Politik

US-Botschafter in Libyen ermordet Obama kündigt "Gerechtigkeit" an

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Das US-Konsulat in Bengasi am Morgen nach den Angriffen.

(Foto: AP)

Zum ersten Mal seit 1979 wird ein US-Botschafter ermordet. In der libyschen Stadt Bengasi tötet ein Mob Botschafter Stevens. Hintergrund ist ein islamfeindlicher Trailer, der bereits im Juli bei Youtube veröffentlicht wurde. Wieder hat der US-Prediger Terry Jones seine Finger im Spiel. Präsident Obama will die Täter ihrer gerechten Strafe zuführen.

US-Präsident Barack Obama hat angekündigt, dass der Tod des amerikanischen Botschafters in Libyen nicht ungesühnt bleiben werde. "Wir werden nicht schwanken in unserem Bestreben, nach dieser schrecklichen Tat Gerechtigkeit zu üben. Und seien Sie sicher, der Gerechtigkeit wird genüge getan werden", sagte er. Obama versicherte zugleich, dass der Angriff die Bande zwischen den USA und Libyen nicht zerreißen werde.

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Das amerikanische Konsulat in Bengasi stand in Flammen.

(Foto: REUTERS)

Bei einem Angriff auf das US-Konsulat in der libyschen Stadt Bengasi war Botschafter J. Christopher Stevens getötet worden. Auch drei Mitarbeiter der US-Botschaft in Libyen kamen ums Leben. Der bewaffnete Mob, der das Konsulat angegriffen hatte, protestierte gegen einen Film, der sich über den Propheten Mohammed lustig macht.

Zuvor hatte Obama den Angriff bereits in einer Erklärung "auf das Schärfste" verurteilt. Er habe die Regierung angewiesen, alles Notwendige zu veranlassen, um die Sicherheitsvorkehrungen vor US-Einrichtungen zu verschärfen.

Die USA lehnten alle "Versuche zur Verunglimpfung religiöser Glaubensvorstellungen ab", betonte Obama, doch "müssen wir uns alle eindeutig gegen die Art sinnloser Gewalt wenden, die das Leben dieser Staatsdiener genommen hat".

Marines unterwegs nach Bengasi

Unterdessen schickte das US-Verteidigungsministerium Marineinfanteristen nach Bengasi. Sie sollen den Schutz der Diplomaten gewährleisten, wie der Sender CNN unter Berufung auf Beamte des Pentagon berichtet.

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Botschafter Stevens am 11. April 2011 bei einem Gespräch mit einem Mitglied des libyschen Übergangsrats in Bengasi.

(Foto: AP)

Libyen entschuldigte sich für den tödlichen Angriff. Der Präsident der Nationalversammlung, Mohammed Magarief, sagte in einer von Al-Dschasira übertragenen Erklärung: "Wir entschuldigen uns bei den USA, dem Volk und bei der ganzen Welt für das, was geschehen ist."

Über den Tod des Botschafters gibt es zwei Versionen. Die eine besagt, dass sein Auto am Dienstagabend mit Raketen beschossen wurde. Stevens und seine Mitarbeiter seien zuvor aus der US-Vertretung geflohen, da auch diese angegriffen worden war. Diese Version geht auf eine libysche Quelle zurück, die mit der Nachrichtenagentur Reuters gesprochen hat.

Nach der zweiten Version, die von Al-Dschasira verbreitet wird, wurde das Konsulat mit selbstgebauten Bomben unter Beschuss genommen, geplündert und in Brand gesteckt. Dieser Version zufolge erstickte Stevens infolge des Brands an Kohlenmonoxid. Die zum Schutz des Gebäudes abgeordneten Wachen seien geflohen.

Der Film, mit dem alles anfing

Die Proteste richten sich gegen einen bislang völlig unbekannten Film mit dem Titel "Innocence of Muslims", der Szenen aus dem Leben des Propheten Mohammed zeigt und dabei offenbar die üblichen islamophoben Klischees aneinanderreiht. Der zweistündige Streifen wurde laut "New York Times" von einem israelisch-amerikanischen Kalifornier namens Sam Bacile produziert. Bislang scheint nur ein 14-minütiger Trailer bei Youtube verfügbar zu sein. Dieser Trailer soll schon im Juli veröffentlicht worden sein, wurde aber nicht weiter beachtet.

Das änderte sich laut "New York Times", als ägyptisch-amerikanischer koptischer Christ namens Morris Sadek in einem arabischsprachigen Blog auf den Film hinwies. Seit der vergangenen Woche gibt es bei Youtube auch eine arabisch synchronisierte Version des Trailers. Sadek ist der Zeitung zufolge mit dem muslimfeindlichen Prediger Terry Jones verbandelt, der durch die Ankündigung, er wolle Korane verbrennen, bekannt wurde. Jones sagte, der Film solle nicht Muslime angreifen, sondern "die destruktive Ideologie des Islam" zeigen und "auf satirische Art das Leben Mohammes" offenbaren.

Proteste auch in Kairo

Am Dienstagabend kam es auch vor der US-Botschaft in Kairo zu Protesten. Dabei wurde das Gelände der Botschaft gestürmt, die US-Flagge heruntergerissen und verbrannt. Nach diesen Protesten sagte Bacile dem "Wall Street Journal" am Telefon, der Islam sei "ein Krebsgeschwür". Mittlerweile scheint Bacile untergetaucht zu sein.

Sowohl der Film als auch die Ermordung der vier US-Diplomaten in Libyen droht die Beziehungen der USA zur arabischen Welt zu belasten. Christopher Stevens ist der erste US-Botschafter seit 1979. Damals war der oberste Diplomat der USA in Afghanistan, Adolph Dubs, entführt und ermordet worden.

Quelle: n-tv.de, hvo/AFP/rts/dpa

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