Politik

Zehn Frauen für die SPD Steinmeiers stumme Farbtupfer

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(Foto: AP)

Mit der Vorstellung seines Wahlkampfteams will der SPD-Kanzlerkandidat überzeugen: Zehn Frauen und acht Männer sollen Steinmeier ins Kanzleramt helfen. "Wir haben die besseren Köpfe und die besseren Ideen", erklärt er voller Stolz. Die Köpfe aber bleiben stumm. Trotzdem sorgt Steinmeier für Überraschungen.

Um kurz nach zwölf ist es soweit: Das "Team Steinmeier" rückt an. Schon von weitem sind viele bunte Farbflecken durch die Bäume am Templiner See zu erkennen: die Frauen im Team des Kanzlerkandidaten. Frank-Walter Steinmeier schreitet mit Bundesjustizministerin Brigitte Zypries und der mecklenburgischen Familienministerin Manuela Schwesig voran. Der Kanzlerkandidat setzt auf weibliche Stärke - zehn Frauen sollen die Wähler bis zur Bundestagswahl von den Sozialdemokraten überzeugen.

Hier, auf der Halbinsel Hermannswerder vor Potsdam, präsentiert Steinmeier sein Kompetenzteam für die Bundestagswahl 2009. Die SPD hat gute Erinnerung an diesen Platz: Hier legten die Sozialdemokraten 2005 vor den Koalitionsverhandlungen mit der Union ihre Linie fest. Sie beschlossen, Angela Merkel in ein sozialdemokratisches Korsett zu zwängen. Erfolgreich, wie es in der SPD-Spitze heißt. Daran möchte man anknüpfen.

Im Garten des Inselhotels stehen die Mitglieder des Steinmeier-Teams auf einer Bühne direkt vor dem See. Ein leichter Wind kommt vom Wasser und lässt die Bäume leise rauschen. Und gerade noch rechtzeitig hat sich der Regen verzogen - die Sonne kommt hervor, die Wahlkampftruppe erstrahlt. In der ersten Reihe steht Steinmeier, umringt von den vielfarbig kostümierten Frauen, dahinter die acht Männer in dunklen Anzügen. Und sofort geht das Getuschel unter den Medienvertretern los: Wer ist das dort hinten? Kennst du die Frau ganz rechts?

Unbekannte Überraschungen

Antworten darauf gibt es nicht. Steinmeier scheint das Getuschel gewollt zu haben, zu genießen, er sagt erst einmal nichts. Nur Bilder sind erlaubt. Erklärungen gibt es zwei Stunden später auf einer Pressekonferenz. "Jut - Danke", ruft Steinmeier, breitet die Arme aus und führt sein Kompetenzteam wieder von der Bühne.

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Etwas sagen durften aber nur die alten Bekannten - SPD-Chef Müntefering und Steinmeier bei der Pressekonferenz.

(Foto: dpa)

Die zehn Frauen und acht Männer sollen mit Steinmeier der SPD-Kampagne die Gesichter verleihen. Schattenkabinett hätte man das früher genannt. 2009 meidet die SPD den Begriff, was natürlich nichts mit den Erfolgsaussichten für die Wahl zu tun haben soll. Den Verdacht wird man trotzdem nicht los.

Der Kanzlerkandidat überrascht mit seinem Team durch unbekannte Namen. Prominente Überraschungen gibt es nicht. Vor allem zwei Gesichter sind es, die niemand auf der Liste hatte und Neugier wecken: Unternehmer Harald Christ, der sich um Mittelstandspolitik kümmern soll, und Landwirt Udo Folgart, dessen Kompetenz die Agrarpolitik ist.

Anruf kam erst am Wochende

Folgart ist auch einer der ersten, der nach dem Fototermin das Inselhotel wieder verlässt. Auf die Frage, wie groß denn das Selbstbewusstsein des Teams sei, antwortet er: "Eigentlich schon groß."

Der brandenburgische Landtagsabgeordnete und Vizepräsident des Bauernverbandes ist als einer der letzten in die Steinmeier-Truppe berufen worden. "Sehr kurzfristig", sagt der Landwirt mit den hervorstechenden Augenbrauen. Erst am Samstagabend sei er vom Kanzlerkandidaten angerufen worden, nach seinem Urlaub auf Island. Nach einer kurzen Bedenkzeit hat Folgart erst am Montag zugesagt.

