Politik

Ex-Offizier wird Botschafter Trump will Macgregor nach Deutschland schicken

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Macgregor bei einem Treffen mit israelischen Militärs.

(Foto: BMG-2048 / Wikimedia Commons)

Der US-Präsident hat einen Kandidaten für den Posten des US-Botschafters in Berlin auserkoren. Douglas Macgregor war früher Offizier, er kennt und kritisiert Deutschland und er teilt Trumps Ansichten zur Verteidigungspolitik. Als diplomatisch gilt er nicht.

Ex-Offizier, Deutschland-Kenner und -Kritiker, regelmäßiger Gast bei Fox News: Trump hat einen Kandidaten für den Posten des US-Botschafters in Berlin auserkoren. Der könnte ihm bei der Umsetzung der Truppenabzugspläne helfen - muss dafür aber erst bestätigt werden.

US-Präsident Donald Trump will einen ehemaligen Heeresoffizier, Oberst a.D. Douglas Macgregor, als Nachfolger von Richard Grenell als US-Botschafter nach Berlin schicken. Das hat das Weiße Haus mitgeteilt. Vorschläge für einen Botschafterposten müssen vom US-Senat bestätigt werden. Und es ist völlig offen, wann eine entsprechende Anhörung dafür angesetzt werden könnte.

Die Ankündigung des Weißen Hauses fällt in die Woche, in der Einzelheiten der Truppenabzugspläne der USA für Deutschland bekannt gegeben werden sollen. Macgregor hatte sich in der Vergangenheit mit Blick auf die deutsche Verteidigungspolitik kritisch gezeigt, weswegen er Trumps Entscheidung begrüßt haben dürfte. Den Plan, knapp 10.000 der fast 35.000 US-Soldaten in Deutschland abzuziehen, hatte Trump mit den aus seiner Sicht zu geringen Verteidigungsausgaben Deutschlands begründet.

Häufiger Gast bei Fox News

Wie der frühere Botschafter Grenell tritt Macgregor immer wieder beim konservativen Sender Fox News auf, der Trump politisch sehr nahesteht. Vor zwei Jahren sagte er dort: "Die Deutschen fühlen sich dank uns nicht verpflichtet, sich selbst zu verteidigen. Und der Präsident hat einfach gesagt: 'Schauen Sie, warum sollte der amerikanische Steuerzahler Sie verteidigen, wenn Sie nicht willens sind, sich selbst zu verteidigen?'"

Macgregor könnte dabei helfen, dass Trumps Absicht, Truppen in Deutschland zu reduzieren, Wirklichkeit wird, sagte Daniel Davis von der Denkfabrik Defense Priorities dem Online-Portal Politico. Macgregor spreche fließend Deutsch und habe viele Jahre in Deutschland gelebt, so Davis, der Macgregor seit Jahrzehnten kennt.

Das Weiße Haus erklärte, der Kriegsveteran, Autor und Berater sei als "Experte für Streitkräfteplanung" bekannt. Während seiner Karriere beim US-Militär habe Macgregor das Team des US-Sonderbeauftragten für den Balkan bei den Friedensgesprächen unterstützt, die den Krieg in Bosnien und Herzegowina mit dem Abkommen von Dayton beendeten. Macgregor war zudem Planungschef für den Oberbefehlshaber der Nato-Streitkräfte im Kosovo-Krieg. Für seinen Einsatz im Zweiten Golfkrieg sei er 1991 mit der Bronze Star Medal ausgezeichnet worden, heißt es auf der Webseite seiner Beratungsfirma, der Burke-Macgregor Group.

Befürworter von Truppenabzügen

Macgregor, der aus Pennsylvania stammt, hat mehrere Bücher veröffentlicht, darunter im Jahr 1989 eines über die Allianz der DDR mit der Sowjetunion während des Kalten Krieges. Er ist ein ausgesprochener Kritiker des Afghanistan-Einsatzes und befürwortet den von Trump immer wieder beschworenen Truppenabzug. "Deswegen haben wir ihn gewählt", sagte Macgregor Anfang des Jahres. Ebenfalls im Januar appellierte er an Trump, die verbleibenden US-Truppen aus dem Irak und Syrien abzuziehen. "Der Krieg ist vorbei, wir haben ihn verloren", sagte er.

Macgregor sei nicht als der Diplomatischste bekannt, heißt es bei Politico. In einem Artikel zum Zustand der Nato schrieb der Ex-Offizier im März 2019: "Die Nato stirbt nicht. Sie ist ein Zombie." Mit dem Verschwinden der sowjetischen Bedrohung sei ihr das Leben ausgegangen. Das Militärbündnis werde lediglich immer wieder "reanimiert", normalerweise mit "Voodoo-Zauber". "Auch Zombies sterben irgendwann", meinte Macgregor.

Grenell, ein enger Vertrauter des US-Präsidenten, war im Juni nach gut zwei Jahren als US-Botschafter in Deutschland zurückgetreten. Als Botschafter in Berlin sah Grenell seine Aufgabe darin, die Politik Trumps in Deutschland und Europa offensiv zu vertreten - auf unkonventionelle, eher undiplomatische Weise. Schon kurz nach seiner Ernennung als Botschafter im Mai 2018 warnte er deutsche Unternehmen davor, mit dem Iran zusammenzuarbeiten. Aus Verärgerung über die aus seiner Sicht unzureichenden deutschen Militärausgaben drohte er, US-Truppen aus Deutschland abzuziehen. Und wegen der deutsch-russischen Ostseepipeline Nord Stream 2 brachte Grenell sehr früh Sanktionen auch gegen deutsche Unternehmen ins Spiel.

Quelle: ntv.de, ino/vpe/dpa