Politik

Gedenken an den 20. Juli 1944 Soldaten-Eid am Reichstag

„Die Bundeswehr bekennt sich zur Tradition des Widerstands gegen Hitler“, sagt Verteidigungsminister Guttenberg vor mehreren hundert Rekruten, die vor dem Reichstagsgebäude der Bundesrepublik Deutschland Treue schwören. Der CSU-Politiker fordert eine stärkere stärkere Anerkennung der Bundeswehr: "Wir brauchen diesen Dienst mehr denn je."

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Die Rekruten marschieren zu ihrem Gelöbnis.

(Foto: REUTERS)

Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) hat für eine stärkere Anerkennung der Bundeswehr geworben. „Wir brauchen diesen Dienst mehr denn je“, sagte Guttenberg bei dem öffentlichen Gelöbnis von rund 420 Rekruten vor dem Reichstagsgebäude in Berlin. „Als Soldaten müssen Sie sich darauf verlassen können, dass dieser Dienst in unserem Land seine angemessene Würdigung erfährt.“ Der Staat sei darauf angewiesen, wenn es darauf ankomme, Recht und Freiheit zu verteidigen.

„Die Bundeswehr bekennt sich zur Tradition des Widerstands gegen Hitler“, sagte Guttenberg. „Er ist wesentlicher Teil unseres Selbstverständnisses als Streitkräfte in der Demokratie.“ Dies gebe Orientierung. „Gerade in unserer von den Einsätzen geprägten Gegenwart ist sie von größter Bedeutung.“

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Bundeskanzlerin Merkel und Verteidigungsminister zu Guttenberg danken dem ehemaligen Wehrmachtsoffizier von Kleist für dessen Rede vor den Rekruten.

(Foto: dpa)

Mit dem Gelöbnis am Tag des gescheiterten Attentats vom 20. Juli 1944 auf Adolf Hitler wird an den Widerstand gegen das Nazi-Regime erinnert. Guttenberg würdigte den ehemaligen Wehrmachtsoffizier Ewald-Heinrich von Kleist, der neben Guttenberg Festredner des Abends war. Der 88-Jährige ist einer der letzten Überlebenden des militärischen Widerstands gegen Hitler. Er war als Offizier am gescheiterten Attentat auf Adolf Hitler am 20. Juli 1944 in Berlin direkt beteiligt. Unter anderem sollte er die Entwaffnung der Leibstandarte Hitlers überwachen. Kleists Vater wurde 1945 von den Nationalsozialisten in Berlin-Plötzensee hingerichtet. Er selbst kam in ein Konzentrationslager.

Politik für Soldaten verantwortlich

Von Kleist betonte die Verantwortung der Politik für die Sicherheit und Gesundheit der Bundeswehrsoldaten. Die Bundeswehr habe bei ihrem Einsatz in Afghanistan „schmerzliche Verluste“ erlitten, sagte beim Gelöbnis. „Wir wollen uns nicht daran gewöhnen.“

Zu den angetretenen Rekruten sagte von Kleist: „Sie können erwarten, dass die Verantwortlichen niemals vergessen, dass Blut und Leben der Anvertrauten das höchste und teuerste Gut ist, das wir haben. (...) Aufgabe der Sicherheitspolitik ist es, dies zu schützen.“

Von Kleist dankte der Bundeswehr für ihren Einsatz während des Kalten Krieges: „Wir haben eine Epoche von 65 Jahren Frieden hier in Zentraleuropa gehabt. Das hat es vorher nicht gegeben. Es ist eine einmalige Glücksoase gewesen.“ Zu diesem Dank gehöre auch, dass Politik und Gesellschaft zur Bundeswehr stehe.

Kein Protest gegen Gelöbnis

Die öffentliche Rekrutenvereidigung fand in diesem Jahr zum dritten Mal nach 2008 und 2009 vor dem Reichstag statt – als Symbol der Verbindung von Bundestag und Bundeswehr. Anders als in den vergangenen Jahren gab es jetzt keine Proteste oder Störaktionen. Rings um die weiträumigen Absperrungen am Reichstagsgebäude waren bis zum frühen Abend keine Demonstranten zu sehen.

Gedenken im Bendlerblock

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Ehrenwache im Bendlerblock vor einer Tafel zum Gedenken an die von den Nazis nach dem gescheiterten Hitler-Attentat vom 20. Juli 1944 Ermordeten.

(Foto: APN)

Vor dem Treueschwur der Rekruten hatte die Bundesregierung an das gescheiterte Attentat vor 66 Jahren erinnert. Bei einer Feierstunde im Berliner Bendlerblock würdigte der Bundesverteidigungsminister die Verschwörer vom 20. Juli, in deren Tradition sich die Bundeswehr sieht.

Bundesratspräsident Jens Böhrnsen legte im Bendlerblock, dem heutigen Sitz des Verteidigungsministeriums, einen Kranz nieder. Hier waren die Offiziere um Claus Schenk Graf von Stauffenberg in der Nacht zum 21. Juli hingerichtet worden. Am 20. Juli gedenkt die Bundesregierung traditionell der Ermordeten des Widerstands gegen die nationalsozialistische Gewaltherrschaft.
„Die Frauen und Männer des Widerstandes haben durch ihr Handeln ethische Maßstäbe gesetzt und sind so zu Vorbildern geworden“, sagte Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) bei der Feierstunde. Der in den USA lebende Historiker Fritz Stern verwies darauf, dass das gescheiterte Attentat in der Geschichte Deutschlands einmalig sei. „Nie zuvor gab es in Deutschland einen solchen Aufstand für Befreiung, Recht und menschliche Würde.“

Quelle: n-tv.de, dpa

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