Vielleicht kann Folgart ja beantworten, warum man Steinmeier wählen sollte. Was hat ihn vom SPD-Spitzenkandidaten überzeugt? "Ich kenne ihn aus seinem Wahlkreis in Brandenburg", antwortet Folgart. Dort habe er Steinmeier "kollegial und freundschaftlich" erlebt. Zudem begreife der Kanzlerkandidat den ländlichen Raum als Wirtschaftsfaktor und wolle entsprechend zu seiner Entwicklung beitragen. Als weitere Nachfragen auf Folgart einprasseln, fällt ihm auf, dass er eigentlich schon zu viel gesagt hat. Er geht.

"Gemeinsam in die Hand spucken"

Aufklärung über die Gesichter des Steinmeier-Teams verspricht die Pressekonferenz. Auf der Bühne, wo eben noch die Teammitglieder in die Kameras lächelten, stehen nun der Kanzlerkandidat und SPD-Chef Franz Müntefering. Vom Kompetenzteam keine Spur.

"Sie sehen hier einen gut gelaunten Kanzlerkandidaten der SPD", eröffnet Steinmeier die Pressekonferenz zur Vorstellung seines Wahlkampfteams. In den nächsten acht Wochen plane man "gemeinsam in die Hand zu spucken". Die SPD habe "die besseren Köpfe und die besseren Ideen". Davon überzeugen können sich die Vertreter der Öffentlichkeit aber nicht - die Köpfe dürfen nicht sprechen.

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Zehn Frauen und acht Männer sollen Steinmeier ins Kanzleramt helfen.

(Foto: REUTERS)

Steinmeier erklärt, wie er sich den Wahlkampf und die Rolle seines Teams darin vorstellt. Nicht der einzelne soll im Vordergrund stehen - gemeinsam sollen sich die jeweils zuständigen Köpfe seiner Truppe den Schwerpunkten des SPD-Wahlkampfs widmen. Allen voran: Arbeit und Wirtschaft, Bildung und Integration sowie Familie und Beruf.

Verbindung der Köpfe

Zu den Köpfen für Arbeit und Wirtschaft zählen neben Finanzminister Peer Steinbrück und Arbeitsminister Scholz auch Umweltminister Sigmar Gabriel und der bislang unbekannte Unternehmer Harald Christ. Der 37-Jährige ist Inhaber einer Aktiengesellschaft und Vermögensverwalter, war auch schon als Senator für Berlin im Gespräch. "Wir kennen ihn", sagt Steinmeier mit einem Augenzwinkern. Christ sei SPD-Mitglied und auch für den Mindestlohn, weist er skeptische Nachfragen zurück.

Die Verbindung der beiden Bereiche Bildung und Integration verpreche eine wirkliche Neuerung in der Politik, fährt Steinmeier fort, und sei nicht weniger wichtig als Arbeit und Wirtschaft. Ein Wink an Andrea Nahles, die auf diesem Politikfeld zusammen mit der Sport-kompetenten Dagmar Freitag und der Behindertenbeauftragten Karin Evers-Meyer überzeugend wirken soll. Familie und Beruf als dritten Schwerpunkt besetzt der SPD-Spitzenkandidat prominent mit dem jüngsten Mitglied seines Teams: Mecklenburg-Vorpommerns Familienministerin Manuela Schwesig. Sie soll zudem mit Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee und dem Landwirtschaftsbeauftragten Folgert den Osten sichtbar als Themenfeld abdecken.

Schmidts Platz bleibt frei

Zum Schluss kommt Steinmeier dann noch einmal auf Ulla Schmidt. Der Platz für Gesundheitspolitik sei mit voller Absicht leer geblieben, Steinmeier lobt die Ministerin ausführlich für ihre Leistungen, gerade gegen die Lobbyisten in der Gesundheitspolitik. Schmidt habe die Fakten jetzt präsentiert, nun müsse der Bundesrechnungshof schnell darüber urteilen. Einen Plan B für den Fall ihres Scheiterns gebe es nicht.

"Ich bin rundum zufrieden", erklärt Steinmeier. "Wir spielen nicht auf Platz, wir spielen auf Sieg." Die Union habe ihr Wählerpotenzial bereits ausgeschöpft, die SPD könne und müsse ihre Wähler noch überzeugen. Er stehe gemeinsam mit seinem Team für den Anspruch, "den Kanzler zu stellen". Zweifel daran lässt er nicht gelten. Steinmeier wirkt dabei fast selbst überzeugt. "Yo, yo", sagt er noch und verlässt die Bühne. Die Show ist vorbei.

Quelle: n-tv.de

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