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Soldaten in Trauma-Behandlung "Oft bleibt eine Narbe"

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Ein deutsches Scharfschützenteam übt im Marmal-Gebirge bei Masar-i-Scharif einen Feuerkampf (Archivbild).

(Foto: picture-alliance/ dpa)

730 Soldaten der Bundeswehr waren 2010 wegen eines Traumas in Behandlung. Und die Zahl der Patienten nimmt zu. In knapp 80 Prozent der Fälle gelingt es, "die Symptome so deutlich zu bessern, dass die Patienten eigentlich wieder normal am Leben teilnehmen können", sagt Oberstabsarzt Zimmermann vom Bundeswehrkrankenhaus in Berlin. Doch oft bleibe eine Narbe.

Dreieinhalb Jahre dauert es im Durchschnitt, bis ein Soldat sich nach einem belastenden Erlebnis nach Therapiemöglichkeiten erkundigt. "Und wenn man dann als erwachsener Mann und als Familienvater und eigentlich auch als gestandener Soldat dort steht und in Tränen ausbricht, dann ist das schon eine Hemmschwelle, die man überwindet", sagt ein Hauptfeldwebel, der Monate nach einem Afghanistan-Einsatz merkte, dass er Hilfe braucht. "Das tut auch weh. Das ist sehr unangenehm."

Knapp 730 Soldaten waren 2010 wegen eines Posttraumatischen Belastungssyndroms bei der Bundeswehr in Behandlung, einige davon im Bundeswehrkrankenhaus in Berlin. Dort leitet Oberstarzt Peter Zimmermann die Abteilung Psychiatrie und Psychotherapie. "Wenn Sie mehr Leute in Auslandseinsätze schicken, kriegen Sie natürlich auch mehr mit psychischen Problemen wieder", sagt Zimmermann im Interview mit n-tv.de.

Die Zahl der PTBS Patienten bei der Bundeswehr steigt kontinuierlich an. Noch vor zwei Jahren waren es 245. Zimmermann sieht für den Anstieg einen zweiten Grund - Psychotherapie sei in der Bundeswehr kein Tabu mehr: "Wenn Sie in einer Armee Aufklärungsarbeit leisten und Soldaten klarmachen, dass eine psychische Erkrankung nichts Schlimmes, sondern etwas Behandelbares ist, dann kriegen Sie zwar nicht mehr Fälle, aber mehr Patienten."

"Sie riechen das Schwarzpulver"

Die Symptome von PTBS sind unterschiedlich. Dazu gehören spontane Erinnerungen an bedrohliche Situationen - da kann das Klackern einer Computertastatur zum Rattern eines Maschinengewehres werden. Die betroffenen Soldaten "hören die Geräusche, sie riechen das Schwarzpulver, sie fühlen plötzlich diese Angst wieder, die sie damals erlebt haben", so Zimmermann. Solche Erlebnisse kosten Kraft, "die gerne an anderen Stellen eingespart wird, zum Beispiel bei den sozialen Kontakten". Dies jedoch setze eine Negativspirale in Gang: "Man sägt sich den wichtigsten Ast, der einen noch stützen könnte, selber ab."

Zimmermann zufolge gelingt es in über 80 Prozent der Fälle, "die Symptome so deutlich zu bessern, dass die Patienten eigentlich wieder normal am Leben teilnehmen können". Dennoch sei nach einer Trauma-Therapie niemand genau so wie vorher: "Oft bleibt eine Narbe, die noch ein bisschen weh tut. Oft bleiben auch Veränderungen, die man nicht mehr als krankhaft bezeichnet, sondern als Reifung. Die Patienten sagen dann: 'Ich lerne jetzt mehr Dinge wertzuschätzen hier in diesem Land, als ich sie vorher wertschätzen konnte.' Aber klar ist: Eine Veränderung bleibt, eine Restsymptomatik bleibt leider auch oft."

Ziel sei es, dass die Soldaten nach der Therapie wieder normal arbeiten könnten. Das will auch der 30 Jahre alte Hauptfeldwebel. "Es ist mein Beruf, und ich mache den Beruf an sich gerne." Für die Auslandseinsätze gilt dies jedoch nicht. Doch: "Es gehört dazu, das ist eben so. Und das wird in Zukunft nicht weniger."

Quelle: ntv.de, hvo/ghö