Politik

Konferenz im Vatikan Missbrauchsopfer klagt Kirche an

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Die Anklage von Marie Collins wurden von der Kirche jahrelang ignoriert.

(Foto: picture alliance / dpa)

Eine Entschuldigung reicht nicht. Das macht ein irisches Missbrauchsopfer im Vatikan deutlich. Auf einer Konferenz der katholischen Kirche zu den Sex-Skandalen von Priestern fordert Marie Collins Konsequenzen. Ein Kaplan hat sie missbraucht, als sie 13 Jahre alt war.

Nur ein Opfer nimmt an der Konferenz der katholischen Kirche zum sexuellen Missbrauch im Vatikan teil. Die 64-Jährige Marie Collins klagte die Institution indes heftig an. "Eine Entschuldigung für den Missbrauch der Priester ist nicht genug", sagte sie. "Es muss Eingeständnis und Rechenschaft geben für die Verletzungen und Zerstörungen, die dem Leben der Opfer und ihren Familien zugefügt wurden durch die oft gezielte Vertuschung und falsche Handhabung der Fälle durch die Vorgesetzten."

Suche nach "Heilung und Erneuerung"

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Wegen der Missbrauchsfälle demonstrierten 2011 Kirchengegner gegen den Besuch des Papstes in Berlin.

(Foto: picture alliance / dpa)

Bei der Konferenz, die am Montag mit einer Botschaft von Papst Benedikt XVI. eröffnet worden war, sprach Collins auch über ihre eigene Missbrauchserfahrung durch einen Kaplan im Alter von 13 Jahren. "Diese Finger, die meinen Körper in der Nacht missbrauchten, hielten und reichten am nächsten Morgen die heilige Hostie", sagte sie. Ihre Vorwürfe waren von der Kirche lange ignoriert worden, sie litt jahrzehntelang an Depressionen. In den vergangenen Jahren spielte sie aber eine wichtige Rolle bei der Aufarbeitung des Missbrauchsskandals in Irland.

200 Würdenträger und Kirchenexperten aus aller Welt diskutieren bei der Konferenz in der Päpstlichen Universität Gregoriana hinter verschlossenen Türen. Vier Tage lang suchen sie nach "Wegen zu Heilung und Erneuerung". Sie wollen ausloten, wie sie den sexuellen Missbrauch Minderjähriger in der katholischen Kirche verhindern können. "Sie (die Kirche) muss sich ihrer Verantwortung stellen", sagte der Jesuitenpater und Psychologe Hans Zollner, ein Mitorganisator der Konferenz, dem Radio Vatikan. Der Missbrauch sei verdrängt worden, man habe Opfer und Täter falsch behandelt und Schuld auf sich geladen.

Skandale haben Kirche in die Krise gestürzt

Die Konferenz ist eine Reaktion auf Tausende  in den vergangenen Jahren. Die weltweite Welle von Skandalen stürzte die Kirche in eine tiefe Krise. Auch in Deutschland traten aus diesem Grund etliche Bürger aus der katholischen Kirche aus.

Opferverbände übten heftige Kritik an der Konferenz. Sue Cox von der Opfervereinigung Survivors Voice sprach von einer "PR-Aktion". "Das  ist wirklich nur Theater. Das ist sinnlos." Collins dagegen sprach von einem "Schritt in die richtige Richtung".

Quelle: ntv.de, ieh/AFP