Häuser, Autos und BooteNorwegen warnt 13.500 Bürger vor Enteignung im Kriegsfall

In diesem Jahr verschicken die norwegischen Streitkräfte rund 13.500 Briefe, um Bürger über die mögliche Beschlagnahmung ihres Eigentums zu informieren. Die Maßnahme dient der Landesverteidigung im Kriegsfall. Grundlage ist ein Gesetz aus der Zeit des Kalten Krieges.
In Norwegen müssen sich die Bürger im Kriegsfall auf die Beschlagnahme ihres Eigentums vorbereiten. Zum Wochenstart sollten tausende Bürger in Briefen informiert werden, dass ihre Häuser, Autos, Boote und andere Gerätschaften im Falle eines Krieges beschlagnahmt werden könnten, wie das Militär des Landes mitteilte. Dies solle "sicherstellen, dass die Streitkräfte im Kriegsfall Zugriff auf die für die Landesverteidigung notwendigen Ressourcen haben". Das Versenden der sogenannten Requisitionsbescheide ist gängige Praxis in Norwegen und erfolgt einmal im Jahr.
Die Schreiben hätten in Friedenszeiten keine praktischen Auswirkungen, hieß es in der Armee-Mitteilung weiter. Grundlage ist ein Militärgesetz aus dem Jahr 1951. Eine Beschlagnahme gilt laut norwegischem Militär zunächst für ein Jahr, kann aber verlängert werden. Bei den rund 13.500 verschickten Schreiben handelt es sich demnach bei etwa zwei Dritteln um Erneuerungen bestehender Bescheide.
"Die Bedeutung der Krisen- und Kriegsvorsorge hat in den vergangenen Jahren dramatisch zugenommen", erklärte der Chef der Logistik-Organisation der Armee, Anders Jernberg. Ihm zufolge befindet sich Norwegen "in der schwersten sicherheitspolitischen Krise seit dem Zweiten Weltkrieg". Die Gesellschaft müsse daher "auf sicherheitspolitische Krisen und im schlimmsten Fall auf einen Krieg vorbereitet sein". Neben der militärischen werde auch die zivile Bereitschaft verstärkt.
Norwegen ist Mitglied der Nato, gehört aber nicht der Europäischen Union an. Es grenzt im Arktischen Ozean an Russland. Zudem teilt das skandinavische Land im Norden eine 198 Kilometer lange Landgrenze mit Russland.