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Radikal-Islamisten im Visier Polizei nimmt Tatverdächtige fest

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Bei der Durchsuchung einer Wohnung im Zusammenhang mit einer Festnahme.

dpa

Noch ist unklar, ob es eine gefährliche Bombe war, die im Bonner Hauptbahnhof entdeckt wurde. Aber Indizien dafür verdichten sich. Behörden gehen wohl von zwei Tätern aus. Offiziell aber schweigen sie. Inoffiziell sind beide bereits festgenommen und werden verhört.

Nach dem Bombenalarm im Bonner Hauptbahnhof hat die Polizei zwei Verdächtige festgenommen. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft würden beide Männer zur Stunde im Kölner Polizeipräsidium verhört und intensiv überprüft. Die Polizei spricht offiziell weiter nur von einem Verdächtigen und will sich auch nicht zum Stand der Ermittlungen äußern.

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Omar D. wollte bereits 2008 in den "Heiligen Krieg" ziehen.

(Foto: dapd)

Zuvor war bereits von der Festnahme eines gebürtigen Som aliers berichtet worden. Bei dem Mann handele es sich offenbar um den Salafisten Omar D., der bereits 2008 auf dem Flughafen Köln/Bonn unter dem Verdacht festgenommen worden war, in den sogenannten Heiligen Krieg ziehen zu wollen.

Nach Angaben der Kölner Polizei ist weiter unklar, ob die auf dem Bonner Hauptbahnhof abgestellte Tasche eine zündfähige Bombe enthielt. "Spiegel Online" berichtete, in dem Gepäckstück hätten sich Butangas, Ammoniumnitrat, ein Metallrohr sowie ein Wecker und Batterien befunden. Ammoniumnitrat ist in Dünger enthalten und wird zur Herstellung von Sprengstoff verwendet. Die Bundesanwaltschaft, die bei Terrorismus zuständig ist, zog den Fall jedoch zunächst nicht an sich. Sie stehe in engem Kontakt zu den Behörden vor Ort, sagte ein Sprecher lediglich.

Omar D.s Anwalt Mutlu Günal bestätigte die Festnahme seines Mandanten, machte zum Tatvorwurf jedoch keine Angaben. Die Staatsanwaltschaft Bonn und die Kölner Polizei wollten nichts kommentieren. "Wir ermitteln landesweit in alle Richtungen und wollen uns nicht einseitig festlegen", betonte ein Sprecher der Kölner Polizei. Den Namen des zweiten Verdächtigen gaben Medien mit Abdifatah W. an. Beide sollen miteinander befreundet sein.

Der Tipp kam von einem 14-jährigen Schüler, der den Ermittlern von einem dunkelhäutigen Mann berichtete, der die Tasche abgestellt habe. Der Schüler habe den möglichen "Ableger" der Tasche als 30 bis 35 Jahre alt und etwa 190 Zentimeter groß beschrieben.

Die "Bild"-Zeitung hatte berichtet, die Polizei gehe von einer Bombe aus und fahnde nach zwei mutmaßlichen Salafisten. Die Männer seien dringend verdächtig, die Tasche am Montag auf dem Bahnhof deponiert zu haben.

Schlag gegen die Salafisten-Szene

Der Salafismus

Die Bewegung beruft sich auf eine reaktionäre Auslegung des Islams und gilt als die am schnellsten wachsende Strömung in der islamistischen Szene. Für junge Muslime oder Konvertiten ist der Salafismus häufig eine Zwischenstation auf dem Weg in den Dschihad. In Deutschland werden bis zu 4000 Menschen dem Umfeld der Salafisten zugerechnet. Die Sicherheitsbehörden zählen rund 25 von ihnen, die bereits eine Ausbildung in Camps absolviert haben, zu den sogenannten Gefährdern, denen man einen Anschlag zutraut.

Nordrhein-Westfalen verfügt über eine aktive Salafisten-Szene. Im Frühjahr sorgten zwei Salafisten in Bonn mit einer Messer-Attacke auf Polizisten am Rande einer Demonstration für Aufsehen. Zwei Beamte wurden dabei schwer verletzt. Zudem gerieten Salafisten durch die Verteilung kostenloser Korane und wegen des Mordaufrufs gegen Journalisten und Anhänger der rechtsextremen Partei Pro NRW in die Schlagzeilen. Zuletzt erhöhten die Sicherheitsbehörden den Druck auf die gewaltbereite Salafisten-Szene, indem sie im Sommer die Vereinigung Millatu Ibrahim im nordrhein-westfälischen Solingen verbat. Gegen zwei weitere salafistische Gruppen wurden Ermittlungen eingeleitet.

Erinnerungen an Sommer 2006

Im Sommer 2006 hatten zwei Islamisten zwei Kofferbomben auf dem Kölner Hauptbahnhof in Regionalzügen deponiert. Beide Sprengkörper explodierten wegen technischer Mängel nicht, hätten aber nach Aussagen von Experten schwere Schäden anrichten können. Einer der Männer wurde in Deutschland, der andere im Libanon verurteilt.

Im September 2008 hatte die Polizei am Kölner Flughafen zwei aus Somalia stammende Terrorverdächtige kurz vor dem Start ihrer Maschine nach Amsterdam festgenommen. Die beiden Islamisten seien entweder unterwegs in ein Ausbildungslager gewesen oder hätten sich direkt am bewaffneten Kampf in Ostafrika beteiligen wollen, hieß es damals in Sicherheitskreisen. Von Amsterdam aus hätten sie nach Uganda weiterfliegen wollen. Dem nordrhein-westfälischen Landeskriminalamt zufolge hinterließen die Männer Abschiedsbriefe.

Quelle: n-tv.de, ppo/dpa/AFP

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