Zeuge beschreibt Atta"Nazi-Strukturen"
Im Hamburger El-Kaida-Prozess hat ein Zeuge die Gruppe um den Todespiloten Atta als extrem antisemitisch geschildert. Atta habe in "nationalsozialistischen Strukturen" gedacht.
Im so genannten El-Kaida-Prozess gegen den Marokkaner Mounir El Motassadeq vor dem Hamburger Oberlandesgericht hat ein Zeuge die Gruppe um den Todespiloten Mohammed Atta als extrem antisemitisch geschildert. Attas Ansichten hätten "nationalsozialistische Strukturen" gehabt, sagte der 21-Jährige deutsche Student.
Bei den Diskussionen der Gruppe um Atta sei es immer wieder um die Politik Israels und der USA sowie um das "Weltjudentum" gegangen, erklärte der Zeuge. "Die dachten, dass die Juden die US-Regierung kontrollieren", führte er aus. "Atta sagte, die Juden hätten die Kriege in Bosnien, im Kosovo, in Tschetschenien und in Palästina begonnen, um den Einfluss des Islam zurückzudrängen", erklärte der Student weiter. Dabei habe Atta New York als "Zentrum des Weltjudentums" gesehen.
Der 21-Jährige, der Mitte der neunziger Jahre zum Islam konvertierte, hatte eigenen Angaben zufolge Anfang 1997 in einer Hamburger Moschee Kontakt zu der Gruppe um Atta bekommen. Danach habe er häufig an Treffen der militanten moslemischen Studenten teilgenommen. Ende 1999 jedoch habe er den Kontakt zu der Gruppe abgebrochen, da sie ihm zu radikal geworden sei. "Die waren ein bisschen wie eine Sekte", erklärte der Zeuge rückblickend. Von Gesprächen über geplante Anschläge habe er jedoch nie etwas mitbekommen.
Der Prozess in Hamburg ist der weltweit erste gegen mutmaßliche Hintermänner der Anschläge vom 11. September 2001. Seit dem 22. Oktober muss sich El Motassadeq als mutmaßlicher Helfer der Attentäter unter anderem wegen Beihilfe zum Mord in mindestens 3.045 Fällen verantworten. Als enger Vertrauter Attas soll er in die Vorbereitung der Anschläge eingebunden gewesen sein und gilt als Statthalter der Terrorzelle in Hamburg. Von dort aus soll unter anderem die Flugausbildung der Terroristen mitfinanziert worden sein.
Motassadeq hat bisher enge Kontakte zu allen anderen aus Hamburg stammenden mutmaßlichen Helfern der Attentäter eingeräumt, dies aber als normale Freundschaften geschildert. Er bestritt jegliche Kenntnis von den Attentatsplänen.