Politik

Siebenmal derselbe Nachname Republikaner nominieren Trumps Familie mit

Sind die Republikaner völlig unter der Kontrolle des US-Präsidenten? Die viertägige Nominierungsveranstaltung für Trump sieht ganz danach aus.

Es ist eine einfache Botschaft zu Beginn des Parteitags der US-Republikaner: "Zusammenhalt kommt durch Erfolg. Erfolg bringt Zusammenhalt", erklärt Donald Trump, der nun auch offiziell nominierte Kandidat, sein Motto. "Wir hatten es geschafft. Aber dann kam die Pest." So fasst der US-Präsident die vergangenen wilden Monate zusammen.

Vor rund einem halben Jahr klang die Vorstellung absurd, dass sich die Welt und die Vereinigten Staaten in der aktuellen Situation wiederfinden würden. Trump hielt im Kongress seine Rede zur Lage der Nation, bei der er sich mit historischen Wirtschaftszahlen brüsten konnte. Hinter ihm stand Nancy Pelosi, die Mehrheitsführerin der Demokraten im Repräsentantenhaus, und riss das ihr zuvor ausgehändigte Manuskript sichtlich aufgebracht in Stücke. Tags darauf stimmte der republikanisch dominierte Senat gegen eine Amtsenthebung Trumps. Der Staatschef polarisierte da ähnlich wie heute, aber eine Wiederwahl wäre keine große Überraschung gewesen.

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Am Flughafen Asheville in North Carolina bejubeln Anhänger den US-Präsidenten.

(Foto: AP)

Die aktuelle Lage sieht ganz anders aus. Corona-Krise, Wirtschaftskrise und eine sichtbare Bürgerrechtsbewegung haben die Erfolgsaussicht des Präsidenten verdüstert. Trump versucht die Flucht nach vorn. In den vier Tagen des Nominierungsparteitages taucht sein Familienname auf den Rednerlisten siebenmal auf. Neben dem Präsidenten sprechen seine Söhne, seine Töchter, seine Frau und seine Schwiegertochter. Dazu kommen Mitarbeiter im Weißen Haus, auch Trumps persönlicher Anwalt Rudolph Giuliani und sogar die Freundin seines Sohnes Donald Trump jr.

Nominierungsparteitage sind ein relativ verlässliches Instrument, um zusätzliche Anhänger zu animieren, ihre Stimme abzugeben. Seit 2004 legten die Parteien nach ihren Nominierungen im Schnitt jeweils um zwei Prozentpunkte in Umfragen zu. Eigentlich war North Carolina als alleiniger Veranstaltungsort für alle vier Tage ausgewählt, doch der Bundesstaat wehrte sich wegen des Coronavirus dagegen, in die Halle in Charlotte wie sonst immer Publikum zu lassen. Daraufhin wollten die Republikaner nach Florida ausweichen, doch auch dieser Plan zerschlug sich. Also springen sie nun vor allem live zwischen verschiedenen Orten hin und her. So wollen sie sich abgrenzen von den Demokraten, die vergangene Woche viele vorproduzierte Videos verwendet hatten.

Politik ist Geschäft ist Familie

Vor vier Jahren gewann Trump auch deshalb, weil viele Wähler zu Hause geblieben waren, die normalerweise Demokraten wählen. Es deutet einiges darauf hin, dass diesmal wesentlich mehr demokratische Wähler teilnehmen werden. Viele davon per Post, die deshalb auch ein Angriffsziel von Trump geworden ist. Etwa 80 Millionen Briefwähler werden erwartet. Ein erfolgreicher Parteitag ist für ihn umso wichtiger, weil er landesweite Aufmerksamkeit erzeugt.

Die Demokraten fürchten, der zu Trump loyale Postchef werde die Zustellung verzögern und damit das Wahlergebnis verfälschen. Bei seiner Rede zum Auftakt drehte Trump den Spieß um und sagte, die Demokraten benutzten die Post, um ihn zu beschädigen. Sie wollten die Wahl "stehlen".

