Politik
Michel Martelly will Haiti komplett umkrempeln.
Michel Martelly will Haiti komplett umkrempeln.(Foto: REUTERS)
Dienstag, 05. April 2011

Michel Martelly ist neuer Präsident: Musiker will besseres Leben in Haiti

In Haiti gewinnt ein populärer Musiker die Präsidentenwahl. Nun steht Michel Martelly vor einem Trümmerhaufen und muss ein neues Land formen, fernab der korrupten politischen Elite.

Nach dem Erdbeben im Januar des vergangenen Jahres forderten viele ausländische Beobachter, das Land müsse nicht nur wiederaufgebaut, sondern völlig neu errichtet werden. Die korrupte Elite des Landes müsse entmachtet und an ihre Stelle eine neue unverbrauchte Mannschaft rücken.

Es hat den Anschein, dass die haitianischen Wähler ihrem künftigen Präsidenten genau diesen Auftrag gegeben haben. Michel Martelly, der bekannteste Musiker und Unterhaltungskünstler des am Boden liegenden Landes, ist mit dem Anspruch des Wechsels in die Politik gegangen, und zieht jetzt in den von Erdbeben nicht zerstörten Teil des haitianischen Präsidentenpalastes ein.

Traum von einem besseren Leben

Martelly (geb. 1961) wuchs in Carrefour, einer Vorstadt der Armen von Port-au-Prince, auf. Als Jugendlicher lernte er schon den Unterschied zwischen Reich und Arm schmerzlich kennen. Als er zum ersten Mal bei Freunden im feinen Stadtteil Petion Ville zu Gast war und am Abend wieder zurück musste, beschloss er, einen Traum zu verwirklichen - nämlich wohlhabend zu werden, um eines Tages bei den Reichen residieren zu können, hoch über der schmutzigen Hauptstadt.

Das hat Martelly, Vater von vier Kindern, geschafft. Unter dem Namen "Sweet Micky" wurde er zum bekanntesten Musiker und Unterhaltungskünstler des Landes, das sich mit der Dominikanischen Republik die Karibikinsel Hispaniola teilt. Heute sagt er, er wolle den Haitianern aus den Slums wieder beibringen, Träume von einem besseren Leben zu haben. Und in einem Interview bekräftigte er, die Reichen müssten sich bewegen und ihren Wohlstand auch einsetzen, um das Land wieder nach vorne zu bringen.

Unterdrückung ein Ende bereiten

Die Haitianer sollen sich wieder frei fühlen.
Die Haitianer sollen sich wieder frei fühlen.(Foto: REUTERS)

Martelly ist seit vielen Jahren sozial engagiert und hat gemeinsam mit seiner Frau Sophia die Stiftung "Rose et Blanc" gegründet. Diese hilft vor allem nach Katastrophen den Betroffenen. "Ich habe meinen Kindern Bilder der Armut Haitis gezeigt und sie wollten nicht glauben, dass es so etwas in Haiti gibt", sagte Martelly, ein enger Freund des Rappers Wyclef Jean. "Wenn wir das nicht ändern, wird es eine Katastrophe geben." 80 Prozent der Bevölkerung fühle sich unterdrückt. "Deshalb bin ich in die Politik gegangen."

Der künftige Präsident Haitis legt Wert auf die Feststellung, dass er nicht der politischen Elite seines Landes angehört. Geprägt wurde seine Kindheit und Jugend von der Duvalier-Diktatur, dem Anfang des Desasters, wie er sagt. Und doch hat er ein anderes, ein besseres Haiti erlebt.

Mammutaufgabe

"Als ich fünf Jahre alt war, gab es keine verwahrlosten Straßenkinder, und es kamen Touristen nach Haiti. Ärzte aus Haiti halfen in Afrika", erklärt er. "Heute ist Haiti verloren. Denn die bisherigen Machthaber haben kein Interesse an Haiti. Wir müssen das System ändern."

Martelly steht vor einer gigantischen Herausforderung: Nach Diktaturen, Ausbeutung, Erdbeben, Unwettern und Cholera liegt das Land am Boden. Die internationale Staatengemeinschaft hat vor einem Jahr 10 Milliarden Dollar für den Wiederaufbau versprochen. Mit diesem Geld und dem wiedererwachenden Glauben seiner Landesleute an die Zukunft will Martelly ein neues Haiti schaffen.

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Quelle: n-tv.de