Politik

Weltraum als Kriegsgebiet So neu ist Trumps "Space Force" gar nicht

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Mike Pence im Pentagon: "Die Zeit ist gekommen, um die United States Space Force zu gründen."

AP

US-Präsident Trump stellt die Gründung einer Streitmacht für das All als spontane Eingebung dar. Tatsächlich ist die Idee schon älter. Zudem ist umstritten, ob dieser Schritt organisatorisch sinnvoll ist. Russland jedenfalls geht einen anderen Weg.

Bis 2020 wollen die USA eine neue Teilstreitkraft gründen, die für den Kampf im Weltraum zuständig ist. Diesen Plan, den US-Präsident Donald Trump schon vor ein paar Monaten verkündet hatte, hat Vizepräsident Mike Pence nun konkretisiert.

"Jetzt ist die Zeit gekommen, das nächste große Kapitel in der Geschichte unserer Streitkräfte zu schreiben", sagte Pence. Amerika müsse sich "auf das nächste Schlachtfeld vorbereiten", um dort "eine neue Generation von Bedrohungen gegen unser Volk und unsere Nation" abzuwehren. "Die Zeit ist gekommen, um die United States Space Force zu gründen."

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Start eines Militärsatelliten im Mai 2013 in Cape Canaveral (Archivbild).

(Foto: AP)

Präsident Donald Trump hatte dies bereits im März angekündigt. Bei einem Auftritt auf einem Stützpunkt im kalifornischen San Diego sagte er, seine neue Weltraumstrategie berücksichtige, "dass der Weltraum ein Kriegsgebiet ist, genauso wie Land, Luft und See". Angeblich kam ihm die Idee spontan. "Ich hab das neulich gesagt, weil wir extrem viel Arbeit im Weltraum machen", erzählte Trump vor der Kulisse eines Kampfflugzeugs. "Ich sagte, vielleicht brauchen wir eine neue Teilstreitkraft. Wir nennen sie Space Force. Und ich habe das nicht wirklich ernst gemeint. Dann sagte ich, was für eine tolle Idee. Vielleicht müssen wir das machen. Es könnte passieren."

Ein "Space Command" gibt es seit 1982

Ganz so spontan entstand der Plan vermutlich nicht, und es war schon gar nicht Trump, der ihn erdachte. Im August 2017 sprach sich das Repräsentantenhaus auf eine parteiübergreifende Initiative hin mehrheitlich dafür aus, innerhalb der US-Luftwaffe eine Space Force aufzubauen. Das Besondere an diesem Vorstoß war, dass es darum ging, die Weltraumaktivitäten des Militärs in einer eigenen Teilstreitkraft zu bündeln, die der Armee, der Marine, der Luftwaffe, der Marineinfanterie (den "Marines") sowie der Küstenwache gleichgestellt wäre.

Unterhalb diese Ebene gibt es eine Space Force längst: Bereits 1982 gründete der damalige US-Präsident Ronald Reagan das "Air Force Space Command", das dafür zuständig ist, Satelliten ins All zu schicken und sie für militärische Zwecke und Spionage zu nutzen. Wie der Name schon sagt, ist dieses Weltraumkommando Teil der US-Luftwaffe. Reagan war es übrigens auch, der 1983 die extrem kontroverse und ebenso teure wie erfolglose "Strategic Defense Initiative" startete. SDI wurde seinerzeit zwar "Star Wars" genannt. Mit dem Space Command hatte es jedoch nichts zu tun.

Nach der Jahrtausendwende empfahl eine Kommission unter dem Vorsitz des späteren US-Verteidigungsministers Donald Rumsfeld, den Weltraum militärisch zu erobern. Die Geschichte lehre, dass Kriege in der Luft, auf dem Land und auf hoher See geführt würden, hieß es in dem Bericht, den die vom Kongress und vom Pentagon eingesetzte Kommission im Januar 2001 vorlegte. "Die Wirklichkeit legt nahe, dass der Weltraum hier keine Ausnahme machen wird." Eine Woche später wurde Rumsfeld als neuer Verteidigungsminister unter Präsident George W. Bush vereidigt. Eine seiner ersten Amtshandlungen war die Berufung eines Vier-Sterne-Generals zum Beauftragten für eine künftige Space Force. Dass das Vorhaben nicht verwirklicht wurde, lag hauptsächlich an den Folgen der Terroranschläge vom 11. September 2001, beziehungsweise an den Kriegen in Afghanistan und im Irak. Mit ihnen hatten Rumsfeld und sein Ministerium so viel zu tun, dass der Aufbau einer Weltraumarmee hintangestellt wurde.

