Politik

Erneuter Beschuss durch Ukraine Russland muss wichtige Brücke nach Cherson schließen

eb49fa0de2da746716b382c3058f8612.jpg

Spuren ukrainischer Angriffe - die Antoniwkabrücke ist mittlerweile gesperrt.

(Foto: IMAGO/ITAR-TASS)

Artikel anhören
Diese Audioversion wurde mit Sprachproben unserer Moderatoren künstlich generiert.
Wir freuen uns über Ihr Feedback zu diesem Angebot.

Die Rückeroberung der besetzten Großstadt Cherson ist ausgegebenes Ziel der Ukraine. Zuletzt werden wichtige Brücken rund um die Stadt zum Ziel von Angriffen mit westlichen HIMARS-Raketen. Auch kleinere Geländegewinne meldet die Ukraine.

Bereits vor Tagen kündigte die Ukraine an, in der Region Cherson in die Gegenoffensive gehen zu wollen. Nun meldet das ukrainische Militär weitere kleine Erfolge. Auch eine für Russlands Nachschub wichtige Brücke gerät erneut unter Beschuss. Es zeichnet sich ein gezieltes Vorgehen der Ukrainer ab, um die Versorgungslinien der russischen Kräfte zu stören.

305340455.jpg

Die Antoniwkabrücke vor einigen Tagen - sie ist eine wichtige Route über den breiten Fluss Dnipro.

(Foto: picture alliance/dpa/TASS)

Laut dem ukrainischen Militär wurde im Gebiet Cherson die kleine Ortschaft Andrijiwka vollständig erobert. "Andrijiwka ist befreit und endgültig von den russischen Okkupationstruppen gesäubert", sagte der Sprecher der Kommandozentrale "Süd" der ukrainischen Truppen, Wladyslaw Nasarow, am Dienstagabend in einer Videobotschaft. Die ukrainischen Kräfte haben nach Angaben Nasarows vor einigen Tagen ebenfalls die Nachbarortschaft Losowe erobert. Unabhängig sind die Angaben nicht zu überprüfen.

Hauptsächlich werden die Gefechte aber nach wie vor mittels Artillerieangriffen auf Nachschublinien geführt. So berichtete die von Moskau eingesetzte Militärverwaltung im Gebiet Cherson über den erneuten Beschuss der 1,4 Kilometer langen Antoniwka-Autobrücke über den Fluss Dnipro (russ.: Dnepr). Die Brücke nahe der Gebietshauptstadt Cherson sei weiter intakt, teilte ein Sprecher der Verwaltung in der Nacht zum Mittwoch zunächst mit. Später räumte er ein, dass die Brücke beschädigt und für den Verkehr geschlossen worden sei.

Experte sieht gezieltes Vorgehen der Ukrainer

Bereits vor rund einer Woche gab es Berichte über Angriffe auf die Antoniwkabrücke mit von den USA an die Ukraine gelieferten Raketen des Systems HIMARS. Diesen wird eine hohe Präzision nachgesagt. Dass die Ukrainer die Brücken bisher offenbar nur beschädigen, aber nicht zerstören, lässt laut Oberst a.D. Ralph Thiele "auf Absicht schließen", wie er im Gespräch mit ntv sagte. Dahinter stehe die Idee, "den logistischen Verkehr der Russen zu regulieren, aber weiter zuzulassen". Ziel könnte sein, immer dann zuzuschlagen, wenn Russland Truppen über die Brücke bewege.

Neben der Antoniwka-Autobrücke gibt es bei Cherson noch eine Eisenbahnbrücke über den Dnipro. Die Brücken sind für Russland strategisch wichtig, da der Fluss mit schwerem Gerät anders kaum zu überqueren ist. Vordringlichstes Ziel des ukrainischen Militärs ist es, die russischen Besatzungstruppen wieder auf die Linie hinter den Dnipro zurückzudrängen. Dazu versuchen sie unter anderem mithilfe der von den USA gelieferten Raketenwerfer HIMARS, die Nachschublinien auszuschalten.

Zudem gab es Berichte, dass eine weitere nahe Cherson gelegene Brücke bereits durch ukrainische Angriffe beschädigt wurde. Sie führt nordöstlich der Stadt über den Fluss Inhulez, der in den Dnipro mündet. Die von Russland eingesetzte Gegenverwaltung hatte am Wochenende erklärt, die dortige Dariwka-Brücke sei von sieben HIMARS-Raketen getroffen worden, sei aber noch immer intakt. Das US-amerikanische Institut für Kriegsstudien (ISW) hingegen berichtete unter Verweis auf ukrainische Quellen, dass russische Kräfte eine Ersatzbrücke aus Pontons errichtet hätten, um den Verkehr über den Inhulez wieder aufnehmen zu können.

Seit Wochen kleinere Geländegewinne

Mehr zum Thema

Die ukrainische Armee hatte bereits in den vergangenen Wochen Boden in der südukrainischen Region Cherson gutgemacht. Russische Truppen hatten die Hauptstadt gleichen Namens bereits kurz nach Beginn der Invasion am 3. März erobert. Die Region ist wichtig für die Landwirtschaft der Ukraine und liegt nahe der Krim-Halbinsel, die Russland 2014 annektiert hatte.

Während es im Süden Hinweise auf Fortschritte für die Ukraine gibt, bleibt die Lage im Donbass schwierig. Dort erzielte die russische Söldner-Gruppe Wagner nach Informationen des britischen Geheimdienstes zuletzt wahrscheinlich taktische Geländegewinne. Die Söldner seien in der Umgebung des Kraftwerkes Wuhlehirska und beim dort in der Nähe liegenden Dorf Nowoluhanske vorgerückt, teilt das britische Verteidigungsministerium auf Twitter mit. Es zitiert aus dem aktuellen Bericht des militärischen Geheimdienstes. Danach haben sich einige ukrainische Truppen in der Gegend vermutlich zurückgezogen. Medien der aufseiten von Russland kämpfenden Donezker Separatisten hatten bereits die Eroberung des größten Kohlekraftwerks der Ukraine gemeldet.

Quelle: ntv.de, kst/dpa/AFP/rts

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen