Politik

Befreite Zonen in Syrien unter Schutz? Rebellen stürmen Militärgebäude

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Rauchwolken hängen über dem Zentrum von Damaskus - Screenshot aus einem Youtube-Video.

(Foto: Screenshot n-tv.de)

Den syrischen Rebellen gelingt ein Schlag ins Machtzentrum des syrischen Regimes. Bei zwei Explosionen werden streng bewachte Gebäude des Militärs in Damaskus beschädigt. Im Generalstabsgebäude kommt es zu heftigen Kämpfen. Die Opferbilanz ist vage.

Rebellen und Armee in Syrien haben sich nach Oppositionsangaben im Gebäude des Generalstabs in Damaskus die heftigsten Kämpfe seit Beginn des Konflikts geliefert. Nach zwei von Rebellen verübten Bombenanschlägen habe es bei den Gefechten Tote auf beiden Seiten gegeben, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. Die Armee erklärte dagegen, alle Militärkommandeure seien "wohlauf".

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Reste der Autobombe, die vor dem Gelände explodierte.

(Foto: REUTERS)

"Mit dem Ausland verbundene terroristische Gruppen" hätten eine Autobombe und einen weiteren Sprengsatz nahe des Generalstabsgebäudes zur Explosion gebracht", erklärte die Armee. Nach den Anschlägen habe es "wahllose" Schüsse in der Umgebung des Generalstabsgebäudes und den umliegenden Straßen gegeben, "um die Zivilisten zu terrorisieren".

Informationsminister Omran al-Sohbi sagte, es habe bei den Bombenanschlägen nur Sachschäden gegeben. Sicherheitskräfte nahmen der Armee zufolge die Verfolgung der Rebellen auf.

Die bewaffneten Aufständischen der Freien Syrischen Armee bekannten sich auf der Facebook-Seite des Militärrats der Rebellen zu den Anschlägen. Laut dem Chef der Beobachtungsstelle, Rami Abdel Rahman, waren die Kämpfe im Generalstabsgebäude die heftigsten seit Beginn des Aufstands in Syrien im März 2011.

Angriff auf regierungsnahen Sender

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Maya Nasser berichtete für den regierungstreuen Sender Press TV.

(Foto: dpa)

Nach Medienberichten tötete ein Heckenschütze in Damaskus einen Reporter des englischsprachigen iranischen Fernsehsenders Press TV. Bei dem Opfer handele es sich um den Reporter Maya Nasser, teilte der Sender auf seiner Internetseite mit. Zudem erlitt demnach der libanesische Bürochef des arabischsprachigen iranischen Fernsehsenders Al-Alam, Hosein Mortada, Schussverletzungen, als er sich zum Sitz des Generalstabs begab. Press TV und Al-Alam werden von der iranischen Führung finanziert, die Syriens Regierung in ihrem Kampf gegen die bewaffneten Aufständischen unterstützt.

Milizionäre töten Zivilisten

Nach Angaben der Beobachtungsstelle für Menschenrechte töteten regierungstreue Milizionäre mindestens 16 Zivilisten in ihren Wohnungen in Damaskus. Die Milizionäre drangen demnach gegen 05.00 Uhr Ortszeit in die Wohnungen im Ortsteil Barseh ein. Unter den Toten seien sechs Frauen und drei Kinder. Barseh ist ein überwiegend von Sunniten bewohntes Viertel im Norden der Hauptstadt. Es gilt als Hochburg der Opposition gegen Präsident Baschar al-Assad, der sich hauptsächlich auf die Minderheit der schiitischen Alawiten stützt.

In der Küstenstadt Banias nahmen Sicherheitskräfte der Beobachtungsstelle zufolge in den vergangenen Tagen fast 70 Menschen fest, darunter 25 Frauen und drei Minderjährige. Die mehrheitlich von Sunniten bewohnte Stadt Banias liegt in der Provinz Tartus, deren Bevölkerung vor allem aus Alawiten besteht.

Hollande: UN sollte befreite Zonen schützen

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Hollande unterstützt den schleichenden Eingriff der UN in den Konflikt.

(Foto: REUTERS)

Der französische Präsident François Hollande sagte während der UN-Generaldebatte in New York, die Vereinten Nationen müssten die von den Rebellen kontrollierten "befreiten Zonen" schützen, damit humanitäre Hilfe die Flüchtlinge erreichen könne. Hollande bekräftigte, dass Frankreich eine von der syrischen Opposition gestellte Übergangsregierung anerkennen werde, sobald diese gebildet sei.

Der Emir von Katar, Scheich Hamad bin Chalifa al-Thani, schlug einen Militäreinsatz der arabischen Staaten vor. Der Syrien-Konflikt habe eine "inakzeptable Phase" erreicht, sagte er bei der UN-Generaldebatte.

Deutschland schuld an Flüchtlings-Elend?

Der Emir von Katar, Scheich Hamad bin Chalifa al-Thani, hatte vor der UN-Vollversammlung ein militärisches Eingreifen der arabischen Staaten in Syrien gefordert. Welche Staaten die Soldaten dafür stellen sollten, ließ er offen. Das Golfemirat Katar hat nur eine sehr kleine Armee.

Der französische Präsident François Hollande plädierte vor der UN-Vollversammlung für einen Regimewechsel in Syrien. "Das alte Regime hat seinen Platz in der Völkerfamilie für immer verloren. Und es wird nie wieder unter uns sein können. Deshalb würde Frankreich eine provisorische Regierung, die ein neues, freies Syrien repräsentiert, sofort anerkennen, wenn sie sich denn bildet." Zudem forderte Hollande Schutzzonen für die Bevölkerung. Die Gegenden im Norden des Landes, die von Rebellen eingenommen worden seien, müssten "umgehend" geschützt werden.

Menschenrechtsorganisationen geben unterdessen Deutschland eine Mitverantwortung am Tod syrischer Flüchtlinge. Auch auf Druck Deutschlands hin schotte Griechenland seine Grenzen ab und zwinge Flüchtlinge damit auf den gefährlichen Seeweg, kritisierten Amnesty International und Pro Asyl. "Wenn Flüchtlinge vor Griechenland ersaufen, ist das auch die Schuld des deutschen Innenministers", sagte Pro-Asyl-Geschäftsführer Günter Burkhardt. Die Politik sei doppelzüngig: Außenminister Guido Westerwelle fordere Solidarität für die Flüchtlinge, während Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich auf abgeschottete EU-Außengrenzen dränge.

Quelle: n-tv.de, dpa/AFP

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