Politik

Fast 50 Tote bei Anschlag Revolutionsgarde droht mit Rache

Die iranischen Revolutionsgarden drohen nach dem schweren Anschlag mit fast 50 Toten mit Rache. Die Antwort werde "hart und zerstörerisch" sein, erklären sie den Rebellen der Dschundallah-Gruppe, die sich zu dem Angriff bekannt haben. Der Iran beschuldigt zudem die USA und Pakistan, ihre Finger im Spiel zu haben.

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Das iranische Fernsehen zeigte Bilder von den Verletzten.

(Foto: AP)

Nach dem Selbstmordanschlag auf die iranischen Revolutionsgarden hat die Elitetruppe der sunnitischen Rebellengruppe Dschundallah mit scharfen Konsequenzen gedroht. Die Antwort der Revolutionsgarden werde "hart und zerstörerisch" sein, sagte deren Chef Mohammed Pakpur laut der Nachrichtenagentur Fars. Damit solle erreicht werden, dass "diese Gruppe nie mehr in der Lage ist, noch so eine Aktion in diesem Land zu verwirklichen".

Bei dem Anschlag in der Stadt Pischin in der Provinz Sistan-Balutschistan im Südosten des Landes kamen nach neuen Angaben 49 Menschen ums Leben, darunter mehrere ranghohe Kommandeure. Dutzende Menschen wurden verletzt.

Iranischen Medienberichten zufolge waren unter den Toten der Vize-Kommandeur der Landstreitkräfte der Revolutionsgarden, General Nur Ali Schuschtari, und der Kommandeur der Revolutionsgarden in Sistan-Balutschistan, General Mohammed Sadeh. Die einflussreiche Elite-Einheit steht entschlossen hinter dem geistigen Oberhaupt Ali Chamenei. Die Dschundallah-Rebellen hatten sich nach Angaben der iranischen Justiz zu dem Attentat bekannt. Sie kämpfen nach eigenen Angaben für die Rechte ihrer Minderheit im überwiegend schiitischen Iran. Das Regime beschuldigte aber auch die USA und Großbritannien, für die Tat verantwortlich gemacht wurden.

Die Revolutionsgarde besteht aus Elite-Einheiten, die mit eigenem Heer, Luftwaffe und Marine eine Art Parallel-Armee bilden. Ihre Aufgabe ist es, die Prinzipien der Islamischen Revolution zu verteidigen. Sie sind direkt dem geistigen Oberhaupt Ayatollah Ali Khamenei unterstellt.

Ahmadinedschad droht

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Der Vize-Kommandeur der Landstreitkräfte der Revolutionsgarden, General Nur Ali Schuschtari, ist auch unter den Toten.

(Foto: dpa)

Präsident Mahmud Ahmadinedschad kündigte eine rasche Aufklärung und Bestrafung der Drahtzieher an. Gegen die Verantwortlichen werde konsequent vorgegangen, zitierte die amtliche Nachrichtenagentur Irna den Präsidenten. Die Armee drohte den USA und Großbritannien mit Vergeltung, die nicht lange auf sich warten lassen werde.

Das iranische Außenministerium bestellte den Geschäftsträger der pakistanischen Botschaft in Teheran ein. Wie die Nachrichtenagentur Isna meldete, wollte der Iran dagegen protestieren, dass das pakistanische Territorium von "Terroristen und Rebellen" genutzt werde. Die Dschundallah-Rebellen sollen im benachbarten Pakistan ihre Rückzugsgebiete haben. Die Provinz Sistan-Balutschistan liegt an der Grenze zu Afghanistan und Pakistan.

Umkämpftes Grenzgebiet

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Mitglieder der iranischen Revolutionären Garde bei einer Parade im Jahr 2008.

(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Der Anschlag ereignete sich in der an Pakistan und Afghanistan grenzenden Provinz Sistan-Balutschistan, wie der Staatsrundfunk IRIB berichtete. In der Region kommt es immer wieder zu Auseinandersetzungen der Sicherheitskräfte mit sunnitischen Aufständischen. Laut dem Staatsrundfunk sprengte sich der Attentäter vor dem Eingang einer Versammlungshalle in der Stadt Sarbas in die Luft. Die getöteten Kommandeure seien auf dem Weg zu einem Treffen von Stammesältesten gewesen, meldete Irna. Die in den vergangenen Jahren immer mächtiger gewordene Revolutionsgarde verteidigt mit eigenen Streitkräften die Prinzipien der Islamischen Revolution von 1979.

Die sunnitische Gruppe Dschundollah (Gottes Soldaten) habe sich zu der Tat bekannt, meldete der Sender Press TV. Die Revolutionsgarde selbst machte "ausländische Kräfte" mit Verbindungen zu den USA für die Tat verantwortlich. Die Regierung in Teheran wirft den USA vor, Dschundollah zu unterstützen, um den Iran zu destabilisieren.

USA weisen Vorwürfe zurück

Das US-Außenministerium verurteilte den Anschlag und wies Berichte über eine angebliche Verwicklung der USA als "völlig falsch" zurück. Im iranischen Staatsfernsehen wurde auch der britischen Regierung vorgeworfen, direkt in den jüngsten Anschlag verwickelt zu sein.

Dschundollah hatte sich auch zu einem Bombenanschlag auf eine schiitische Moschee bekannt, bei der im Mai 25 Menschen starben. Einige Experten bringen die Gruppe mit den Taliban in Pakistan in Verbindung. Im überwiegend schiitischen Iran wird aber auch ein Bündnis von Dschundollah mit den sunnitischen Islamisten von Al-Kaida gesehen.

Die meisten Menschen in der Provinz Sitan-Balutschistan sind Sunniten und gehören der Volksgruppe der Balutschen an - wie auch die Mitglieder von Dschundollah. Die Regierung in Teheran weist Vorwürfe westlicher Menschenrechtsgruppen zurück, religiöse und ethnische Minderheiten wie die Balutschen zu unterdrücken.

Quelle: n-tv.de, AFP/rts

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