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Hinweis auf Bombenpaket kam vom BKA Terroristen erkennen Sicherheitsleck

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(Foto: dpa)

Der Anschlagsversuch mit Paketbomben erwischt die Sicherheitsbehörden auf dem falschen Fuß. Nach Angaben von Innenminister de Maizière wird international hauptsächlich der Personenverkehr kontrolliert. Die Terroristen hätten diese Lücke erkannt. Eine Festnahme im Jemen könnte sich indes als Identitätsdiebstahl herausstellen.

Die Sicherheitsbehörden sind anscheinend von der versuchten Terrorattacke per Luftpost überrascht worden. "Die Luftfracht wurde bisher relativ wenig kontrolliert", räumte Innenminister Thomas de Maizière (CDU) in Dresden ein. "Es gab auch wenig Hinweise, dass es jetzt Anschläge über die Luftfracht gibt. Dies ist ein neuer Vorgang." International habe es eine sehr starke Konzentration auf die Kontrolle des Personenverkehrs gegeben. "Das ist offenbar jetzt erkannt und ausgenutzt worden, und das muss Konsequenzen haben für den Frachtflugverkehr."

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De Maizière sagte kurzfristig eine Reise in den Nahen Osten ab.

(Foto: dpa)

De Maizière sagte, der entscheidende Tipp zum Auffinden des Pakets in Großbritannien, sei vom Bundeskriminalamt gekommen. Das BKA habe aufgrund von "Informationen eines befreundeten Geheimdienstes" das Paket lokalisieren können und den britischen Behörden die genauen Daten zum Auffinden der Sprengladung mitteilen.

Der US-Geheimdienst geht derzeit nicht davon aus, dass eine weitere Luftfracht-Bomben im Umlauf befinde. Dies sagte US-Anti-Terror-Chef John Brennan dem Fernsehsender NBC. Zwar könne er weitere Frachtpakete mit Sprengstoff natürlich nicht hundertprozentig ausschließen, sagte Brennan. "Aber im Moment haben wir keine Hinweise, dass es weitere Pakete irgendwo gibt."

Deutschland stoppt Luftfracht aus Jemen

Die Bundesregierung stoppte als Konsequenz aus den Bombenfunden dennoch den gesamten Luftfrachtverkehr aus dem Jemen. "Wir lassen keinerlei Luftpostpakte und Fracht aus dem Jemen mehr nach Deutschland. Das Luftfahrtbundesamt wird die Fluggesellschaften, Expressdienstleister und andere Transportunternehmen entsprechend anweisen", sagte Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU).

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Im Frachtzentrum des amerikanischen Expressfracht-Unternehmens UPS auf dem Gelände des Flughafens Köln/Bonn.

(Foto: dpa)

Das Luftfahrtbundesamt forderte die Unternehmen auf, auch jene Frachtstücke, die jetzt noch aus dem Jemen eintreffen oder bereits in Deutschland lagern, lückenlos zu kontrollieren. Insbesondere Transit- und Transferfracht müsse überwacht werden. Die Deutsche Post bestätigte, dass ihre Tochter DHL bereits alle Lieferungen aus dem Jemen gesondert kontrolliert. "Wir folgen natürlich den Vorgaben der Behörden", sagte die Sprecherin.

US-Behörden fahnden nach einem Saudi

Bei der Fahndung nach den Hintermännern haben die US-Behörden ihr Augenmerk inzwischen auf den Saudi Ibrahim Hassan al-Asiri gerichtet, der als eine der führenden Figuren der Terrororganisation Al-Kaida auf der arabischen Halbinsel gilt. In den an jüdische Einrichtungen in Chicago adressierten Paketbomben war nach Medienberichten der Sprengstoff PETN enthalten. Den gleichen Sprengstoff wollte auch der sogenannte "Unterhosenbomber" Omar Farouk Abdulmutallab bei seinem gescheiterten Versuch zünden, Weihnachten 2009 ein Passagierflugzeug über Detroit in die Luft zu jagen. Abdulmutallab hatte nach Angaben der US-Behörden Verbindungen zur Al-Kaida im Jemen.

Studentin im Visier

Die jemenitischen Behörden nahmen eine 22-Jährige Studentin und deren Mutter in einem Armenviertel der Hauptstadt Sanaa fest. Wie die Regierung mitteilte, führte eine bei einer der Bomben gefundene SIM-Karte auf die Spur der jungen Frau. "Sie ist eine Medizinstudentin, und sie wird zur Befragung festgehalten", sagte Jemens Präsident Ali Abdullah Saleh. Die 22- Jährige sei von den US-Behörden als Absenderin der Pakete ermittelt worden.

Nach Angaben ihres Anwaltes könnte die Studentin aber Opfer eines Identitätsdiebstahls geworden sein. Laut BBC hatte sie ihre Telefonnummer bei einem Frachtunternehmen hinterlegt. Es mache keinen Sinn, dass jemand, der einen Bombenanschlag plane, eine Kopie seines echten Ausweises und seine Telefonnummer hinterlasse, zitierte die britische "Sunday Times" den Anwalt.

Geheimdienste arbeiteten zusammen

Nach US-Medienberichten wurden die Pakete aus dem Jemen nur durch einen Hinweis des saudi-arabischen Geheimdienstes entdeckt und nicht bei den regulären Sicherheitschecks. Eine der beiden Bomben wurde in Dubai gefunden, der zweite Sprengsatz auf dem East-Midlands-Flughafen nahe Nottingham.

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Solche Container werden in Köln-Bonn umgeladen. Die Kontrolle obliegt nur dem Aufgabeort.

(Foto: Reuters)

Entscheidenden Anteil daran hatte das Bundeskriminalamt. Nach den Angaben de Maizières hatten die deutschen Sicherheitsbehörden in der Nacht von Donnerstag auf Freitag "von einem befreundeten Dienst" den Hinweis bekommen, dass in an die USA gerichteten Paketen Sprengstoff sei, sagte de Maizière in Dresden. Das BKA habe dann sofort die Ermittlungen aufgenommen, die Nummer des Pakets ermittelt und an die britischen Behörden weitergegeben. "Durch diese schnelle Ermittlungsarbeit konnte Großbritannien diese Pakete aufklären, ermitteln, sicherstellen." Weil der Tipp so spät kam, konnte der Weitertransport des Bombenpakets nach Großbritannien von Deutschland auch nicht mehr gestoppt werden.

Bombe reiste über Deutschland

Wie der britische Premier David Cameron am Samstagabend sagte, sollte die Bombe noch im Flugzeug explodieren. Die manipulierte Drucker-Patrone war nach bisherigen Erkenntnissen mit einem Flugzeug des Paketdienstes UPS aus dem Jemen nach Großbritannien gekommen und auf ihrem Weg dahin auf dem Flughafen Köln/Bonn umgeladen worden.

Cameron war der erste, der in einem Nebensatz bestätigte, dass die hochexplosive Fracht in Deutschland einen Zwischenstopp gemacht hatte: "Ein Paket, das im Jemen auf den Weg gebracht wurde, in Deutschland umgeladen wurde, dann in Großbritannien landete, bestimmt für Amerika; das zeigt, wie stark wir zusammenstehen und wie entschlossen wir sein müssen, um den Terrorismus zu besiegen", sagte er vor einem Treffen mit Kanzlerin Angela Merkel.

Quelle: n-tv.de, ppo/dpa/AFP/rts

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