Politik
Dienstag, 11. September 2012

Zwei Tote, sieben Verletzte: Selbstmordanschlag in Istanbul

In Istanbul sprengt sich ein Selbstmordbomber in die Luft. Ein Polizist stirbt, sieben Menschen werden verletzt. Die "Revolutionäre Volksbefreiungspartei-Front" bekennt sich zu dem Anschlag. Sie gilt als gefährlichste der linksgerichteten Organisationen in der Türkei.

Vor einem Krankenhaus in der Nähe der Polizeistation.
Vor einem Krankenhaus in der Nähe der Polizeistation.(Foto: dpa)

Vor einer Polizeiwache in der türkischen Metropole Istanbul hat sich ein Selbstmord-Attentäter in die Luft gesprengt und einen Polizisten mit in den Tod gerissen. Vier Polizisten und drei Zivilisten wurden verletzt, wie der Istanbuler Polizeichef Hüseyin Capkin sagte.

Die Polizeistation wurde bei der Explosion schwer beschädigt. Offenbar verschütteten herabstürzende Gebäudeteile mehrere Menschen im Inneren der Wache im Stadtteil Sultangazi. Die Polizeiwache befindet sich im Wohngebiet Gazi, das mehrheitlich von Aleviten bewohnt wird. Der Stadtteil Sultangazi liegt im Nordwesten des europäischen Teils von Istanbul.

Laut Augenzeugen war der Selbstmord-Attentäter auf die Polizeistation zugerannt und hatte sich im Eingang in die Luft gesprengt. Die Polizei identifizierte den Attentäter als 25-jährigen Mann, machte aber keine weiteren Angaben zu ihm. Zeugen berichteten zudem von einem zweiten, etwa 35-jährigen Sprengstoff-Attentäter, der seine Bombe nicht gezündet habe, bei dem Anschlag aber schwer verletzt worden sei. Die Polizei bestätigte das nicht.

Die regierungsnahe Zeitung "Sabah" berichtete auf ihrer Internetseite, die Revolutionäre Volksbefreiungspartei-Front (DHKP-C) habe die Verantwortung für den Anschlag übernommen. Die Zeitung "Hürriyet" berichtete, der Attentäter sei als 39-jähriger Mann identifiziert worden. Die Polizei bestätigte die beiden Berichte zunächst nicht.

Die DHKP-C gilt als gefährlichste der linksgerichteten Organisationen in der Türkei. In der EU und den USA steht sie auf der Liste der Terrororganisationen. Ihre Kämpfer rekrutiert die DHKP-C aus den Armenvierteln der Großstädte. Sie lehnt alle demokratischen Institutionen ab und sieht in dem nach ihrer Auffassung "faschistischen" türkischen Staat ihren Hauptgegner. Eine Reihe blutiger Anschläge sollen auf ihr Konto gehen.

Die DHKP-C ging 1994 aus der Devrimci Sol (Revolutionäre Linke) hervor. Ihr früherer Anführer Dursun Karatas wurde 2008 auf dem Friedhof von Sultangazi beerdigt, wenige hundert Meter vom Anschlagsort entfernt.

Quelle: n-tv.de