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Parlaments- und Präsidentenwahl Serbien steht vor Stichwahl

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Stimmabgabe in Belgrad.

dpa

Vor dem Hintergrund von hoher Arbeitslosigkeit und Wirtschaftskrise wählen die Serben einen neuen Präsidenten und ein neues Parlament. Umfragen sehen eine Stichwahl zwischen dem pro-europäischen Amtsinhaber Tadic und seinem nationalistischen Herausforderer Nikolic voraus. Erstmals wird der Wahlkampf nicht vom Balkan-Konflikt bestimmt, sondern von Wirtschaftsthemen.

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Tadic wird wohl die Parlamentswahl gewinnen, muss aber sicherlich in die Stichwahl gehen.

(Foto: dpa)

Serbien hat ein neues Parlament und ein neues Staatsoberhaupt gewählt. Der Andrang zu den Wahllokalen war unerwartet hoch, berichtete die staatliche Wahlkommission. Nach Umfragen wird das bisherige Parteienbündnis unter Führung der Demokraten (DS) des langjährigen Staatschefs Boris Tadic auch wieder die neue Regierung bilden.

Alle Umfragen erwarteten einen Sieg der bisherigen Regierungsparteien unter den Demokraten (DS) des langjährigen Staatspräsidenten Boris Tadic. Auch bei den zeitgleichen Präsidentenwahlen wurde mit einem Zweikampf von Tadic mit dem Oppositionsführer Tomislav Nikolic gerechnet. Weil keiner der Kandidaten die absolute Mehrheit erreichen dürfte, kommt es zwischen diesen beiden Spitzenpolitikern in zwei Wochen zur Stichwahl.

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Tadic hatte im Wahlkampf betont, nur eine von seiner Demokratischen Partei (DS) geführte Regierung könne ausländische Investoren nach Serbien holen und das Land in die EU führen. Bei seiner Stimmabgabe versprach er, alles für die Erhöhung des Lebensstandards in dem Land zu tun. Sein Herausforderer Nikolic sagte bei der Stimmabgabe, Europa sei sein Ziel, "aber nur, wenn Brüssel uns will".

Tadic hatte Anfang April seinen Rücktritt eingereicht und so den Weg für vorgezogene Neuwahlen freigemacht - vermutlich aus wahltaktischen Gründen, um die Chancen der DS bei der Parlamentswahl zu verbessern. Ihm war es in den vergangenen Jahren gelungen, das einst politisch und wirtschaftlich isolierte Serbien auf den Weg zu einem Betritt in die EU zu führen. Seit März hat sein Land den Kandidatenstatus. Dazu beigetragen hatte auch die Ergreifung des wegen Kriegsverbrechen angeklagten bosnisch-serbischen Ex-Generals Ratko Mladic vor einem Jahr.

Drittes Aufeinandertreffen

Tadic, der seit 2004 Staatschef ist, bewirbt sich um eine dritte Amtszeit. Kritiker werfen ihm vor, seine Augen vor der Korruption zu verschließen und aus Gründen des Machterhalts mit Nationalisten zu "flirten". Tadic und Nikolic standen sich bereits bei den Präsidentschaftwahlen 2004 und 2008 in einer Stichwahl gegenüber.

Der einstige Nationalist und heutige Europäer Nikolic führt zum ersten Mal die von ihm neu gegründete Fortschrittspartei (SNS) in eine Parlamentswahl. Die Umfragen sagten der SNS mit rund 30 Prozent zwar einen Wahlsieg voraus. Doch wegen fehlender Koalitionspartner dürfte die bisherige Oppositionspartei keine Regierungsmehrheit schaffen.

Quelle: n-tv.de, dpa/AFP

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