Politik

Gewalt und Tote in Neu-Delhi Proteste überschatten Trumps Indienbesuch

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Bei den Zusammenstößen in Neu-Delhi sind mehrere Menschen zu Tode gekommen.

(Foto: REUTERS)

Geschäfte werden in Brand gesetzt, mit Ziegelsteinen Personen beworfen: Bei Auseinandersetzungen in Indien kommen mehrere Menschen ums Leben. All das passiert während eines Besuchs von Donald Trump. Die Proteste haben jedoch nichts mit dem US-Präsidenten zu tun.

Während US-Präsident Donald Trumps Staatsbesuch in Indien hat es in der Hauptstadt Neu-Delhi gewaltsame Proteste mit mehreren Toten gegeben. Die Zusammenstöße werden als Reaktion auf das vom indischen Premier Narendra Modi durchgedrücktes Einbürgerungsgesetz gewertet, das nach Ansicht von Kritikern gezielt Muslime diskriminiert. Bei den Protesten starben seit Montag mindestens sieben Menschen, wie es aus Polizeikreisen hieß.

Außerdem seien Fahrzeuge und Geschäfte in Brand gesetzt und mehr als zwei Dutzend Menschen von Ziegelsteinen verletzt worden, die von Befürwortern und Gegnern des Gesetzes geworfen worden seien.

Donald Trump wollte nach Angaben aus US-Regierungskreisen bei seinem zweitägigen Besuch hinter verschlossenen Türen auch mit Nachdruck für Toleranz und die Erhaltung der Religionsfreiheit in Indien werben. Während ihres Treffens haben sich Trump und Modi für den Abschluss eines umfassenden Handelsabkommens ausgesprochen. Die Unterhändler hätten gute Fortschritte gemacht, um ein faires und auf Gegenseitigkeit beruhendes Abkommen auf den Weg zu bringen, sagte Trump. "Ich bin zuversichtlich, dass wir ein Abkommen abschließen können", so der US-Präsident. Modi, der etwas zurückhaltender klang, erklärte: "Wir haben uns geeinigt, Verhandlungen für ein größeres Abkommen zu beginnen."

Indien bietet "unglaubliches Potenzial"

Das aufstrebende Schwellenland Indien mit seinen 1,3 Milliarden Einwohnern biete "unglaubliches Potenzial", hatte Trump bereits am Montag gesagt. Ursprünglich hatten beide Seiten gehofft, schon anlässlich Trumps zweitägigen Staatsbesuchs in Indien zumindest ein begrenztes Handelsabkommen abschließen zu können. Bislang schienen die Verhandlungen jedoch festgefahren. Modis Regierung hält an Handelsbarrieren fest und setzte zuletzt auf eine Erhöhung von Zöllen.

Bei dem Staatsbesuch verkauften die USA Indien zudem Indien Rüstungsgüter im Wert von drei Milliarden Dollar. Das Geschäft umfasst unter anderem 24 Seahawk-Hubschrauber, Hellfire-Raketen und eine Option auf sechs Apache-Kampfhubschrauber.

Seit Wochen gibt es in Indien wegen des umstrittenen Gesetzes Proteste gegen Modis hindunationalistische Regierung. Dabei kamen mehr als 25 Menschen ums Leben. Muslime sind Indiens größte religiöse Minderheit, sie machen rund 14 Prozent der indischen Bevölkerung aus, rund 80 Prozent sind Hindus. Das Gesetz erleichtert vielen illegal eingereisten Migranten aus drei mehrheitlich muslimischen Nachbarländern die Einbürgerung - sofern sie keine Muslime sind.

Quelle: ntv.de, ibu/dpa