Politik

"Sieg des Dschihad" Taliban machen Jahrestag der Machtübernahme zum Feiertag

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Die Taliban schränken die Meinungsfreiheit immer weiter ein.

(Foto: picture alliance/dpa)

Am 15. August sind die Taliban seit genau einem Jahr in Afghanistan an der Macht. Der "Jahrestag des Sieges" soll ab sofort regelmäßig gefeiert werden. Die Missstände in dem Land hingegen häufen sich. Nicht nur die Rechte von Frauen werden immer stärker eingeschränkt.

Die militant-islamistischen Taliban haben für den Jahrestag ihrer Rückkehr an die Macht in Afghanistan einen Feiertag ausgerufen. Der 15. August markiere den "ersten Jahrestag des Sieges des vom Islamischen Emirat Afghanistan angeführten afghanischen Dschihad über die amerikanische Besatzung und ihre Verbündeten", schrieb das Ministerium für Arbeit und Soziales in einer Mitteilung zur Ankündigung des Feiertages.

Die Taliban waren vergangenes Jahr auf wenig Gegenwehr der afghanischen Streitkräfte gestoßen, als sie das Land nach und nach unter ihre Kontrolle brachten und schließlich die Hauptstadt Kabul einnahmen. Die Bundeswehr hatte Afghanistan im Juni 2021 schneller als ursprünglich geplant verlassen. Sie folgte damit zeitlichen Vorgaben der USA.

Nach der Einnahme Kabuls durch die Taliban erfolgte ein internationaler militärischer Evakuierungseinsatz, an dem sich auch Deutschland beteiligte. Am Flughafen der Hauptstadt spielten sich dramatische Szenen ab, als viele Menschen das Land verlassen wollten. Bislang seien 15.759 afghanische Ortskräfte und Familienangehörige nach Deutschland geholt worden, sagte Bundesinnenministerin Nancy Faeser der "Bild"-Zeitung. Sie nannte keine genaue Zahl, für wie viele weitere die Ausreise noch geplant ist. Die Ortskräfte arbeiteten früher beispielsweise als zivile Helfer für die Bundeswehr oder als Dolmetscher.

"Kinder lebensgefährlich mangelernährt"

Seit die Taliban die Macht wieder ergriffen haben, ist die wirtschaftliche Not größer als zuvor. Fast die Hälfte der Bevölkerung ist von Hunger bedroht. Das UN-Kinderhilfswerk UNICEF beschreibt die Versorgung in dem Land als katastrophal und beklagt eine massive Unterfinanzierung der Hilfe für die Bevölkerung. "Über eine Million Kinder sind lebensgefährlich mangelernährt", schrieb der Geschäftsführer von UNICEF Deutschland, Christian Schneider, im "Kölner Stadt-Anzeiger".

Die Meinungsfreiheit schränken die Taliban immer weiter ein. Willkürliche Verhaftungen, außergerichtliche Tötungen ehemaliger afghanischer Amtsträger und Angriffe der Terrormiliz Islamischer Staat gegen religiöse Minderheiten haben zugenommen. Mit Warnschüssen lösten die Taliban einen friedlichen Protest von Dutzenden Frauen für Essen, Arbeit und Freiheit in Kabul auf. Auf Aufnahmen in sozialen Medien war zu sehen, wie Taliban Schüsse abgaben und Frauen körperlich angriffen.

Auch die Zahl der Journalistinnen und Journalisten, die in den Medien arbeiteten, sei um mehr als die Hälfte auf rund 4750 gesunken - Frauen seien besonders betroffen. Seit August 2021 seien mindestens 80 Medienschaffende für unterschiedlich lange Zeiträume und teils "auf sehr brutale Weise" festgenommen worden. Auf einer "Rangliste der Pressefreiheit" steht Afghanistan auf Platz 156 von 180 Staaten.

Quelle: ntv.de, can/dpa

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