Politik
Montag, 07. September 2009

Oberst Klein : Offizier mit schwierigem Job

Oberst Georg Klein gilt als freundlich und besonnen - und nicht als ein Offizier, der leichtfertig Luftangriffe anordnen würde. Soldaten im Feldlager in Kundus äußern sich respektvoll über ihren Kommandeur.

Afghanistan_Germany_AGH102.jpg4434820662752521078.jpgIm vergangenen Monat wurde Oberst Georg Klein mit Vorwürfen konfrontiert, die der Vater eines von deutschen Soldaten versehentlich erschossenen Jugendlichen erhoben hatte. Der Kommandeur des zivil-militärischen Wiederaufbauteams in Kundus wirkte ehrlich betroffen. Nach dem Tod des afghanischen Jugendlichen - der Vater warf der Bundeswehr später vor, das Feuer ohne Warnsignale eröffnet zu haben - entschuldigte Klein sich noch am selben Tag persönlich bei der Familie.

Nicht erst seit dem von Klein angeordneten Bombardement vom vergangenen Freitag ist klar: Der Oberst hat eine der schwierigsten Aufgaben, die die Bundeswehr zu vergeben hat.

Klein trat 1980 in die Bundeswehr ein, als an Auslandseinsätze noch nicht zu denken war - geschweige denn daran, dass deutsche Soldaten eines Tages in einen Guerilla-Krieg am Hindukusch verwickelt würden. 1993 durchlief er die Generalstabsausbildung an der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg, anschließend war er als Stabsoffizier im Verteidigungsministerium in Bonn.

"Es vergeht fast kein Tag mehr, an dem nicht geschossen wird"

Später wurde Klein Kommandeur eines Panzerbataillons, weitere Stationen führten ihn nach Brüssel, Köln und Koblenz. 2006 wurde er zum Oberst befördert. Vor seiner Versetzung nach Kundus war Klein Chef des Stabes der 13. Panzergrenadierdivision in Leipzig.

Der 48-Jährige gilt als freundlich und besonnen - und nicht als ein Offizier, der leichtfertig Luftangriffe anordnen würde. Soldaten im Feldlager in Kundus äußern sich respektvoll über ihren Kommandeur. Als Klein den Posten in Kundus im Frühjahr antrat, war die Lage dort schon schwierig. Seitdem hat die Gewalt weiter zugenommen.

"Es vergeht fast kein Tag mehr, an dem nicht geschossen wird", sagte Klein vor knapp einem Monat. "Die Soldaten müssen in dem Moment auf Angriffe eingestellt sein, wo sie das Tor des Lagers hinter sich lassen. Im Lager muss man mit Raketenangriffen rechnen." Die Lage sei zwar "nicht befriedigend", aber der Oberst sagte auch: "Es sind die kleinen Dinge, die Hoffnung geben - etwa wenn Sie mit Leuten sprechen, die sagen, wie froh sie sind, dass die ISAF hier ist."

Quelle: n-tv.de