Amerikaner nicht möglich gewesen wäre.

Merkel spannt historischen Bogen

"Wir haben direkt erlebt und erfahren, welch große Bedeutung die deutsch-amerikanische Freundschaft, die transatlantische Partnerschaft für Deutschland hat, für Europa und die Welt", sagte Merkel. "Viele Menschen, hier wie dort, leben diese deutsch-amerikanische Freundschaft." Diese sei "ein gemeinsamer Schatz". Beide Länder müssten "zusammenstehen, um die großen Herausforderungen unserer Zeit zu bewältigen". Merkel zählte beispielhaft die Corona-Pandemie, den Klimawandel, Terrorismus sowie die freie Weltwirtschaft und freien Handel auf.

Merkel sagte, die Deutschen und Europäer wüssten, dass sie im Rahmen der transatlantischen Partnerschaft künftig mehr Verantwortung übernehmen müssten. Washington habe "zu Recht" diese Erwartung. "Wir Europäer haben uns ja längst auf diesen Weg gemacht", sagte sie. Mit Trump, aber auch mit dessen Vorgänger Obama, hatte die Bundesregierung wiederholt über Kreuz gelegen, unter anderem wegen des aus US-Sicht zu niedrigen Verteidigungsetats und Deutschlands Nato-Beitrag.

Quelle: ntv.de