Politik

"Bürgerkönig" Ude bei Klamroth SPD-Kanzler per Verfassung nicht verboten

Im Stammland der CSU hält SPD-Politiker Christian Ude 21 Jahre lang die Stellung als Oberbürgermeister von München. Bei "Klamroths Konter" erklärt er, wieso es Alternativen braucht, woran es Martin Schulz fehlt und wieso er selbst kein Wutbürger ist.

Wer Alternative hört, denkt AfD: Christian Ude findet das skandalös. Den Anspruch auf eine Alternative dürfe man auf keinen Fall den Rechten überlassen, sagt der SPD-Politiker bei "Klamroths Konter" (heute 23:30 Uhr bei n-tv). Ein Gegenmodell zur Großen Koalition müsse jedoch unbedingt her - deswegen scheut Ude in seinem Buch "Die Alternative oder: Macht endlich Politik" auch nicht davor zurück, dem politischen Establishment die Leviten zu lesen. Und nebenbei den ein oder anderen Parteigenossen zu verärgern.

Louis mit Logo2.JPG

Von seinem Image als Wutbürger will der "Bürgerkönig der SPD" aber nichts wissen. Im Gegenteil: "Ich kritisiere die Wutbürger, die in rechtspolitischen Versprechungen eine Lösung suchen, die es dort nie geben wird und ich kritisiere auch Bürger, die sich der Stimme enthalten", erklärt Ude. Wenn er sich also in seinem Buch seitenweise über die sogenannten "Freunde der offenen Grenzen" auskotzt, wen meint er da? Özdemir, Merkel und Stegner, fragt Klamroth. Ude lacht und antwortet: "Ich bitte Sie, die Kanzlerin, die war mal kurz die Mutter Theresa der Flüchtlinge, aber sie ist heute die Kanzlerin der Abschiebungspraxis".

"Klamroths Konter"

Louis Klamroth, 27, studierte Politologie in Amsterdam und London. In einem früheren Leben war er Hauptdarsteller des Films "Das Wunder von Bern". Die probono Fernsehproduktion präsentiert seine wachen, beherzten Interviews in Zusammenarbeit mit n-tv.de.

Aufgezeichnet wird die Sendung in der imponierenden Schaltzentrale des Heizkraftwerkes Berlin, das bis 1997 die "Hauptstadt der DDR" mit Energie und Wärme versorgte. Heute birgt der Koloss an der Köpenicker Straße den legendären Club "Tresor".

Zum Lachen bringt Ude im Gespräch mit Klamroth auch die Frage nach den "Gutmenschen": Er habe ja schließlich jahrzehntelang mit eben dem Etikett leben müssen - nämlich in den 21 Jahren als SPD-Mann im Stammesland der CSU. Und das sei ja eigentlich auch insgesamt gutgegangen. Aber: "Wenn jemand glaubt, er müsse sich selber moralisch adeln, weil er Ansichten vertritt, die er so gar nicht ernsthaft meint, dann ist es mir zu billig." Er wolle politische Antworten und keinen moralischen Dünkel, so der langjährige Oberbürgermeister von München.

Ist Merkels 'Wir schaffen das' also ein richtiger Satz gewesen? "Der Satz, dass man es schaffen wird, ist gut" – kurz vor der Bundestagswahlkampf kein selbstverständlicher Satz aus dem Munde eines SPD-Politikers. Einen Kritikpunkt hat Ude dann aber doch: Merkel habe mit dem "wir" die Bundesrepublik gemeint, nicht die Europäische Union. "Damit hat sie 27 Länder aus der Mithaftung entlassen."

Heißt die Lösung also Martin Schulz? Auf die Frage, ob der "Schulz Hype" ihn verwundert habe, sagt Ude: "Also ich war positiv sehr angetan, dass es eine emotionelle Welle gab, die junge Leute wieder in die Parteien bringt." Aber es fehle eben auch bei Schulz an politischen Konzepten, über die alternativ diskutiert werden könne. "Es war mir ein bisschen viel Personenkult – oder zeitweise nur noch Personenkult."

Außerdem, so Ude, habe die SPD tatsächlich auch ein strategisches Problem, was die Kritik an den Zuständen Im Lande und der aktuellen Politik angeht. "Eine Partei, die in den letzten zwei Jahrzehnten 15 Jahre an der Regierung war, die kann nicht sagen 'in diesem Land geht es so entsetzlich ungerecht zu, dass man deswegen uns wählen muss.'"

Und warum hört die SPD-Spitze nicht auf ihn? Vielleicht tue sie ja genau das noch, frohlockt Ude und stellt fest: "Die Elendsbeschreibungen werden zum Glück weniger." Und was ist wahrscheinlicher? Ein SPD-Kanzler oder der Wiederaufstieg von 1860 München in die Fußball-Bundesliga? Nun, meint Ude schmunzelnd, beides sei ja zumindest per Verfassung nicht ausgeschlossen.

Quelle: ntv.de, jgu