Dutzende Gefangene fliehenRevolte in Haiti
Gegner von Präsident Jean-Betrand Aristide haben in Haiti eine Revolte angezettelt. Sie stürmten ein Gefängnis und befreiten rund 160 Häftlinge, darunter ihren Anführer Amiot Métayer.
Gegner von Präsident Jean-Betrand Aristide haben in Haiti ein Gefängnis gestürmt und ihren dort einsitzenden Anführer befreit. Nach Medienberichten durchbrachen die bewaffneten Männer mit einem Traktor die Gefängnismauer der Haftanstalt von Gonaïves rund 160 Kilometer nordwestlich der Hauptstadt Port-au-Prince und verhalfen dem dort inhaftierten Chef der so genannten Volksorganisationen (OP), Amiot Métayer, zur Flucht.
In dem Chaos seien rund 160 andere Häftlinge entkommen, sagte der Gefängnisdirektor Clifford Larose. Ein Gefangener kam durch eine Kugel ums Leben. Unklar war, wer geschossen hatte. Verschiedene öffentliche Gebäude wurden in Brand gesetzt. Bislang konnte kein einziger der Ausbrecher gefasst werden. Anhänger Métayers zogen demonstrierend durch die Straßen Gonaives. Die Regierung schickte Polizeikontingente in die Stadt.
Métayer war als mutmaßlicher Drahtzieher einer Brandstiftung in einem der Elendsquartiere von Gonaïves verhaftet worden. Seine Anhänger rechtfertigten den Sturm auf das Gefängnis mit Gerüchten, denen zufolge Métayer nach Port-au-Prince verlegt werden sollte. Die von Métayer geführten Volksorganisationen sind eigentlich eine linksextreme Unterstützergruppe des früheren Befreiungstheologen Aristide. Métayer soll für Ausschreitungen gegen die bürgerliche Opposition im Dezember vorigen Jahres verantwortlich sein, Aktionen, die von Aristide missbilligt wurden. In einem Brief vom Donnerstag warf Métayer Aristide Verrat vor.
Aristide war Ende 2000 zum zweiten Mal zum Präsidenten gewählt worden, nachdem er das höchste Staatsamt schon einmal von 1991 bis 1996 innegehabt hatte. Von jener ersten Amtszeit musste er aber nach einem Militärputsch drei Jahre im Exil verbringen. Erst der Einmarsch der US-Armee im Herbst 1994 ermöglichte ihm die Rückkehr. Im April 1994 hatten Handlanger des Militärregimes in Gonaïves ein Massaker unter Aristide-Anhängern verübt. Der zu lebenslanger Haft verurteilte damalige Haupttäter, der im selben Gefängnis wie Métayer saß, konnte ebenfalls fliehen.