Politik

Angriff auf Ramblas nur Plan B? Terrorzelle hatte Sagrada Família im Visier

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In der Sagrada Família gedenken die Bürger Barcelonas am Sonntag der Opfer des Terrors.

(Foto: dpa)

Die Ermittler gehen davon aus, dass die Terrorzelle von Ripoll eigentlich einen größeren Sprengstoffanschlag plante. Spanischen Medien zufolge hatte die Bombe eine enorme Sprengkraft. Das vermutete Ziel: die Sagrada Família - Barcelonas Wahrzeichen.

Die Terrorzelle, auf deren Konto der Anschlag in Barcelona und der Anschlagsversuch in Cambrils gehen, plante einem spanischen Medienbericht zufolge einen Sprengstoffanschlag auf die Kirche Sagrada Família. Laut dem Online-Portal El Confidencial fanden die Ermittler Abbildungen der von Antoni Gaudí entworfenen Kathedrale bei der Auswertung von Computerdaten der Verdächtigen.

Die Ermittler vermuten, dass die Terroristen einen größeren Anschlag mit mehreren Hundert Toten geplant hatten, durch einen Unfall von diesem ursprünglichen Vorhaben jedoch abgehalten wurden. In Alcanar, rund 200 Kilometer von Barcelona entfernt, war es in der Nacht auf Donnerstag zu einer großen Explosion gekommen, die ein ganzes Haus in Trümmer legte und bei der zwei Menschen starben. Hier arbeiteten die Attentäter wohl an dem Sprengsatz.

Dem Bericht zufolge unterlief den Bombenbauern ein Fehler beim Bau einer Bombe mit dem Stoff TATP, der unter Islamisten den Beinamen "Mutter des Satans" trägt. Er lasse sich aus einfachen Drogeriesubstanzen mischen und habe eine enorme Sprengkraft. Die Gefahr eines Unfalls sei jedoch auch sehr hoch. IS-Terroristen bedienen sich des Stoffs häufig. Bei Jaber al-Bakr, der den Flughafen Berlin-Tegel im Visier gehabt haben soll, wurde er ebenfalls gefunden.

Zelle traf sich zuvor in Zentral-Marokko

Auch in Alcanar wurden Spuren von TATP festgestellt. Angeblich wollten die Attentäter mit dem TATP eine Bombe zur Explosion bringen, die aus über 100 Butan-Flaschen zusammengesetzt war.

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Der Chef der katalanischen Polizei, Josep Lluis Trapero, sagte, die Attentäter hätten nach der unabsichtlichen Explosion in Alcanar nicht mehr genügend Sprengstoff für einen größeren Anschlag gehabt. Daraufhin hätten sie sich kurzfristig für die Taten in Barcelona und Cambrils entschieden.

Wie El Confidencial weiter berichtet, hielten sich einige der Dschihadisten noch wenige Tage vor dem Anschlag im marokkanischen M'rirt auf, um sich auf den Anschlag vorzubereiten. Aus dieser 35.000-Einwohner-Stadt im Zentrum des Landes stammt ein großer Teil der Verdächtigen.

So kehrte Quellen der Anti-Terror-Einheit Spaniens zufolge auch Driss Oukabir erst in der Woche des Anschlags nach Spanien zurück. Unter Driss Oukabirs Namen wurde der Lieferwagen angemietet, mit dem die Terroristen dann den Anschlag auf Las Ramblas verübten. Oukabir stellte sich wenige Stunden nach dem Attentat der Polizei und gab an, sein jüngerer Bruder Moussa habe sich seiner Identität bemächtigt und das Fahrzeug beschafft. Der 17-jährige Moussa Oukabir ist einer der fünf Männer, die bei einer Schießerei mit der Polizei in Cambrils ums Leben kamen.

Verbindungen zu Terrornetz in Frankreich und Belgien?

Die Ermittler gehen mittlerweile davon aus, dass ein Imam aus dem katalanischen Ripoll für die Radikalisierung der Gruppe verantwortlich war. Die jungen Männer zwischen 17 und 18 Jahre hatten zuvor offenbar keine Verbindungen zum islamistischen Terrorismus. Aus Ripoll stammten auch fast alle Terroristen. Abdelbaki Es Satty, so der Name des Geistlichen, könnte laut Vermutungen der Ermittler bei der Explosion von Alcanar ums Leben gekommen sein. Mithilfe eines DNA-Abgleichs versucht die Polizei derzeit Gewissheit zu erlangen.

Es Satty verbüßte eine vierjährige Haftstrafe wegen Drogenhandels und soll Kontakte zu den Verantwortlichen der Zuganschläge von 2004 in Madrid gehabt haben, wie die Zeitung "El País" berichtete. Womöglich ist er auch Bindeglied zu einem größeren terroristischen Netzwerk, das bis ins Nachbarland Frankreich reichen könnte. Einige Attentäter, die für die Serie von Anschlägen in Frankreich in den vergangenen Monaten verantwortlich waren, stammten ebenfalls aus dem nordafrikanischen Marokko. Womöglich bestehen Verbindungen zu den Terroristen von Paris und Brüssel, so die Annahme der Ermittler.

Die Ermittler fahnden derzeit noch nach drei mutmaßlichen Terroristen. Unter ihnen ist auch der 22-jährige Marokkaner Younes Abouyaaquoub, der den Lieferwagen auf Las Ramblas gesteuert haben soll. Vier Verdächtige sind bereits in Haft, fünf Terroristen wurden in Cambrils erschossen. In Barcelona und Cambrils töteten die Dschihadisten 14 Menschen, weit mehr als 100 wurden verletzt. Noch immer werden Dutzende in Krankenhäusern versorgt.

Quelle: ntv.de, jog