Politik

Vierte Spritze bei Jüngeren? Mertens widerspricht Lauterbach im Impfstreit

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STIKO-Chef Mertens ist bei der Frage nach der Viertimpfung nicht auf Lauterbachs Seite.

(Foto: imago images/IPON)

Der Impfschutz bei vielen Menschen in Deutschland lässt nach. Doch der Chef der Ständigen Impfkommission, Thomas Mertens, kontert nun die Empfehlungen von Lauterbach zur vierten Impfung. Auch der Virologe Alexander Kekulé kritisiert den Gesundheitsminister.

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach empfiehlt auch Menschen unter 60 Jahren eine vierte Corona-Impfung - stößt damit aber auf Widerspruch bei Experten. "Wenn jemand den Sommer genießen und kein Risiko eingehen" wolle, würde er in Absprache mit dem Hausarzt auch Jüngeren die Impfung empfehlen, sagte der SPD-Politiker dem "Spiegel". Der Chef der Ständigen Impfkommission (STIKO), Thomas Mertens, entgegnete in der "Welt am Sonntag", er kenne keine Daten, die einen solchen Ratschlag rechtfertigten. Einen Anstieg bei den Fallzahlen gibt es dem Robert-Koch-Institut zufolge in Pflege- und Altenheimen.

Mit einer Viertimpfung "hat man einfach eine ganz andere Sicherheit", begründete Lauterbach seinen Vorstoß. Aus der Impfkommission kam Kritik. "Ich halte es für schlecht, medizinische Empfehlungen unter dem Motto 'Viel hilft viel' auszusprechen", sagte der STIKO-Chef der "WamS". Die Empfehlung seiner Kommission, wonach sich Menschen über 70, Vorerkrankte und Pflegepersonal die vierte Dosis verabreichen sollen, halte Mertens nach wie vor für richtig.

"Damit schafft man kein Vertrauen"

Dass die EU-Gesundheitsbehörde ECDC und die EU-Arzneimittelbehörde EMA die Altersgrenze in dieser Woche auf 60 festsetzten, sei aber vertretbar, sagte Mertens weiter. "Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko für einen schweren Verlauf. Es ist nicht einfach, hier einen genauen Cut beim Alter zu machen." Allerdings könne nicht jedes Jahr die gesamte Bevölkerung geimpft werden. Die dreimalige Impfung mit den verfügbaren Impfstoffen würde gut vor schweren Verläufen schützen, so Mertens. "Aber die Übertragung des Virus wird nur gering beeinflusst."

Der Virologe Alexander Kekulé übte ebenfalls Kritik an Lauterbach. "Wenn der Gesundheitsminister eigene Empfehlungen gibt, die von denen der Ständigen Impfkommission abweichen, verspielt er damit das Vertrauen der Bevölkerung", sagte er der "WamS".

Ein Sprecher Lauterbachs sagte, es könne keine grundsätzlichen Empfehlungen für eine Viertimpfung geben. Dies solle jeweils im Einzelfall mit dem Arzt besprochen werden. Der Minister habe deutlich gemacht, dass im Herbst ausreichend Impfstoff zur Verfügung gestellt wird.

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Bayerns CSU-Gesundheitsminister Klaus Holetschek schloss sich im RBB-Inforadio zwar grundsätzlich der Empfehlung von Lauterbach an, kritisierte aber den Zeitpunkt der Kommunikation. So empfehle die EU-Kommission derzeit, dass Menschen über 60 Jahre ein viertes Mal geimpft werden, und die STIKO empfehle es ab 70. Wichtig sei aber "eine Kommunikation, die einheitlich ist, die Vertrauen schafft". Mit Blick auf Lauterbachs jetzige Empfehlung fügte er hinzu: "Damit schafft man kein Vertrauen in der Bevölkerung."

Quelle: ntv.de, dbe/AFP

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