Politik

Eurokrise vor Deutschlandspiel lösen Rom lädt zum Vierer-Gipfel

Sie sind die vier größten Volkswirtschaften im Euroland: Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien. Madrid braucht bereits Hilfen für seine angeschlagenen Banken, Italien wackelt, dazu das Drama mit den Griechen. Krise überall: viel Gesprächsstoff für einen Vierer-Gipfel, der pünklich zum Anpfiff heute Abend beendet sein muss.

Eine Woche vor dem EU-Gipfel wollen die Spitzen der vier größten Volkswirtschaften der Eurozone heute Nachmittag Lösungsversuche für die Schuldenkrise und für die Rettung Griechenlands erörtern. Italiens Regierungschef Mario Monti hat Bundeskanzlerin Angela Merkel, den französischen Staatspräsidenten François Hollande und den spanischen Regierungschef Mariano Rajoy zu einem Vierer-Gipfel nach Rom eingeladen.

DI30403_20120621.jpg5433218777765517870.jpg

Merkel will pünktlich zum Anpfiff in Danzig sein.

(Foto: dapd)

Bei dem Treffen stehen gemeinsame Strategien gegen die Euro-Schuldenkrise im Vordergrund: Die führenden europäischen Länder hatten auf dem G20-Gipfel in dieser Woche in Mexiko zugesagt, "alle notwendigen Maßnahmen" im Kampf gegen die Krise zu ergreifen. Mögliche Maßnahmen würden wahrscheinlich dann beim EU-Gipfel in Brüssel enthüllt, erklärten italienische Regierungskreise. Die deutsche Opposition erwartet, dass in Rom auch über die Einführung einer Finanzmarkttransaktionsteuer gesprochen wird.

Monti könnte eine Vermittlerrolle zwischen Berlin und Paris zukommen. Vor allem in Sachen Eurobonds gehen die Meinungen zwischen Merkel und Hollande auseinander. Während die Kanzlerin diese gemeinsamen Anleihen der Euro-Länder strikt ablehnt, bringt der französische Präsident sie immer wieder ins Spiel. Diskutiert werden dürfte in Rom auch über Montis Forderung nach Unterstützung an den Anleihemärkten.

Monti: Italien braucht keine Hilfe

In der "Süddeutschen Zeitung" hatte sich Monti für eine rasche europäische Integration ausgesprochen. Diese sei nötig, um heil aus der Krise zu kommen. Des Weiteren sei eine größere Vereinheitlichung des europäischen Bankensystems nötig "mit einer Erweiterung einer gemeinsamen Aufsicht".

Anhaltende Spekulationen, dass auch Italien bald internationale Hilfe in Anspruch nehmen müsse, wies er erneut zurück. "Italien wird auch künftig keine Hilfen nötig haben. Und wenn es um Hilfe bitten müsste, dann hieße das, dass ein Fehler im System liegt", sagte Monti.

Merkel will noch Fußball gucken

Das Treffen in Rom wurde auf Wunsch der Bundeskanzlerin um mehrere Stunden vorgezogen, da Merkel am Abend bei der EM-Viertelfinalbegegnung der deutschen Mannschaft gegen Griechenland in Danzig dabei sein wollte. Am Samstag will die Kanzlerin SPD und Grüne in einer Telefonkonferenz über die Ergebnisse des Vierergipfels informieren.

Quelle: ntv.de, dpa