Umstritten war das Projekt immer - nicht weil so der Weltraum militarisiert würde; angesichts von hunderten Militärsatelliten ist das längst geschehen. Sondern weil unklar ist, welche Art der Organisation die sinnvollste ist: die Einbettung in die Luftwaffe oder eine autonome Struktur? Dass diese Frage nicht ganz einfach zu beantworten ist, zeigt ein Blick nach Russland. Kurz nach Auflösung der Sowjetunion Anfang der 1990er Jahre wurden dort Weltraumtruppen gegründet, die ein paar Jahre später in die Luftwaffe integriert wurden. Ab 2001 waren die Militär-Kosmonauten wieder eigenständig, bis sie 2015 mit der russischen Luftwaffe zu den "Luft und Weltraumstreitkräften" vereinigt wurden.

"Space Force all the way!"

Auch im Pentagon dominierte bislang die Ansicht, dass die militärischen Weltraumaktivitäten unter dem Dach der Luftwaffe stattfinden sollten. Heather Wilson, die für die Luftwaffe zuständige Staatssekretärin im US-Verteidigungsministerium, sagte vor einem Jahr, das Pentagon sei schon jetzt kompliziert genug. Die Einführung einer Space Force würde das Ministerium nur noch komplexer machen und die Kosten nach oben treiben. Zusätzliches Geld würde sie lieber in Waffen stecken, nicht in Bürokratie, so Wilson. Diese Position teilte auch Verteidigungsminister Jim Mattis. In einem Brief an Senator John McCain schrieb er 2017, er sei gegen die Bildung einer neuen Teilstreitkraft. Im Moment gehe es eher darum, militärische Strukturen zu verbinden statt aufzuspalten.

Bis zum März war dies die offizielle Linie der US-Regierung. Als Trump seine "tolle Idee" öffentlich machte, war sogar sein eigenes Verteidigungsministerium überrascht. Journalisten, die am 13. März - dem Tag, an dem Trump seine Rede in San Diego hielt - im Pentagon anriefen, wurden auf den nächsten Tag vertröstet. Im Juni schließlich wies Trump das Pentagon an, einen Plan für den Aufbau der Space Force zu entwickeln.

Schon mit der Wahl des Ortes, in dem der Vizepräsident nun seine Rede hielt, wurde klargestellt, dass das Verteidigungsministerium jetzt hinter der Space Force steht: Pence sprach im Pentagon. Dabei machte er deutlich, dass die neue Teilstreitkraft nicht völlig neu erfunden werden müsse, sondern auf bestehenden Strukturen aufbauen werde. Allein das von Reagan gegründete Air Force Space Command hat heute mehr als 36.000 Angehörige auf 134 Stützpunkten weltweit.

Den Kongress forderte Pence auf, in den nächsten fünf Jahren acht Milliarden Dollar "in unsere Weltraumsicherheitssysteme" zu investieren - neben den 716 Milliarden, die Trump im Fiskaljahr 2019 in das US-Militär stecken möchte. Die Hoffnung der US-Regierung ist offensichtlich, dass die Abgeordneten und Senatoren einer Space Force als eigenständiger Teilstreitkraft zusätzliches Geld zur Verfügung stellen werden.

Nachdem die Space Force in seiner eigenen Darstellung ja allein seine Idee war, überließ Trump am Donnerstag Pence die Bühne. Er twitterte lediglich einen Satz: "Space Force all the way!" Sein Verteidigungsminister sieht das mittlerweile zumindest ähnlich. Mattis veröffentlichte am Donnerstag einen 15-seitigen Bericht, der zunächst die Gründung einer Behörde vorsieht, deren Auftrag es sein wird, eine Space Force zu gründen. Ob die dann eine eigenständige Teilstreitkraft sein wird, ließ Mattis allerdings offen. Er betonte zwar, er stimme vollständig mit Trump überein. Aber wie die endgültige Organisation der Weltraumstreitkräfte aussehen werde, wisse er nicht. "Daran arbeiten wir noch."

Quelle: n-tv.de

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