Politik

Designierter Mugabe-Nachfolger Simbabwes "Krokodil" geht zum Angriff über

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Anhänger von Emmerson Mnangagwa, dessen Spitzname "Krokodil" lautet.

(Foto: AP)

Er ist wohl der neue starke Mann in Simbabwe: Emmerson Mnangagwa. Doch kann er das Land zur Demokratie führen? Experten sind skeptisch. Der "Krokodil" genannte Politiker wird mit Wahlfälschung und Gewalt gegen Oppositionelle in Verbindung gebracht.

Jahrelang stand Emmerson Mnangagwa als treuer und skrupelloser Gehilfe an der Seite von Simbabwes Präsident Robert Mugabe. Im Machtkampf um die Nachfolge des greisen Staatschefs hat der 75-Jährige seinen einstigen Ziehvater nun ausgestochen: Nach Mugabes Rücktritt soll der von ihm geschasste Vize-Präsident Mnangagwa als neues Staatsoberhaupt vereidigt werden.

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Emmerson Mnangagwa.

(Foto: AP)

Als Symbol für einen Neubeginn in dem niedergewirtschafteten südafrikanischen Land taugt Mnangagwa allerdings kaum - zu eng war er lange Zeit mit dem Herrschaftssystem Mugabes und der brutalen Unterdrückung der Opposition verflochten. Mnangagwa ist wie sein früherer Mentor Mugabe ein harter Machtpolitiker, seine Skrupellosigkeit hat ihm in Simbabwe den Spitznamen "Ngwena" - das "Krokodil" - eingebracht.

Geboren wurde Mnangagwa 15. September 1942 im Bezirk Zvishavana im Südwesten des damals noch unter britischer Kolonialherrschaft stehenden Rhodesien, einige Jahre später zog er mit seiner Familie in den Nachbarstaat Sambia. Bereits sein Vater war im Widerstand gegen die Kolonialherren organisiert.

Zum Tode verurteilt

Auch der junge Mnangagwa schloss sich 1966 den Unabhängigkeitskämpfern an. Er wurde festgenommen und zunächst zum Tode verurteilt. Wegen seines jungen Alters musste er aber letztlich nur eine zehnjährige Gefängnisstrafe verbüßen.

Als Mugabe das Land 1980 in die Unabhängigkeit führte, machte er den jungen Rechtsreferendar Mnangagwa zu seinem Minister für Nationale Sicherheit. Auf dem Posten verantwortete er 1983 brutale Unterdrückungsmaßnahmen in den Provinzen Matabeleland und Midlands, bei denen rund 20.000 Menschen getötet worden sein sollen. Über die Jahre bekleidete Mnangagwa fast alle wichtigen Posten in Mugabes Kabinett, er war unter anderem Finanz- und Verteidigungsminister.

Seine Beziehung zu seinem Mentor Mugabe war aber nicht immer unbeschwert. 2004 verlor er einen wichtigen Posten in der Regierungspartei Zanu-PF, weil ihm Ambitionen auf die Vizepräsidentschaft nachgesagt wurden. Mugabe machte stattdessen Mnangagwas Rivalin Joice Mujuru zu seiner Stellvertreterin.

Wahlfälschungen veranlasst

Nur vier Jahre später war Mnangagwa auf der politischen Bildfläche zurück: 2008 organisierte er die Präsidentschaftswahl, die Mugabe in der ersten Runde verlor. Mnangagwa veranlasste nicht nur Wahlfälschungen, sondern auch die gewaltsame Verfolgung von Anhängern der Opposition - und sicherte Mugabe damit die Macht.

2014 zettelte Mugabes Frau Grace eine Kampapgne gegen Vizepräsidentin Mujuru an: Sie überzeugte ihren Mann davon, dass er Mujuru nicht länger vertrauen könne und sorgte so für ihre Entlassung. Mnangagwa wurde Vizepräsident.

Seit den Jahren des Unabhängigkeitskampfes unterhält das "Krokodil" Mnangagwa aber auch enge Beziehungen zu Simbabwes Militär, als Wunschnachfolger der Armee für das Präsidentenamt galt der 75-Jährige schon länger.

Der greise Präsident wollte zuletzt aber lieber seine 52-jährige Frau als Nachfolgerin in Stellung bringen. Mit ihr war Mnangagwa mehr als einmal aneinandergeraten. Am 6. November entließ Mugabe seinen Vizepräsidenten, Mnangagwa setzte sich aus Angst um seine Sicherheit ins Ausland ab.

Nur wenige Stunden später stellte das Militär den Präsidenten unter Hausarrest. Die Regierungspartei Zanu-PF setzte Mugabe als ihren Parteichef ab, das Parlament leitete ein Amtsenthebungsverfahren gegen ihn ein. Diesem kam der Staatschef schließlich zuvor und legte am Dienstag sein Amt nieder.

Beobachter sind zurückhaltend

Der neue starke Mann Simbabwes heißt nun Emmerson Mnangagwa: Er hat nicht nur den Rückhalt der Militärführung, sondern ist seit Sonntag auch Vorsitzender der mächtigen Zanu-PF. Auf den Straßen feierten zehntausende Menschen das Ende der Ära Mugabe.

Beobachter sind aber zurückhaltender. Der Wechsel an der Staatsspitze werde Simbabwe "nicht zwangsläufig mehr Demokratie" bringen, sagt Rinaldo Depgane von der Expertengruppe International Crisis Group (ICG). Auch viele Simbabwer sehen ihrem neuen Präsidenten mit großer Skepsis entgegen. "Man will doch nicht einen Diktator durch einen anderen Diktator ersetzen", sagt Oscar Muponda in Harare.

Quelle: n-tv.de, kst/AFP

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