Während es nicht ungewöhnlich ist, dass US-Politiker ihre Angehörigen einbeziehen, um Wähler zu werben und sich als vertrauenswürdig und empathisch darzustellen, ist es beim Trump-Clan etwas anders gelagert. Der Präsident hat von Anfang an Familienmitglieder ins Weiße Haus geholt und ihnen Rollen zugewiesen. Da wäre etwa Schwiegersohn Jared Kushner, der sich unter anderem in der Nahostpolitik engagiert. Oder seine Tochter Ivanka, die etwa dafür gesorgt haben soll, dass Trump im April 2018, nach dem Giftgaseinsatz im syrischen Duma den Vergeltungsraketenangriff anwies. Doch von allen Kindern habe sein Sohn Donald Trump jr. inzwischen "die stärksten Verbindungen in die Politik, zu Wählern und das Online-Desinformationsökosystem", erklärt die "New York Times". Sie bezieht sich auf Quellen aus dem Weißen Haus und dem medialen Trump-Multiversum.

Politik, Geschäft und Familie sind bei den Trumps mitunter schwierig zu trennen. Seine Angehörigen haben schon immer signifikanten Einfluss auf die Entscheidungen des Staatschefs, weil der ihnen vertraut. Insofern ist es nur logisch, dass der Parteitag eine pure Trump-Show ist.

Wiederwahlargument derzeit schwach

Das Wiederwahlargument Trumps, das auch die breite Partei und womöglich die Mehrheit der Bevölkerung überzeugen könnte, wäre die Wirtschaft gewesen. Doch die Zahlen sind derzeit desaströs und vier Fünftel der registrierten Wähler sagten zuletzt, die wirtschaftliche Lage sei für ihre Entscheidung am 3. November sehr wichtig. Alles andere wäre nach dem schwersten US-Wirtschaftseinbruch der Moderne auch eine Überraschung. Es folgen Gesundheitspolitik, die nächsten Nominierungen für Richterposten am Supreme Court sowie das Coronavirus.

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Die Delegierten votierten einstimmig für Trump.

(Foto: AP)

Eine entfernt vergleichbare Situation ist schon lange her. Im Jahr 1932 verlor der Republikaner Herbert Hoover vor dem Hintergrund der Großen Depression erdrutschartig gegen den Demokraten Franklin D. Roosevelt, als der Amtsinhaber nur 6 von 48 Bundesstaaten gewann. Roosevelt legte danach die Sozialprogramme auf, die noch heute die Basis staatlicher Hilfestellungen bilden und "New Deal" genannt werden. Die Herausforderungen sind heute angesichts von Massenarbeitslosigkeit, sozialen Härten und Klimaerwärmung ähnlich groß. Ein ähnlicher Triumph des Demokraten Joe Biden ist jedoch kaum vorstellbar.

Damals gab es keinen TV-Wahlkampf und keine sozialen Netzwerke, politischer Diskurs fand anders statt. Nun, fast neun Jahrzehnte später, halten die Organisatoren Trump selbst für besonders effektvoll. Deshalb soll er jeden Abend auftreten; nicht nur als Höhepunkt am Ende, wie auf vergangenen Parteitagen üblich. Trump wolle sich gegen die Vorwürfe der Demokraten wehren, insbesondere in Bezug auf seinen Umgang mit der Corona-Krise, berichteten US-Medien.

Sonst verlässt Trump sich auf Live-Veranstaltungen, auf volle Hallen, auf seine Improvisation während des Auftritts. Nun müssen er und die Republikaner eine virtuelle Dynamik präsentieren. Dabei helfen zwei Fernsehproduzenten aus "The Apprentice", der TV-Show, die Trump landesweit zum Star machte. Sie kamen wohl gemeinsam zum Schluss: Die besten Wiederwahlchancen hat der Präsident, wenn der selbst als erfahrener Entertainer so häufig wie möglich auftritt. Die Republikaner als Partei sind im Vergleich zu früheren Veranstaltungen wenig vertreten. Alles auf Trump also.

Quelle: ntv.de