Politik

Der Todesschütze von Ferguson Polizist Wilson würde wieder schießen

RTR4FLJO.jpg

Schüsse, die die US-Gesellschaft aufrütteln: Wilsons Dienstwaffe, eine SIG Sauer P229.

REUTERS

Am Tag nach der umstrittenen Geschworenen-Entscheidung meldet sich Polizist Wilson erstmals öffentlich selbst zu Wort. Unfreiwillig steht er im Zentrum einer landesweiten Rassismus-Debatte. Er geht davon aus, alles "richtig gemacht" zu haben - unabhängig von der Hautfarbe.

Der US-Polizist Darren Wilson, der in Ferguson einen schwarzen Teenager erschossen hatte, würde eigenen Angaben wieder so handeln. Er habe ein "reines Gewissen", weil er wisse, dass er seinen Job "richtig gemacht" habe, sagte Wilson in seinem ersten öffentlichen Interview dem US-Sender ABC.

Wilson hatte Anfang August in Ferguson, einem eigenständig verwalteten Vorort von St. Louis, den 18-jährigen Michael Brown erschossen und anschließend Notwehr geltend gemacht. Bis zur umstrittenen Entscheidung der Geschworenen, keine Anklage gegen ihn zu erheben, hatte er sich gegenüber den Medien bedeckt gehalten.

RTR4FFQU.jpg

Bedauern, aber ein "reines Gewissen": Darren Wilson wenige Stunden nach den Schüssen vom 9. August.

(Foto: REUTERS)

"Er wollte mich töten"

Seit den Vorfällen vom 9. August in Ferguson steht der junge Polizist im Mittelpunkt einer landesweiten Debatte um Polizeigewalt gegen Schwarze und eine etwaige strukturelle Diskriminierung im US-Justizsystem. Auf die Frage, ob er genauso gehandelt hätte, wenn Brown weiß gewesen wäre, sagte der Polizist: "Ja, (...) keine Frage."

Erste Teile des Interviews strahlte der US-Sender am Dienstagabend (Ortszeit) aus. Nach Angaben des ABC-Journalisten George Stephanopoulos sagte der Polizist in dem Gespräch, dass er Browns Tod bedauere, er aber wieder so handeln würde, weil es Notwehr gewesen sei.

Zehn Schüsse in Notwehr

Es war das erste Mal, dass sich Wilson öffentlich zu dem tödlichen Vorfall äußerte. Zu Wochenbeginn hatte eine Grand Jury nach dreimonatiger Prüfung von Beweismitteln und Zeugenaussagen ihre Entscheidung veröffentlicht, wonach sich Wilson zunächst nicht vor Gericht verantworten muss. In Ferguson, das im Osten des US-Bundesstaats Missouri liegt, gab es daraufhin schwere nächtliche Krawalle, die sich in der Nacht darauf zu einer landesweiten, weitgehend friedlichen Protestwelle zu entwickeln scheinen.

RTR4FLH7.jpg

Die Schüsse fielen auf offener Straße: Ferguson am 9. August.

(Foto: REUTERS)

Wilson sagte dem Sender, er habe an jenem Tag im August um sein Leben gefürchtet und deshalb auf den 18-jährigen Brown geschossen. Er beschrieb den Teenager als "kräftigen" Typen. "Er wollte mich töten", sagte der Polizist. Er habe befürchtet, dass Brown ihm seine Dienstwaffe entreißen und sie auf ihn richten könnte. Dass ihn die Tat verfolge, glaube er nicht, sagte Wilson. Der Vorfall werde etwas bleiben, das ihm nun einmal passiert sei.

"Vollkommen unfair"

Bei dem Vorfall hatte Wilson zehn Schüsse auf Brown abgegeben. Viele Zeugen hatten ursprünglich berichtet, dass Brown wehrlos gewesen sei, seine Hände gehoben, der Polizist ihm in den Rücken geschossen habe. Doch viele dieser Aussagen seien falsch gewesen, betonte Staatsanwalt Robert McCulloch. Tatsächlich sprechen die Obduktionsbefunde gegen die Darstellung, Wilson habe auf einen Flüchtenden geschossen.

Die Eltern Browns verurteilten dennoch die Entscheidung der mehrheitlich weißen Geschworenenjury. Der juristische Vorgang sei "vollkommen unfair" gewesen, sagte der Anwalt der Familie, Benjamin Crump. Der zuständige Staatsanwalt Robert McCulloch sei durch seine enge Beziehung zur örtlichen Polizei eine völlige Fehlbesetzung gewesen. Das Justizsystem der Vereinigten Staaten sei "kaputt", sagte Crump.

Ein Staatsanwalt mit Geschichte

Der Anwalt warf der Staatsanwaltschaft vor, voreingenommen gewesen zu sein. Die Dokumente des Verfahrens würden zeigen, dass Wilson bei seiner Aussage vor der Grand Jury gar nicht richtig ins Kreuzverhör genommen worden sei. "Ein Jurastudent aus dem ersten Semester hätte einen besseren Job gemacht", sagte Crump. Wilsons Glaubwürdigkeit sei nie in Frage gestellt worden.

Die Kritik zielt besonders auf jenen Staatsanwalt, der die Entscheidung der Grand Jury am Montagabend verkündet hatte. Crump beklagte die "symbiotische Beziehung" zwischen McCulloch und der örtlichen Polizei. Der Staatsanwalt stammt aus einer Polizistenfamilie.

US-Medien zufolge arbeiteten sein Bruder, seine Mutter, sein Onkel und sein Cousin für die Polizeibehörde von St. Louis. Sein Vater trug ebenfalls Polizeiuniform und wurde von einem Afroamerikaner im Dienst erschossen, als McCulloch zwölf Jahre alt war.

Angesichts des "Interessenkonflikts" hätte ein Sonderstaatsanwalt eingesetzt werden müssen, sagte Crump. Ein weiterer Anwalt der Brown-Familie, Anthony Gray, warf der Staatsanwaltschaft vor, die Beweise den Geschworenen in einer Weise präsentiert zu haben, dass der Polizist nicht angeklagt würde.

Krawalle in FergusonStepMap
*Datenschutz

Quelle: n-tv.de, mmo/AFP/dpa

Mehr zum Thema